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Erschliessungsbahnen Pizol CH

sänger

Großer Müggelberg (115m)
Scherbenhaufen am Pizol
Keine Investitionshilfe mangels Einigung zwischen Wangs und Bad Ragaz
Luftseilbahn Wangs-Pizol und Sportbahnen Bad Ragaz haben keine gemeinsame Strategie gefunden zur künftigen Pizol- Erschliessung. Damit stehen für eine Erneuerung der Anlagen am Pizol keine Gelder von Bund und Kanton zur Verfügung.
so.- Die Staatskanzlei des Kantons St. Gallen teilte gestern mit: Noch Mitte Januar gab es einen Hoffnungsschimmer - nach einer von Regierungspräsident Josef Keller geführten Aussprache zwischen der Luftseilbahn Wangs-Pizol AG und den Sportbahnen Bad Ragaz AG erklärten sich deren Verwaltungsräte zu weiteren Verhandlungen über eine gemeinsame Strategie zur künftigen seilbahntechnischen Pizol-Erschliessung bereit.
Die von Regierungspräsident Josef Keller gesetzte Frist bis Mitte März ist nun aber verstrichen, ohne dass sich die beiden Bergbahngesellschaften finden konnten. Der Regionalplanung Sarganserland-Walensee wurden zu Handen des kantonalen Amtes für Wirtschaft zwei separate, sich materiell gegenseitig ausschliessende Gesuche um Investitionshilfedarlehen und Zinskostenbeiträge eingereicht.
Bedingungen längst klar
Bereits im Sommer 2003 hatten die kantonalen Stellen den Bergbahnunternehmen die Bedingungen für die Gewährung von Investitionshilfedarlehen im Umfang von 3 bis 5 Millionen sowie von Zinskostenbeiträgen für die Erneuerung der Zubringeranlagen am Pizol bekannt gegeben. Neben der betriebswirtschaftlichen Nachhaltigkeit der Projekte wurde eine gemeinsame Strategie der beiden Gesellschaften für die Zubringererneuerung und die weitere künftige Investitionstätigkeit am Pizol verlangt. Nach eineinhalb Jahren erfolglosen Verhandelns wurde den Gesellschaften Mitte Januar 2005 eine letzte zweimonatige Frist für den erfolgreichen Abschluss von Kooperationsverhandlungen gesetzt.
Investitionshilfedarlehen werden nur für Projekte gewährt, die nach wirtschaftlichen Kriterien erfolgreich betrieben werden können. Mit Blick darauf hat das Volkswirtschaftsdepartement bereits früher darauf hingewiesen, dass ein Zusammengehen der beiden Unternehmungen bzw. die Ausarbeitung eines Gesamtprojektes Grundlage für die Gewährung der Unterstützung bilden muss und die Investitionshilfe nicht einer von zwei konkurrierenden Unternehmen im gleichen Gebiet gewährt werden könne.
Nachdem sich die Verwaltungsräte der Bergbahngesellschaften nunmehr nicht einigen konnten und separate, sich gegenseitig ausschliessende Gesuche eingereicht wurden, stehen für eine Erneuerung der Zubringeranlagen am Pizol keine Gelder von Bund und Kanton zur Verfügung.
Gemäss der einschlägigen Bundesgesetzgebung sollen mit Investitionshilfedarlehen die wirtschaftlichen Entwicklungsvoraussetzungen und die Wettbewerbsfähigkeit im Berggebiet verbessert werden. Ausdrücklich soll auch die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Teilregionen und Regionen gefördert werden.
«Gartenhagdenken»
Für Darlehen an Bergbahnprojekte stellt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) aufgrund von eingetretenen Verlusten in anderen Landesgegenden erhöhte Anforderungen. Selbst der Seilbahnverband ortet im «Gartenhagdenken» der einzelnen Betriebe und einem zu kleinräumigen Konkurrenzdenken ein Hindernis für eine bessere Zusammenarbeit und für eine erfolgreichere und marktgerechte Angebotsgestaltung (NZZ 3. März).
Eine unkoordinierte Investitionstätigkeit zweier Gesellschaften am gleichen Berg kann unter diesen Voraussetzungen nicht als zukunftsträchtig und damit förderungswürdig qualifiziert werden. Das Volkswirtschaftsdepartement bedauert sehr, dass die Bergbahnverwaltungsräte ihre Verantwortung für die Bedürfnisse ihrer eigenen Region ungenügend wahrnehmen und eine zukunftsweisende, den Erfordernissen des Marktes angepasste Neuausrichtung des Skigebiets Pizol behindern.
Regionale Nutzniesser?
Die nunmehr frei werdenden Darlehensgelder des Bundes werden nach Möglichkeit in den Regionen Sarganserland-Walensee und Toggenburg in andere, die regionale Wertschöpfung steigernde Projekte investiert.

Quelle: Die Südostschweiz 17. März 2005
 
Ich habe ja geahnt, dass es so enden wird. Es ist zu befürchten, dass wir bald ein weiteres Schweizer Skigebiet zur LSAP-Liste hinzufügen müssen.
 
@GMD: Wenn ich den Zeitungsartikel lese, habe ich den Eindruck, die Seilbahner im Pizolgebiet spinnen :nichtzufassen:
 
Die Wangser und Ragazer sind sich eben spinnefeind, nicht nur was die Bergbahnen angeht.
 
Nja, aber dass die Feindschaft 5 Mio. Franken wert ist, ist für mich schwer nachvollziehbar. Aber meiner Meinung nach hat der Kanton St. Gallen recht, wenn er jetzt konsequenterweise die Fördergelder verweigert.
Spannend wird's nun allemal, wie die beiden Bahngesellschaften nun ihre Zubringer alleine erneuern wollen.
 
Aber so ist es. Aus lauter Angst vermeintlich schlechter wegzukommen, wird das Ganze aufs Spiel gesetzt. Oder anders gesagt: Lieber zusammen untergehen, als zuerst der eine und dann den anderen zu retten!

Die Geschichte ist wieder einmal ein Musterbeispiel für das kleinräumige Denken, das in der Schweiz oft noch vorherrscht. Solche Fehden zwischen zwei Gemeinden können Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte andauern, ohne dass man sich einigt.
 
GMD schrieb:
Aber so ist es. Aus lauter Angst vermeintlich schlechter wegzukommen, wird das Ganze aufs Spiel gesetzt. Oder anders gesagt: Lieber zusammen untergehen, als zuerst der eine und dann den anderen zu retten!

Die Geschichte ist wieder einmal ein Musterbeispiel für das kleinräumige Denken, das in der Schweiz oft noch vorherrscht. Solche Fehden zwischen zwei Gemeinden können Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte andauern, ohne dass man sich einigt.

Nicht zu fassen! :wall:
Das erinnert mich an das Drama zwischen Kreuzweg und Strassburger Fürggli.

Wenn ich dran denke wie gross das Skigebiet Parsenn/Gotschna/Fideriser Heuberge/Strela jetzt sein könnte! :wall:
 
Habe im Radio DRS 1 gehört, sie hätten sich auf die Bahn von Wangs geeinigt. Leider hörte ich nicht den ganzen Bericht. Weiss jemand genaueres??
 
Hier gibts etwas mehr zum Thema:

Pizol: Wende im Seilbahnstreit
Die Sportbahnen Bad Ragaz AG gibt nach im Seilbahn-Streit um Investitionshilfe-Darlehen: Sie zieht ihr Projekt zurück und unterstüzt dasjenige der Luftseilbahn Wangs-Pizol AG. Allerdings mit Vorbehalten, wie sie mitteilte.

Ein unabhängiger Experte habe das Wangser Projekt auf seine Wirtschaftlichkeit und seine Nachhaltigkeit zu überprüfen, teilte der Verwaltungsrat der Sportbahnen Bad Ragaz AG am Wochenende mit.

Vergangene Woche hatte das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St. Gallen mitgeteilt, keine der beiden Bahnen am Pizol würde Geld vom Staat für ein Sanierungs- und Ausbauvorhaben erhalten. Die Behörden hatten eine Einigung und ein gemeinsames Projekt zur Bedingung gemacht für ein Investitionshilfe-Darlehen.

Stattdessen reichten beide Bahngesellschaften separate Gesuche ein. Dieses Vorgehen löste nicht nur bei Volkswirtschaftsdirektor Josef Keller Kopfschütteln aus, sondern auch bei weiten Teilen der Bevölkerung in der Region rund um den Pizol. Die Sportbahnen Bad Ragaz AG teilten mit, ihr Rückzug sei «im Sinn des Gesamtpizols».
www.espace.ch
 
Etwas ausfuehrlicher aus dem St. Galler Tagblatt

Seilbahn-Streit: Bad Ragaz gibt nach
Experte soll Wangser Projekt für neue Pizol-Erschliessung prüfen

BAD RAGAZ. Die neue Erschliessung des Pizols erhält doch noch eine Chance: Die Sportbahnen Bad Ragaz AG ziehen ihr Projekt zurück. Sie sind bereit, jenes der Wangser zu unterstützen - mit Auflagen.

regula Weik

Das Verdikt des St. Galler Regierungspräsidenten Josef Keller vergangene Woche war klar: Für die Erneuerung der Zubringeranlagen am Pizol gibt es kein Geld von Bund und Kanton. Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements hatte guten Grund für seine Absage: Die beiden Bahnunternehmen hatten sich bis Mitte Monat nicht auf eine gemeinsame Strategie geeinigt. Daran allerdings hatte der Kanton das Investitionshilfe-Darlehen - immerhin drei bis fünf Millionen Franken - geknüpft.

Post aus dem Sarganserland hatte der Regierungspräsident dennoch erhalten - gleich zweifach. Die beiden Bahnbetreiber hatten jeder für sich ein Projekt und ein Gesuch um finanzielle Unterstützung eingereicht. Sie prallten beide bei Keller ab: «Auf eine Auswahlsendung zweier verkrachter, sich konkurrenzierender Unternehmen steigen wir nicht ein.»
Unverständnis

Das Scheitern einer Einigung am Pizol löste nicht nur in St. Gallen Kopfschütteln aus. Auch in der Region stiess das Vorgehen der beiden Bahnunternehmen auf Unverständnis. Denn klar ist: Ohne Investitionshilfe-Darlehen können weder die Bad Ragazer noch die Wangser neue Zubringeranlagen finanzieren. Und diese sind nötig - in Bad Ragaz gar ziemlich dringend: Ende 2006 läuft die Bewilligung für die dortige Zubringerbahn aus, dannzumal müsste die Bahn den Betrieb einstellen.
Nichts oder drüben

Vor diesem Hintergrung - «und im Sinne des Gesamtpizols» - haben die Sportbahnen Bad Ragaz AG am Wochenende angekündigt: «Der Verwaltungsrat hat beschlossen, das Gesuch der Luftseilbahn Wangs-Pizol AG zu unterstützen.» Das eigene Projekt wird zurückgezogen. Verwaltungsratspräsident Richard Wengle macht keinen Hehl daraus, dass die Sportbahnen Bad Ragaz AG mit dem Schritt stärker der Vernunft als dem Herzen gehorchen: «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass unser Projekt das bessere ist. Nur nützt das nichts, wenn die Wangser es ablehnen.» Er macht sich nichts vor: Die Varianten seien einfach - «nichts haben oder drüben investieren».
Auflagen erfüllen

Die erste sei die schlechteste Variante - für das gesamte Skigebiet, die Angestellten, die Restaurantbetreiber, die Ferienhausbesitzer. «Wir sind interessiert daran, dass es vorwärts geht am Pizol - im Interesse aller», sagt Wengle. Das heisse dann eben: «Über den eigenen Schatten springen» und das Gesuch der Wangser unterstützen - mit Auflagen. So muss die Luftseilbahn Wangs-Pizol AG die Bedingungen des Kantons für das Investitionshilfe-Darlehen bis Ende Juni erfüllen. Die Bad Ragazer fordern denn auch, dass ein unabhängiger Experte das Projekt auf Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit überprüft. «Das Skigebiet Pizol hat den letzten Zwick an der Geissel», sagt Wengle. Und wohl - das sagt der Verwaltungsratspräsident zwar nicht - auch die Wangser. Wenn deren Gesuch die Prüfung nicht besteht, so fordern die Bad Ragazer die volle Unterstützung ihres eigenen Vorhabens. Dazu sieht sich der Wangser Verwaltungsrat Leo Wyss allerdings «ausser Stande»: «Der Businessplan, die Umsatzzuwachszahlen und die Cashflow-Renditen des Bad Ragazer Projekts sind unrealistisch.»
 
Ich ahne es schon kommen: Die unabhängigen Experten stufen auch die Zahlen des Wangser Projekts als unrealistisch ein und schon kann weiter gestritten werden.
 
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