Die ca. 1999 eingebaute klassische Frey Steuerung wurde während dem jährlichen (allerdings planmässig auf 6 Wochen verlängerten) Revisionsbetriebsunterbruch im Herbst 2018 ersetzt und am 2018-11-03 wurde die Wintersaison gestartet. Zudem wurden die beiden (Sektion 1 und Sektion 2) bestehenden (3x690 V netzseitig) Gleichstromantriebe durch Asynchronmotoren mit ABB ACS880 FU (ebenfalls 3x690 V netzseitig) ersetzt.
Links im Bild ein "Oiseau rare" (
https://fr.wiktionary.org/wiki/oiseau_rare), ein *SEHR* erfahrerer Seilbahnspezialist, der seit Jahren bei Gstaad 3000 AG tätig ist.
[ Edit: Bild zeigt FU von Sektion 1, nicht denjenigen von Sektion 2. ]
Sind bei Glacier 3000 R8i Invertermodule verbaut, sind diese allesamt jederzeit untereinander uneingeschränkt austauschbar.
Ein R8i Modul austauschen benötigt ca. 15 bis 30 Minuten je nach Einbaugegebenheiten, Werkzeug und Personal. Mit Ausnahme der obenliegenden Gleichstrom-Zwischenkreisanschlüsse (DC (Direct Current) ZK) die geschraubt sind, sind die restlichen Verbindungen steckbar.
Allerdings muss man darauf achten, dass keine LWL-Kabel und sonstige niederquerschnittige Kabel bzw. Leiter beschädigt werden. LWL-Kabellängen pro BCU nicht panaschieren um Signallaufzeitunterschiede zu vermeiden und auf richtige Vn

T/Vn

R-Paarung der LWL-Portanschlüsse achten.
Um dem Trauerspiel ein Ende zu setzen würde ich zuerst mal wie bereits erwänht die ISU von Sektion 2 ab Trafo von ISU von Sektion 1 speisen und dabei ISU von Sektion 1 spannungslos lassen und die BCU mittels linear geregeltem Netzteil speisen (redundanter zweiter 24 V DC Hilfsspannungseingag der ISU BCU dabei nicht anschliessen), oder gutes Labornetzeil einsetzen.
Falls ISU-Feher reproduzierbar ist, als nächster Schritt die ISU R8i vom FU von Sektion 1 inkl. BCU, Memorymodul, Piggybackmodule, LWL-Kabel, falls vorhanden BAMU Modul sowie die Sicherungen und den LCL Filter in den FU -chrank von Sektion 2 einbauen und dann ohne Anbindung an die übergeordnete Seilbahnsteuerung testen. Dabei ISU und INU ab Bedienpanel und PC lokal bedienen, Parameter entsprechend temporär anpassen und ggf. INU-STO sowie ISU-Modulationsfreigabe über provisorischen Not-Aus Pilztaster handhaben.
Mittels Hydrostat weit ins Feld herausfahren und FU ab Panels und PC testen. Dazu reicht die ungeregelte SB (Sicherheitsbremse) aus, da dann onehin jemand am Bremshydraulikaggregat bleibt.
So würde ich jedenfalls vorgehen um mal gewisse Fehlerursachen auschliessen zu können.
Wie von Anfang an erläutert, möchte ich zuerst einen FU-externen Fehler auschliessen können und diesbezüglich ganz gezielt FU-externe Unterschiede wie die Trafos (sind unterschiedlich!), Potentialausgleich, Kabelführung (stark unterschiedliche 690 V Speisekabellängen!), usw. genau untersuchen.
Da ich keine 100%-ige Garantie habe, dass sich neue Komponenten ausreichend gleich wie die bereits eingebauten Komponenten verhalten, würde ich dann eben irgendwann mal Teile des funktionierenden FUs von Sektion 1 bei Sektion 2 einbauen. Aufgrund des modularen Aufbaus ist dies "relativ" einfach.
Bzgl. Power Analyzer bin ich nicht sicher, ob die erforderlichen High-End Geräte verfügbar sind, da sie nicht verbreitet sind (z.B. von Yokogawa und HBK (vormals HBM)). Übliche Einstiegsgeräte so in der CHF/EUR 10'000.00 bis 20'000.00 Klasse reichen vermutlich nicht aus, solche setze ich selbst ein.
Und BTW, mit der Wärmebildkamera sollte man auch noch das Ganze kontrollieren, da stösst man da nicht selten auf Überraschungen.
Wollte eigentlich nicht auf Einzelheiten eingehen, nur finde ich den Fall doch kurios. Die Umsatzverluste sind vermutlich mittlerweils einiges höher als die doppelten FU-Anschaffungskosten. Habe jedoch keine Infos diesbezüglich und interessiert mich auch nicht weiter, da ich mich hier ausschliesslich mit technischen Fragen befasse.
Morgen Donnerstag 2023-08-03 bleibt die Anlage weiterhin geschlossen.
Zwei Wochen Stillstand aufgrund eines FU-Problems ist doch sehr eigenartig, insbes. da grosse ABB ACS880 FUs in zahlreichen kritischen Anwendungen im Einsatz sind und eigentlich ABB einen sehr guten Support leistet und zudem wurde in diesem High-Profile-Fall sehr schnell das Herstellerwerk in Finnland involviert.
Bin nach wie vor der Meinung, dass ABB ACS880 FUs sehr gut sind, aus diesem Einzelfall kann man keine allgemeingültige Schlüsse ziehen.
Edit:
Editiert da Bild in diesem Post den FU von Sektion 1 darstellt. Die Pressekonferenz fand im geräumigen Maschinenraum von Sektion 1 statt, das einzige Bild vom problematischen FU von Sektion 2 ist weiter oben (mit den zwei herausgefahrenen R8i Invertern auf dem Europalett).
Die Fernsehinterviews zeigen den FU von Sektion 1 sowie teilweise den Antrieb von Sektion 1. Maschinenraum von Sektion 2 ist viel enger da er sich im Altbauteil der Mittelstation Cabane befindet.
Die Trafostation befindet sich ebenfalls im Altbauteil, deshalb unterscheiden sich die 3x690 V Versorgungskabellängen stark, die Kabellänge zwischen Trafo und ISU von Sektion 1 ist einiges grösser als die zwischem dem Trafo und der ISU von Sektion 2. Zusammen mit den unterschiedlichen Trafoschaltgruppen könnte dies eine Rolle spielen. Konkret könnte man dies auch rechnerisch modelisieren sofern ausreichende Ausgangsdaten zur Verfügung stehen.