Auch in meinen Augen ist die Tiroler Initiative begrüßenswert, wenn auch - wie oben schon diskutiert - klar verbesserungsfähig.
Wir wohnen am Rand des Nordschwarzwalds und sind entsprechend oft an Wochenenden dort im Mittelgebirge unterwegs. Wandern in der Nähe der Schwarzwaldhochstraße und ihrer Zubringerstraße ist am Wochenende eine Qual. Wir suchen unsere Wanderungen möglichst mit einem Kilometer Mindestabstand zu den Verkehrswegen aus, doch oft genug klappt das nicht. Von Frühjahr bis Herbst sind an trockenen Wochenenden dort geschätzt 50% der Verkehrsteilnehmer Motorradfahrer. Und von denen stehen geschätzt 30-40% darauf, laut zu sein und ihre Bikes bis über 10.000 Umdrehungen aufzureißen, wo es nur geht. Aus diesem Grund ist die Lärmkulisse rund um die Schwarzwaldhochstraße am Wochenende wie bei einem Bikerrennen auf dem Hockenheimring - für alle anderen Besucher unerträglich, unzumutbar. Wenn wir mit dem Auto anreisen, werden wir dort immer wieder von einzelnen Harakiribikern im Überholverbot und bei Gegenverkehr mit weit überhöhter Geschwindigkeit und aufgerissenem Bock überholt. Wir haben oft genug Bikergruppen gesehen, die die kurvigen Straßen von oben ins Rheintal hinabfuhren, um auf halber Strecke wieder zu wenden und die selbe Strecke wieder mit aufgedrehter Maschine hochzuballern. Einige üben oben sogar Wheelies, wenn sie sich unbeobachtet fühlen. Alles im Erholungsgebiet. Kontrolliert wird von der Polizei dort viel zu selten. Die Folge: Die Schwarzwaldhochstraße samt Zubringerstraßen ist an Wochenenden außerhalb des Winters wohl Baden-Württembergs größte Motorradrennstrecke. Das wird unverständlicherweise behördlich toleriert.
An dieser Stelle möchte ich klar betonen, dass es nach meiner eigenen Erfahrung selbstverständlich auch viele Motorradfahrer gibt, die sich an die Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen einigermaßen halten und im Mittelgebirge tieftourig sanft vor sich hinblubbern. Und ich habe auch viel Verständnis dafür, dass Motorradfahren Spaß macht und erst recht mit Speed. Aber warum muss man seinen Motorenlärm absichtlich ausgerechnet in Erholungsgebieten erzeugen? Das ist krank. Amerikanische Kollegen von mir gehen mit ihrem Motorrad am Wochenende ganz selbstverständlich für ein paar Dollars auf den nächstgelegenen Rennparcours, denn dort darf man ganz offiziell all das, was mit dem Motorrad Spaß macht - laut fahren, schnell fahren, Teamrennen fahren, ungewöhnliche Situationen üben, ohne damit seine Mitmenschen zu belästigen oder zu gefährden. Leitplanken, die gestürzten Bikern die Gliedmaßen abreißen, gibt es dort nicht. Und wenn sich ein Biker bei einem Sturz verletzt, ist die ärztliche Notfallversorgung bereits vor Ort.
Wie schon einige Vorredner angemerkt haben, ist es sinnlos, Fahrverbote für eine Geräuschemission innerhalb eines bestimmten Drehzahlbereichs auszusprechen, egal ob für Zwei-, Drei- oder Vierräder oder Laubbläser. Das muss schon über die komplette Drehzahlbandbreite durchgezogen werden. Ich persönlich gehöre aber auch nicht zu den ständigen Verbote-Forderern und sehe auch wenig Sinn darin, Motorradfahrer ganz von solchen Strecken zu verbannen. Das wäre unfair. Aus meiner Sicht wäre mit der zahlenmäßigen Reduktion motorisierter Zweiradfahrer auf belasteten Strecken schon viel erreicht. Wie kann das umgesetzt werden? Indem nach einer Motorrad-Verkehrszählung auf den betroffenen Strecken das Befahren für Motorräder am Wochenende nur noch mit Erlaubnis möglich ist, verbunden mit dem Hinweis, dass diese für Rundfahrten oder Streckenfahrten gedacht ist. Die entsprechende Erlaubnis wird über Antrag im Internet von der Anrainergemeinde kostenlos für ein Drittel der gezählten Motorräder pro Strecke vergeben, danach ist Schluss. Natürlich muss das auch kontrolliert und ggfs. geahndet werden. Wenn sich dann immer noch die lokalen Wochenendrennfahrer die limitierten Permits unter den Nagel reißen, wird das in den Motorradclubs eine deutliche Ansage geben. So besteht eine Chance auf Selbstregulierung durch die eigenen Interessenverbände.