50 Jahre Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg
54. Jahrheft der Vereinigung Pro Sihltal
Am 30. Dezember 1954 nahm die Felsenegg-Luftseilbahn nach nur sieben Monaten Bauzeit ihren Betrieb auf. Die einzige eidgenössisch konzessionierte Seilbahn des Kantons Zürich – und sogar des Schweizer Voralpengebietes – ist ein Unikum: Sie befördert wesentlich mehr Passagiere talwärts als bergwärts!
FRANZ OSTERWALDER
Die Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg (LAF) steht im Zeichen ihres 50-Jahre-Jubiläums im Mittelpunkt des 54. Jahrheftes der Vereinigung Pro Sihltal. Hans Waldburger, bekannter Sachbuch-Autor und in früheren Jahren selber zeitweilig als LAF Mitarbeiter tätig, hat praktisch die ganzen 50 Jahre LAF miterlebt und weiss deshalb vielseitig und detailreich über die jubilierende Gesellschaft zu berichten: Von den verschiedenen Anläufen zum Bahnbau bis zur Konzessionserteilung im Jahre 1951, dem nach gesicherter Finanzierung 1954 der eigentliche Bau und am 30. Dezember die Betriebsaufnahme folgte. Die neue Luftseilbahn wurde publikumsmässig zum Erfolg, der finanzielle Erfolg und
damit die Auszahlung einer bescheidenen Dividende blieb allerdings stark vom Wetter abhängig. Der Kauf des Bergrestaurants Felsenegg im Jahre 1972 war kein glücklicher Entscheid; defizitäre Abschlüsse folgten, bis 1977 die Firma Denner AG das Restaurant kaufte, die Aktienmehrheit übernahm und während zehn Jahren einen Beitrag von je 60 000 Franken an die Betriebskosten der LAF leistete. Seit 1990 gehört die LAF zum Netz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), ist demnach in den Zonentarif und samt Üetliberg-Bahn und Postauto auf den Albis-Pass in die Albis-Tageskarte einbezogen. Höchst interessant sind auch die Ausführungen über die Anlage, den Bau und Unterhalt sowie die verschiedenen, im Laufe der Jahre eingeführten Verbesserungen: Anfänglich standen dauernd ein Maschinist und zwei Kabinenbegleiter im Einsatz, heute ist die ganze Anlage samt Billetausgabe und Kontrolle ein Einmannbetrieb.
Verhangener Ausblick
Im Berichtsjahr 2004 wird die LAF ihren neunmillionsten Passagier feiern – praktisch kostendeckende Nachfrage ist offensichtlich vorhanden. Die derzeitige Betriebsbewilligung läuft indessen bereits Ende 2007 aus. Um eine weitere Verlängerung um 20 Jahre, bis 2027 zu erreichen, müssten verschiedene Auflagen des Bundesamtes für Verkehr (BAV) erfüllt werden, was mit geschätzten 3,5 Mio. Franken Kosten verbunden wäre. Die Hälfte dieses Betrages hat der ZVV vorerst bewilligt. Für die andere Hälfte – das ist eine existenzsichernde Bedingung – sind die politischen Behörden und
die Bevölkerung der Sihltal- und weiterer Bezirksgemeinden, der Stadt Zürich, aber auch wirtschaftlich und touristisch involvierte Kreise gefragt – und zwar ehe es zu spät und die Bahn abgebrochen ist!
Blick in die Nachbarschaft
In einem besonderen Kapitel erinnert Hans Waldburger an weitere Luftseilbahnen in der Nachbarschaft: Während der Landi 1939 pendelten die ersten, zehnplätzigen, nach dem Krieg von der LAF weiterbenützten Kabinen als Landi-
Schwebebahn über den Zürichsee; während der Gartenbau-Ausstellung G’59 und den folgenden Jahren bis 1966 fuhr an fast gleicher Stelle eine Gondelbahn über das städtische Seebecken – eine harte Konkurrenz für die LAF! Schon viel älter als die jubilierende LAF ist die private Luftseilbahn, die von Leimbach aus auf den Albisrücken zum Gutsbetrieb Mädikon fährt: 1918 wurde eine einfache Seilbahn für den Warentransport – landwirtschaftliche Frischprodukte fürs
Hotel «Baur en Ville», heute «Savoy» am Paradeplatz – erstellt; 1928 wurde die Bahn ersetzt und ist heute nach weiteren Anpassungen auch für den Personenverkehr zugelassen, allerdings beschränkt auf Anwohner. Eine Abbildung im neuen Jahrheft zeigt, dass in den 1930er-Jahren die Seilbahn des Gutes Mädikon jeweils sogar zerlegte Segelflugzeuge zum Start auf den Albisgrat brachte! Mit dem Postautokurs auf die Albis-Passhöhe wurde ab dem 15. Mai 1935 eine weitere Verbindung vom Sihltal auf die Höhen des Hausberges geschaffen. Wie sich dieser Postautokurs vom ursprünglich nur
an Wochenden für Touristen vorgesehenen Angebot von Langnau zur Passhöhe zum heute unverzichtbaren Nahverkehrsmittel von Hausen am Albis nach Thalwil im Stundentakt entwickelte, weiss Hans Waldburger mit amüsanten Details geschickt zu erzählen. Den Abschluss des 54. Jahrheftes der Vereinigung Pro Sihtal macht der übliche Jahresbericht zu Handen der Mitglieder und Förderer. Kulturell wurden Besuche im Theater Adliswil und im Sihlwald-Kino – eher historisch der Besuch der Fliegerabwehr-Lenkwaffenstellung auf dem zugerischen Gubel – die kleine Feier zum 25-jährigen Bestehen des Hochwachtturms auf dem Albis und schliesslich die Besichtigung der Tirggelfabrik Suter in Schönenberg zu Höhepunkten des Jahresprogramms. Über aktuelle Angebote informiert seit Mai 2003 eine eigene Internetseite unter
www.prosihltal.ch. Wie bisher ist das Jahrheft erneut reich bebildert mit aktuellen und beaufnahmen. Insgesamt erneut ein prächtiges Jahrheft, das sich würdig in die bisherige Serie einreiht und der Redaktionskommission unter Ehrenpräsident Heinz Binder zu aller Ehre gereicht.