Fab schrieb:
Säße ich auf dem Kanzlerstuhl würde ich auch die europäische Lösung betreiben - aber strategisch völlig anders vorgehen.
Ich würde eine Obergrenze/Richtwert definieren. Würde aktuell alle Grenzübergänge zu Österreich kontrollieren und alle Flüchtlinge mit Verweis auf das Dublin-Abkommen (sichere 3.-Staaten) zurückweisen.
Die Folge wäre die sofortige Schließung der Grenzen der Balkanstaaten. Damit wäre die "Flüchtlingssäule" zum Stehen gebracht und fragmentiert. Griechenland hätte den Schwarzen Peter und würde wohl, dass ist jetzt spekulativ, den Fährverkehr für Flüchtlinge von den 3 Ankunftsinseln früher oder später einstellen. Damit würden sich Lesbos usw. in HotSpots verwandeln.
Nunja, ich glaube das könnte ja auch längst schon so sein. Diese Länder hätte man glaub ich nicht mal dazu zwingen müssen. Die Ungarn wollten ja wie Schengen-Dublin vorsieht die Aussengrenze schützen, was dann aber logischerweise zu hässlichen Szenen an der Grenze geführt hat. Dass man nach der Schelte seitens deutscher Politik und deutscher Medien die Leute einfach nach Deutschland durchwinkt ist ja nur logisch. So leid es mir tut, aber Deutschland ist in dieser Sache nicht nur der Leidtragende, sondern ist an der Situation auch weitgehend selber schuld.
Man redet immer von der europäischen Lösung. Der EU fehlt aber ein grundsätzliches Prinzip, an dem sie ihre Migrationspolitik orientiert. Denn entweder lässt man alle rein, die in ihrer Heimat in irgend einer Art und Weise leiden oder unterdrückt werden. Nur kann man da quasi keine klare Linie ziehen, man würde quasi die Grenze - wie es jetzt der Fall ist - für jeden öffnen. Dauert das über eine gewisse Zeit an, dann haben wir dann einfach die Grenzen nicht mehr um die Länder rum sondern in den Ländern drin. Denn die, die es sich leisten können, schotten sich dann einfach im eigenen Land ab. Kennen wir ja schon aus Amerika und aus Südafrika...
Der Gegenentwurf wäre ein wiedererlangen der Kontrolle über die EU-Aussengrenze. Aber dann wird man Menschen mit Gewalt davon abhalten müssen, die Grenze zu überqueren. Und dafür sind viele scheinbar nicht bereit. Absurderweise wird jetzt aber schon von der Schliessung der innereuropäischen Grenzen gesprochen, das wäre dann sehr abstrus. Die Konsequenz auf den Flüchtlingsstrom wäre vergleichbar mit einer Sicherung der Aussengrenzen, gleichzeitig würde aber man eine der Haupterrungenschaften der EU in die Tonne stampfen...
Abgesehen davon ist es natürlich sehr peinlich, dass in Europa erst richtig über Hilfe vor Ort diskutiert, nach dem Millionen von Flüchtlingen bei uns vor der Haustüre stehen. Anders als Fab sehe ich die Schuldigen bei diesem Konflikt nicht nur in den Nachbarländern. Die USA - und wir als Profiteure der von ihr erstellten Weltordnung - haben da schon auch eine gewisse Mitverantwortung...
McMaf schrieb:
Wenn Du glaubst, dass das Geld bei den Krankenkassen und Rentenversicherungen wegen der Kosten für die Flüchtlingsaufnahme fehlt, dannn hast Du unser Kranken- und Rentenversicherungssystem ganz offensichtlich nicht verstanden.
Die Beiträge von Fdisk100 mögen ja wirr erscheinen, aber einfach pauschal das Gegenteil behaupten ohne zu begründen ist dann auch etwas einfach. Fakt ist, dass die gesetzliche Krankenkasse in Deutschland eine riesige Umverteilungsmaschine ist. Meine Freundin ist Deutsche und arbeitet in Deutschland. Inkl. Arbeitgeberbeitrag bezahlt sie knapp 700 € Krankenkassenbeiträge pro Monat. Ich bin fast exakt gleich alt wie sie und zahle in der Schweiz "alles in allem" 240 CHF. Sprich sie zahlt drei Mal mehr, obwohl sie (bei exakt der selben Ausbildung) nur knapp die Hälfte verdient. Und wieso ist das so? Weil Leute mit wenig oder keinem Einkommen praktisch keine Krankenkassenbeiträge zahlen. Da das Bildungsniveau bei den Flüchtlingen im Schnitt tiefer ist als das der bereits ansässigen Bevölkerung, werden diese also auch unterdurchschnittliche Beitragszahler werden. Damit die Versorgung trotzdem auf dem gewohnten Niveau bleiben kann, müssen also die Beiträge für alle angehoben werden. Und schuppps, da hast du den einen ziemlich einfachen zusammenhang zwischen Krankenversicherung und Flüchtlingskrise.