Chense, ich glaube wir haben jetzt alle mitbekommen, dass du versuchst, dein Anhängertum einer Kapelle mit zumindest zweifelhaftem Hintergrund irgendwie zu rechtfertigen. Deinen letzten Postings entnehme ich, dass du genau der Zielgruppe entsprichst, wegen der Frei.Wild in der Naziszene respektiert wird: die politisch Ahnungslosen, die über Rockmusik und Rebellenattitüde mit nationalistischem Gedankengut in Kontakt gebracht werden können.
Lass es lieber gut sein, jeder weitere Verteidigungsversuch würde das Ausmaß der Peinlichkeit nur noch steigern.
Nun dann fangen wir mal an: Zweifelhafter Hintergrund - Den Hintergrund bestreite ich garnicht der ist ja definitiv vorhanden (Kaiserjäger) - Nur möchte ich herausfinden, warum gerade in Deutschland jeder Versuch zu zeigen, dass man sich geändert hat penetrant in den Dreck gezogen wird während andere die viel tiefer in der Szene drin waren und sind (Benenckenstedt) hochgehalten werden. Ja mag sein, dass Frei.Wild das dämlich angegangen ist, aber wie würdest du es denn angehen? Sich völlig neu erfinden? Mit neuen Liedern neuem Bandnamen? Würde vllt. funktionieren ... bis die ersten sensationsgeilen kommen und es als unglaubwürdig hinstellen, dass man sich "plötzlich komplett ändert" und die Spirale wieder los gehen würde. Alles in allem möchte ich hier jetzt mal versuchen zwar mit einigen subjektiven Einflechtungen, aber doch alles in allem eher objektiv einige Punkte insbesondere die Distanzierungsversuche ansprechen, die Frei.Wild vorgeworfen werden. Dazu aber am Ende des Textes nochmal einige Anmerkungen denn als allererstes möchte ich hier was anderes persönliches dir chianti gegenüber ansprechen:
Was ich nämlich für eine völlig infame Unterstellung halte ist mich in die Ecke der politisch Ahnungslosen zu drücken, obwohl du weder mich noch meine politische Einstellung kennst und mir scheinbar über Ecken auch noch mitteilen willst, dass ich nationalistisches Gedankengut unterstütze oder mich dahingehend beeinflussen lassen würde.
Weder noch ist der Fall - Ich versuche mich im Gegensatz zu den meisten Menschen bei jeder Gelegenheit über politische Strömungen und ihre Hintergründe nicht nur in meinem eigenen Land sondern auch in anderen Ländern zu informieren und dazu nicht ausschliesslich die von mir teils nicht besonders hoch angesehenen Printmedien aller Richtungen (FAZ, NZZ, Spiegel, SZ, Standard, Profil um mal nur einen kleinen Ausriss der von mir regelmässig gelesenen Magazine zu nennen) zu nutzen, sondern auch andere Quellen die ich versuche als Anregungen zu nutzen zu lesen, ohne dabei ausser acht zu lassen, dass zwar schon Printmedien oft unseriös sind ... im Gegensatz zum Internet aber wenigstens einer gewissen Kontrolle unterliegen. Genausowenig habe ich irgendetwas mit nationalistischem Gedankengut zu tun ... Rein vom "Links-Rechts-Schema" ausgegangen bewege ich mich ziemlich genau in der Mitte, wobei ich Anleihen von gemässigten Strömungen beider Seiten nehme, was dazu führt, dass ich politisch nirgends so genau zuzuordnen bin. So bin ich liberal eingestellt, habe aber auch durchaus einiges Verständnis für soziale Themen, genauso wie ich gemäßigt patriotisch bin (und ja ich war durchaus mal nationalistischer eingestellt als jetzt ... dies aber LANGE bevor ich von Bands wie Freiwild oder den Onkelz überhaupt was gehört hatte und bin bis heute nichtmehr zu dieser m.E. verwerflichen Einstellung zurückgekehrt).
Grundsätzlich will ich hier auch nichts verteidigen, sondern eine Diskussion führen - Rechtfertigen muss ich mich dafür, dass ich Frei.Wild höre auch vor niemandem höchstens vor mir selbst, denn das ist Privatsache und solange ich da nicht irgendwo in einer gesetzlichen Grauzone lande sehe ich auch keinerlei Probleme das mit meinem Gewissen zu vereinbaren.
Zur Diskussion an sich:
Dass einige gewaltverherrlichende Texte dabei sind zweifele ich genauso wenig an und da sind wir wohl auch alle einer Meinung.
Inwieweit das jetzt in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft in der wir allerorten mit Blut, Gewalt und Hetze konfrontiert werden problematisch oder ausserhalb der Norm ist wage ich nicht objektiv zu beurteilen. In diesem Kontext sind auch einige der Texte die zur privaten Rebellion aufrufen fragwürdig ... Es wird nie eindeutig klargemacht, dass diese bitteschön mit friedlichen Mitteln erfolgen soll. Auch hier wage ich das nicht zu beurteilen und möchte meine subjektive Meinung soweit wie möglich aussen vor lassen.
Das Spiel mit der Ironie ist eine andere Sache und ja sicherlich stellen sie sich im Sinne der Distanzierung von rechtem Gedankengut da dämlich an ... vllt. machen sie es sogar mit Absicht, was ich aber bezweifeln möchte.
Wer die Ironie in Texten wie Schlauer als der Rest, Land der Vollidioten und auch Schwarz und Weiss verstehen kann der wird niemals auf die Idee kommen da rechtes Gedankengut reinzuinterpretieren.
Die tumben Massen die nicht so weit denken können womöglich schon, seien es nun rechtsradikale denen es super in den Kram passt, seien es Antifas, die ein Feindbild suchen oder sei es die Journaille die eine weitere Story wittert.
Genauso die angeblich völkisch-nationalen Texte ... Ja ein deutscher wird die wohl so interpretieren - Unter den Leuten die den sozio-kulturellen Hintergrund Südtirols kennen ist die Meinung da schon gespaltener, ob hier völkisch-nationalistisches Gedankengut vorliegt oder die harmlosere Spielart davon in Form eines zugegebenermassen in oftmals übersteigerter Form vorgetragenen Patriotismus, der im Grunde keinen Hass auf andersdenkende ausdrücken soll, sondern einfach nur ein Gefühl von "Wir sind Südtiroler und wollen nicht, dass sich andere zusehr in unsere Angelegenheiten einmischen, ohne andere Länder und Kulturen zu diskreditieren" wozu ich nunmal eher tendiere, da ich in der Gesamtschau zwar starken Patriotismus, aber auch das eindeutige Bekenntnis zur FDGO, zu Europa und zum friedlichen Zusammenleben unter den Völkern zu erkennen glaube. Vgl. Wahre Werte und Europa.
Zu guter letzt mal angenommen, dass meine Aussagen hier irgendwo den Kern treffen und die Distanzierungen von Frei.Wild durchaus ernst gemeint sind einige Punkte zusammengefasst, die sowohl gelungene als auch nicht gelungene Abgrenzungen von dieser Szene aufzeigen sollen (alle unter der Prämisse, dass es sich hier nicht um reine Imagepflege handelt):
- Der Versuch sämtliche politischen Symbole von den Konzerten fernzuhalten - Lobenswert und durchaus erfolgreich genauso wie die regelmässigen Aufrufe an das Publikum zu zeigen, dass man keine Nazis (oder andere Extreme) auf den Konzerten zu dulden hat.
- Problematischer natürlich die Distanzierungen über Musik: Schlauer als der Rest spielt zuviel mit Ironie ... und in Land der Vollidioten wurde leider die völlig dämliche Anspielung auf die Entfernung von Kreuzen aus Schulen aus Respekt vor andersgläubigen angebracht, die sicherlich eine Diskussionswürdige Sache ist und vor dem Hintergrund des erzkatholischen Brixen, das Frei.wild als Heimat betrachtet einen interessanten politischen Diskurs nach sich ziehen kann ... nur warum gerade in einem Lied in dem man zeigen will, dass man mit Anwandlungen von rechts nichts zu tun hat. Oder will man damit nur betonen, dass man einen katholischen Hintergrund hat (was ja auch wieder gegen die rechts-these spräche). Ich weiss es nicht und wills nicht bewerten finde nur, dass es die Aussage des Liedes entscheidend schwächt.
- Mehrere Interviews die zwar grundsätzlich eine klare Distanzierung von jeglichem nationalistischen Gedankengut zeigen, aber halt auch in der breiten Masse falsch aufgefasst werden können, weil Phillipp z.B. sagt, dass er kein Problem mit Skins hat, die ja von der Mehrheit der Menschen nur als Nazis wahrgenommen werden und einige rechtsradikale Hohlköpfe die den Unterschied nicht kennen werden das wiederum als Einladung zu ihren Konzerten sehen.
- Die Sache mit den Freiheitlichen: Heute eine ganz normale liberale Partei aber mit dem Faden Beigeschmack der rechtspopulistischen Anfänge. Hr. Burger ist ja 2008 aus dieser Partei ausgetreten - Inwiefern da schon die Wandlung zu einer liberalen Partei vollzogen war müssen andere klären, denn dazu habe ich keine klaren Fakten, sondern kann nur sagen, was mir das heutige Parteiprogramm so aussagt. Auf jeden Fall war es ein Fehler von Hr. Burger, dass er gesagt hatte er steht weiter hinter den Zielen der Partei und tritt nur aus, weil es für eine Band die erstmal unpolitisch sein will anstössig wirken würde, wenn der Leadsänger Mitglied in irgendeiner wie auch immer gearteten politischen Gruppierung ist. Erschwerend kommt hinzu, dass gerade in Deutschland und Österreich, was ein großer Markt für Frei.Wild ist und wo auch die Kritiken in dieser Richtung herkommen die Freiheitlichen eben heute noch rechtspopulistisch sind und man sich auch dort wohl nie die Mühe gemacht hat nachzuprüfen inwiefern die FPS damals schon ihren Wandel durchgemacht hatte.
Alles in allem ist die Distanzierung m.E. also durchaus erfolgt, aber halt mit der falschen Wirkung auf die Öffentlichkeit und auch fehlerbehaftet. Wie also dann? Ich denke Frei.Wild wäre sicherlich bereit sich Vorschläge die eine EINDEUTIGE und ENDGÜLTIGE Distanzierung vom rechten Milieu glaubwürdig erscheinen liessen anzuhören und diese auch umzusetzen.
Soviel dazu, denn jetzt muss ich mich fertig machen bevor ich nach Graz aufbreche ... einige Eindrücke dazu dann in den nächsten Tagen