Der Sessellift „3300“ – das Ende eines Mythos:
Der Sommer 2002 markiert eine Zeitenwende in den 3 Tälern: der Sessellift „3300“ wurde abgebaut. Sicherlich, der letztere funktionierte schon seit mehr als 10 Jahren nicht mehr, aber einige hofften weiterhin ihn eines Tages wieder in Benutzung zu sehen.
Die Geschichte des Sesselliftes „3300“ beginnt im Jahr 1973. Der junge Skiort Val Thorens versucht ein internationales Renomée zu erlangen und Sommerskilauf scheint ein tragfähiger Markt zu sein. Der mittels Kabinenbahn direkt zugängliche Glacier de Péclet bietet ein großartiges Potential für Sommerskilauf.
So wird ein Jahr nach der Eröffnung von Val Thorens der Sessellift „3300“ gebaut. Er ist für den Sommerskibetrieb reserviert und wird niemals im Winter in Betrieb gehen (die SETAM wollte den Winterschnee für den Sommer bewahren). Außerdem ist der Sessellift nicht wirklich für eine Winteröffnung für große Menschenmengen geeignet: er bedient nur eine einzige schwarze Piste (die „3300“), die nur von fortgeschritteneren Skifahrern bewältigt werden kann. Die Kapazität des Sesselliftes betrug zudem nur 520 Personen in der Stunde.
Trotz alledem erreicht der Sessellift sehr schnell einen legendären Ruf: seine Bergstation auf 3300 Meter Höhe (daher auch sein Name) eröffnet ein einmaliges Panorama und die Schnee-qualität ist in dieser Höhe von einer außergewöhnlichen Güte. Von 1973 bis zum Beginn der 1990er Jahre sind der Sessellift und der Glacier de Péclet jeden Sommer in Betrieb.
Aber in der Mitte der 1990er Jahre entwickelt sich die Situation für den Sommerskilauf immer ungünstiger: das Sommerskigebiet verkleinert sich zusehends (Demontage der Schlepp-lifte „Lac Blanc“, „la Pointe“ und „Croissant“). Dazu kommt, dass die Schneelage im Monat Juli immer unsicherer zu werden beginnt. In einigen Jahren ist es wegen Schneemangels sogar unmöglich das Sommerskigebiet zu öffnen. Außerdem wird der Sommerskilauf immer weniger rentabel.
Aber das Hauptproblem ist der Glacier de Péclet. Er befindet sich in einem schlechten Zustand und hat in zwanzig Jahren mehrere Meter an Dicke verloren. Jedes Jahr beschleunigt sich sein Abschmelzen, d.h. Verminderung der Eisdecke und daraus folgt eine Erhöhung der Seilhöhe des Sesselliftes „3300“. Schließlich erfüllt er nicht mehr die von der Europäischen Kommission geforderten Normen (welche die Seilhöhe beschränken). Einige Leute sprechen außerdem von Elektronik-Problemen. Kurz gesagt, der Lift „3300“ müsste ersetzt oder ernsthaft erneuert werden.
Dennoch sieht die SETAM am Sessellift „3300“ keinerlei Arbeiten vor und von Mitte der 1990er Jahre an bis 2002 blieb der Lift wie verlassen, er lief nicht mehr. Das Sommerskigebiet von Val Thorens besteht also nur noch aus dem Sessellift „Glacier“, der 2000 renoviert wurde.
Im Jahr 2002 wurde das Schicksal des „3300“ besiegelt: er wird im Sommer abgebaut. Laut SETAM ist ein Ersatz technisch unmöglich, solange der Glacier de Péclet weiter so schnell abschmilzt. In Wahrheit erklärt sich die fehlende Begeisterung der SETAM durch die Tatsache, dass Sommerskilauf in Val Thorens keine wirkliche Zukunft hat. Die Station investiert lieber in andere Sektoren, die im Winter geöffnet werden (Anm. d. Übersetzers: Das ist schon eine interessante Entwicklung, wurde Val Thorens doch in den 70er Jahren explizit als „Sommerskistation“ (W. Pause) erschlossen).
So erhält der Glacier de Péclet 29 Jahre nach seiner Erschließung seine ursprüngliche Unberührtheit zurück. Der Sessellift „3300“ wird der höchste jemals in den 3-Vallées gebaute Ses-sellift bleiben (Anm. d. Übersetzers: …und auch einer der höchsten jemals in Europa ge-bauten Sessellifte. Welcher Sessellift ist der höchste Europas? Sicher ist aber, dass die Piste „3300“ die wahrscheinlich steilste Gletscherpiste Europas gewesen ist.)
Aber ist endlich nicht besser einen seit Jahren nicht genutzten Sessellift verschwinden zu sehen? Jeder wird dazu seine eigene Meinung haben…
Der ehemalige DSB „3300“ in Stichworten:
Typ: fixgeklemmter Doppelsessellift
Baujahr: 1973
Erbauer: Poma
Länge: 900 m.
Höhendifferenz: 360 Hm
Kapazität: 520 p/h
Höhe Talstation: 2940 m.
Höhe Bergstation: 3300 m.
Quelle:
http://www.3-vallees.net/valthorens/remontees/archive/archivdocument.htm
Übersetzung und Kommentar: Marius Mayer