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Gletscher-Abschmelzung

So wie es bisher aussieht, ist es durchaus möglich, dass in diesem Sommer ein "glacier carnage" stattfindet, wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr gesehen. Oder sogar noch ausgeprägter.

Viele Webcams von Gletscherskigebieten zeigen bereits jetzt flächige Ausaperungen, wie sie für Mitte Juni bisher so noch nicht zu sehen waren (in Archivbildern der gleichen Cams).

Am Stelvio beispielsweise zeigt die Webcam am Trincerone zur Geisterspitze den Ebenferner jetzt am 21.6.2022 in einem Zustand wie visuell vergleichbar mit ...:
2021: 22.7. --> ca. 4 Wochen voraus heuer
2020: 1.8. --> ca. 6 Wochen voraus heuer
2019: 9.8. --> ca. 7 Wochen voraus heuer
2018: 13.7. --> ca. 3 Wochen voraus heuer
2017: 10.7. --> ca. 3 Wochen voraus heuer
2016: 2.8. --> ca. 6 Wochen voraus heuer
2015: 21.7. --> ca. 4 Wochen voraus heuer
2014: keine vergleichbare Ausaperungen

(Schneller visueller Abgleich der Cam-Archivserien)


Zieht man in Betracht, dass der Gletschersommer am Stelvio bis etwa 1.9. dauert (danach für gewöhnlich rasch markant geringere Ablation), so sind das ab heute noch etwa 10 Wochen. Aus obiger Tabelle kann man grob entnehmen, dass heuer 5 Wochen "extra" Abschmelze wirken, zusätzlich zu den 10 die jetzt noch zu erwarten sind.
Oder in anderen Worten: Der Sommer 2022 wirkt für Gletscher in etwa um die "hälfte länger", als die Sommer in den Jahren zuvor.

Einerseits sind Gletscher heuer mit ungewöhnlich wenig Schneeauflage in die Sommersaison gestartet, anderseits war es ab Frühjahr abnormal warm. Zudem fehlten ab Juni bisher nahezu gänzlich die üblichen kleineren Schneeerigenisse, die für etwa 5 bis 10 Tage den Gletscher wiederholend mit einem schützenden (und die Zeit "aufhaltenden") weißen Kleid versahen.

Es ist durchaus möglich, dass der Sommerskibetrieb am Stelvio heuer vorzeitig abgebrochen werden muss, so wie dies ja bereits ab und an geschah (2018 das letzte mal?).

Wird spannend. Wie immer. Am Stelvio.


Geister-Cam am Trincerone heute 21.6.2022


Zum vergleich, 8 Jahre zuvor am 19.6.2014. Exakt gleiche Kameraposition wie zuvor, etwas anderer Bildausschnitt. Beachte das Absacken des flachen Beckens in vertikaler Bildmitte....
gas stations that have e85
 
Danke für die Recherche, Kris. Das ist beeindruckend und katastrophal.
Hier ist ein Vergleichstool, das von Swisstopo zur Verfügung gestellt wurde (Vergleich 1946 VS heute) : https://s.geo.admin.ch/98b21fd578
 
Nico05 schrieb:
Danke für die Recherche, Kris. Das ist beeindruckend und katastrophal.
Hier ist ein Vergleichstool, das von Swisstopo zur Verfügung gestellt wurde (Vergleich 1946 VS heute) : https://s.geo.admin.ch/98b21fd578

Omg! Was für ein Spielzeug!
Cool und traurig zugleich...

Vielen Dank!
 
2 passende Artikel dazu

https://science.orf.at/stories/3213099/

Gletschertagebuch
Ungewöhnlicher Mix setzte Gletschern weiter zu

Ein ungewöhnlich sonniger und trockener Herbst, dazu wenig Schnee und viel Wind im Winter: Diese Mischung hat den Alpengletschern heuer besonders zugesetzt, berichten die beiden Glaziologen Andrea Fischer und Hans Wiesenegger in der aktuellen Folge ihres Gletschertagebuchs.
16. Mai 2022, 7.58 Uhr

https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/gletscher-starten-mit-sehr-wenig-schnee-in-den-sommer

21.06.2022
Gletscher starten mit sehr wenig Schnee in den Sommer

©ZAMG

Die von der ZAMG regelmäßig vermessenen Gletscher in den Hohen Tauern verzeichnen eine der geringsten Schneehöhe der letzten Jahre. Für die Schmelzrate der Gletscher ist aber das Wetter im Sommer entscheidend.

Im Rahmen des Gletscherbeobachtungsprogramms der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) werden in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien jedes Jahr im Frühling die Gletscher am Hohen Sonnblick (Goldbergkees und Kleinfleißkees) vermessen und die Massenbilanzen berechnet.

Am Schneemesspunkt am Sonnblick in 3000m liegen grad noch 107cm. Der Wetter Forecast wird wahrscheinlich dazu führen dass mit Anfang Juli 0 cm liegen.
Wahrscheinlich das neue "Normal"...
 
gernot schrieb:
Wahrscheinlich das neue "Normal"...

Dass dieser Sommer extrem schlecht ist, ist ja unumstritten.
Allerdings muss man auch dazu sagen, dass die letzten beiden Jahre (besonders letzter Sommer) deutlich besser für die Gletscher verlaufen sind, als in den Jahren vorher.
Als normal würde ich die Schneearmut aus dem Winter in diesem Jahr also noch nicht bezeichnen. Die Temperaturen im Sommer möchte ich hierzu nicht in Betug bringen, da ist der Trend ja vorhanden.
 
Die Swisstopo Bilder aus dem Jahre 1946 wurden am 2.8. aufgenommen.
 
Kris schrieb:
So wie es bisher aussieht, ist es durchaus möglich, dass in diesem Sommer ein "glacier carnage" stattfindet, wie seit dem Jahr 2003 nicht mehr gesehen. Oder sogar noch ausgeprägter.

--> „historisch noch nie da gewesenen Situation“
--> https://orf.at/stories/3272859/
 
Zumindest haben sie Fachleute interviewt.
:bindafür:

Allerdings ist es wie immer eine peinliche Medienrealität.. geschrieben von Menschen die eben heute dieses morgen jenes Thema bearbeiten ...ohne Kompetenz.. genannt Journalisten..
:bindagegen:

Ein Beispiel
"Über 50 Trainingsmannschaften aus über 20 Nationen trainieren dieser Tage am Hintertuxer Gletscher"
am Stilfser: "600" (Dank an maba)
Wo haben sich die versteckt???? Vermutlich alle im gleichen Versteck.... der Hosentasche des PR Autors im ORF.
:magic:

Wenn sich Recherche aus Presseanfragen konstruiert, kann man sie eigentlich gleich ganz lassen und auf die Internetpräsenz des Anbieters verweisen.
:meeting:
Na dann steinigt mich...


PS: Gottseidank haben wir erst Ende Oktober den Tuxer geplant.. da dürfte doch der erste Herbstschnee auf dem Grauen liegen
 
Da steht 600.
 
@skifam: Warum zweifelst du die Zahlen an?
 
Es ist viel leerer... das scheinen aufsummierte Zahlen zu sein

Die immer herausgegeben werden... wenn jemand fragt den man damit gern abspeisst..
Nur leider basiert auf der dadurch entstehenden öffentlichen Meinung manch eine politische Entscheidung Volksabstimmung oder Wahl...
Könnte man Aushöhlung der Demokratie durch journalistische Dummheit oder Missbrauch derselben nennen...

...
Das führt zu weit...

Wir sollten froh sein solange die Aufzugshilfen irgendwie noch laufen um unseren Kindern oder gar Enkeln diesen Traumsport noch näher zu bringen.
 
Ein Beispiel
"Über 50 Trainingsmannschaften aus über 20 Nationen trainieren dieser Tage am Hintertuxer Gletscher"
am Stilfser: "600" (Dank an maba)
Wo haben sich die versteckt???? Vermutlich alle im gleichen Versteck.... der Hosentasche des PR Autors im ORF.

Ich war am 15.6. in Tux (siehe Kurzbericht in "Aktuelles..."): ich hatte schon den Eindruck, dass dort Einiges los war, v.a. Trainingsmannschaften, aber auch private Skifahrer wie ich. Ich habe keine Zählung durchgeführt, aber vormittags gab es schon die ein oder andere Wartezeit, die beiden SLte waren zeitweise voll ausgelastet.
Für exaktere Zahlen bin ich jedoch wie alle anderen hier, immer dankbar.
 
Wenn die Daten stimmen 17cm Schneeverlust von 26 auf 27.6 am Sonnblick Observatorium.
Gesamtschneehöhe noch 60cm.

Wenn's blöd hergeht wären die tlw. schon blanken Gletscher fast 3 Monate der Sonne "ausgeliefert".
Bin schon auf das Mölltaler Eisfeld gespannt wie viel übrig bleibt.
Ebenso Zugspitze, das Schneeferner Eisfeld apert schon massiv aus.

Faszinierend wie gut die Klimaexperten diesen massiven Gletscherschwund schon vor Jahrzehnten berechnend bzw. prognostiziert wenn keine Gegenmassnahmen unternommen werden.
Carl Sagan z.B. 1985 vor dem amerikanischen Kongress

https://www.youtube.com/watch?v=Wp-WiNXH6hI
 
gernot schrieb:
Wenn's blöd hergeht wären die tlw. schon blanken Gletscher fast 3 Monate der Sonne "ausgeliefert".
Dieser Sommer wird eine echte Zäsur bringen. Während 2003 (in den damals noch existierenden Nährgebieten) den Winterschnee und die darunterliegenden Firnschichten angegriffen hat, wird es in diesem Sommer flächig an die Substanz gehen. Da werden vermutlich über die gesamte Gletscherfläche mehrere Meter Eis- und noch viel mehr Fläche, sichtbar, verloren gehen. Der ein oder andere prominente Gletscher wird seine Zunge verlieren, möglicherweise auch die Pasterze. Das wird (leider) ein spannender Sommer.


gernot schrieb:
Faszinierend wie gut die Klimaexperten diesen massiven Gletscherschwund schon vor Jahrzehnten berechnend bzw. prognostiziert wenn keine Gegenmassnahmen unternommen werden.
Carl Sagan z.B. 1985 vor dem amerikanischen Kongress

https://www.youtube.com/watch?v=Wp-WiNXH6hI
Vor allem traurig, das die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit nicht in der Lage war (und immer noch nicht ist), ernsthaft gegenzusteuern. Die verschwindendenden Gletscher sind nur das sichtbarste Symptom, auf der Skala der Klimawandelauswirkungen aber nur die Spitze des Eisbergs.
 
Ja Pasterze schaut richtig übel aus, denke heuer wird die Verbindung zum Nährgebiet komplett abschmelzen.
Außerdem bildet sich gerade ein richtig großes Loch, wird wohl auch heuer kollabieren.

2019 ist man noch davon ausgegangen dass es noch 30 Jahre dauern wird bis die Pasterze abgeschmolzen sein wird.
Ob das nicht zu optimistisch war?!
https://kaernten.orf.at/stories/3005606/
Umwelt
Pasterzenzunge in 30 Jahren verschwunden

Die Pasterzenzunge am Großglockner nimmt weiter stark ab, pro Jahr sind es siebeneinhalb Meter. Messungen zeigen, dass vom bekanntesten Gletscher der Ostalpen nur noch wenig übrig ist. In etwa 30 Jahren wird die Gletscherzunge wohl verschwunden sein.
23. Juli 2019, 12.34 Uhr
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
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Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik untersucht die Dicke und Mächtigkeit des Eises seit dem Jahr 2004. Drei- bis viermal pro Jahr kommen der Oberdrautaler Anton Neureiter und Gernot Weyss im Namen der Wissenschaft zur Franz-Josefs-Höhe unter dem Glockner. Von Jahr zu Jahr wird der Weg zum Eis beschwerlicher.

Werde wohl heuer noch mit meiner kleinen Tochter auf die Franz Josef Höhe fahren, damit sie die Pasterze nicht nur von Bildern kennt...
 
Schöne Wanderung.
:top: Zeigen solang man es noch sehen und begreifen kann.
 
skifam schrieb:
Es ist viel leerer... das scheinen aufsummierte Zahlen zu sein

Die immer herausgegeben werden... wenn jemand fragt den man damit gern abspeisst..
Ich möchte nicht behaupten, dass alle Artikel korrekt sind, aber hier scheinen mir die Daten schon plausibel zu sein. Wenn du mir aber belegen kannst, dass viel weniger Leute vor Ort sind, lasse ich mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

[URL=https://orf.at/stories/3272859/]https://orf.at/stories/3272859/[/URL] schrieb:
Über 50 Trainingsmannschaften aus über 20 Nationen trainieren dieser Tage am Hintertuxer Gletscher.
Schwierig nachzuprüfen, da nicht definiert ist, wie groß eine Trainingsmannschaft ist. Sagen wir mal 6 Leute, so viele Leute passen samt reichlich Gepäck in einen der an den Gletschern allgegenwärtigen Kleinbusse.
Wären also rund 300 Leute.
Schaut man auf die Webcam an der Gefrorenen Wand - ich nehme mal einen Tag mit gutem Wetter (27.6., 10 Uhr) - so sieht man dort durchaus eine nennenswerte Zahl von Leuten, der Olperer Lift scheint nahezu voll ausgelastet (ca. 100), im Bereich der Talstation finden sich auch einige Leute (ca. 25). Im nahen Umkreis der Webcam (Trasse und Ausstieg der GW-SL) nochmal ca. 40. Also rd. 165 Leute. Dazu kommen noch diejenigen auf den nicht einsehbaren (Trainings-)Pisten an der GW, sowie diejenigen, die die Piste zum TFH nutzen oder eine der 3 Aufstiegsanlagen vom TFH Richtung GW.

[URL=https://orf.at/stories/3272859/]https://orf.at/stories/3272859/[/URL] schrieb:
In dem reinen Sommerskigebiet an der Grenze zur Lombardei würden derzeit täglich rund 600 Skifahrer und Skifahrerinnen trainieren, Nationalmannschaften aus der ganzen Welt.
600 Leute sind schon leichter zu zählen. Allerdings schwierig bei der Webcamqualität: https://www.bergfex.it/stilfser-joch-ortler/webcams/c2291/
Ich nehme mal den 27.6. um 8 Uhr (am Stelvio startet der Betrieb früher als am Tuxer). Da sieht man, dass beide Geister-SL im sichtbaren Teil nahezu vollbesetzt laufen (ca. 140 Leute; berechnet anhand von 214 Gehängen, sowie 2/3 angenommener Nutzlänge). Dazu kommen dann noch die beiden anderen SL, sowie die Pisten und Warteschlangen. Und ich kenne kaum einen Bericht, in dem es vormittags keine Schlange an einem Lift gab.


gernot schrieb:
Bin schon auf das Mölltaler Eisfeld gespannt wie viel übrig bleibt.
Bisher sieht er ja noch relativ gut aus - im Gegensatz zu Hintertux und Stilfser Joch gibt es noch keine großflächigen Ausaperungen von Eis und verhältnismäßig viel von Schnee bedeckte Fläche.
 
GIFWilli59 schrieb:
gernot schrieb:
Bin schon auf das Mölltaler Eisfeld gespannt wie viel übrig bleibt.
Bisher sieht er ja noch relativ gut aus - im Gegensatz zu Hintertux und Stilfser Joch gibt es noch keine großflächigen Ausaperungen von Eis und verhältnismäßig viel von Schnee bedeckte Fläche.

nimmer lang, derzeit regen bei +7°!

passend dazu UNI Innsbruck Bericht zum Hintereisferner

Nega­tivre­kord: Glet­sch­er­bi­lanz rutscht immer frü­her ins Minus
29.06.2022

So früh wie noch nie hat der Hintereisferner im Tiroler Ötztal den „Glacier Loss Day“ erreicht: Seit dem 22. Juni 2022 steuert der Gletscher auf eine negative Jahresbilanz zu. Und das, obwohl die Sommermonate erst noch bevorstehen. Der Innsbrucker Gletscherforscher Rainer Prinz erwartet heuer einen noch nie dagewesenen Massenverlust für den Gletscher. Laut Berechnungen wird der Hintereisferner bereits in den nächsten 10 bis 15 Jahren die Hälfte seines Eises verlieren. Die Ursache dafür liegt im menschengemachten Klimawandel.

https://www.uibk.ac.at/de/newsroom/2022/negativrekord-gletscherbilanz-rutscht-immer-fruher-ins-minus/
 
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