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Grandval (BE), 29. Januar 2009

Die Stimmung im Berner Jura stand an diesem Donnerstag dem Horrorklassiker “The Fog” in nichts nach: Über 1600m wärs wolkenlos gewesen - doch hier waren wir mitten in der Suppe. Abgeworfene Bügel verschwanden gespenstisch im dominierenden grossen Grau. Rauhreif hatte sich wie ein ausserirdischer Virus an alles geklammert.

Doch widrige Umstände können einem echten Skiliftnostalgiker natürlich nichts anhaben. Der Téléski du Grand Val, am Berg oberhalb Crémines und Grandval gelegen, ist gleich alt wie ich - jedenfalls die heute noch lebendige Fassung aus dem Jahre 1972.

Das Original der Firma Borer von 1967 hatte ein kurzes Leben: An sich seien rund 600 Personen pro Stunde Kapazität geplant gewesen; der Lift war aber zu schwach, es lagen maximal 400 drin, wie der charmante Téléski-Chef anekdotenerzählend aus den Anfangstagen berichtete.

Da es am Hügel keinen Strom gab, spendete ein alter Schiffsmotor die Antriebsenergie. Borer konnte nichts machen, sie war auf kleinere Anlagen spezialisiert, was die Betreiber nervte - da musste Von Roll ran: Die Berner Firma stellte 1972 eine neue Anlage mit der Technologie der Firma Bühler (WBB) auf, rezyklierte aber viele Borer-Teile. Die Bernischen Kraftwerke BKW zogen nun auch eine Stromleitung hoch - das Antriebsproblem war gelöst. Der Ur-Lift (eine Idee des lokalen Skiclubs) kostete 150′000 Franken.

Die Pisten hier oben an der Sprach- und Kantonsgrenze Bern/Solothurn sind durchaus anspruchsvoll, sie könnten etwas sorgfältiger präpariert sein, erfüllen aber ihren Zweck auch so - ein Riesenspass in den dunklen Jurawäldern mit etlichen Steilstücken, Waldschneisen und Strässchen.

Das Highlight ist eine fast senkrechte Piste direkt eine Fluh hinunter - das ist fast schon so aufregend wie die Diretissima nach Osten vom Pazolastock aus (der aber rund 2000m höher ist).

Die Skiliftpiste ist nichts für Weicheier - sie beginnt schon mit einem Paukenschlagsteilstück und hört auch so auf; Grasbüschel, heruntergefallene Äste, Steinchen und Blätter auf der kaum einen Meter breiten, unangenehm nach rechts abfallenden Lifttrasse fordern Anfänger zusätzlich - oder werfen diese ab...

Grosses Lob für die visionäre Idee, hier “im Chrutt usse” (schweizerisch für "im Nirgendwo") einen Lift aufzustellen - und Danke an die aufgestellt-kauzige Skiliftcrew für den kostenlosen Skimorgen. Auch diese Anlage kommt meinem Kindheitstraum vom Skilift im eigenen Garten sehr nahe.

Nur - die drei Kilometer auf dem nur zu Beginn geteerten Feldweg sind nichts für schwache Nerven bzw. normale Autos: Teils blankes Eis, teils Schnee - da ist man glücklich, wenn unvermittelt die Talstation ins Blickfeld gerät. Meine ebenso Liftbegeisterte Begleitung hatte den Pinzgauer dabei - da konnte natürlich nichts schiefgehen.

Offenbar gabs hier einst weiter unten zwei weitere Lifte - wie wo was, das versuche ich dann den äusserst freundlichen Mitarbeitern beim nächsten Mal zu entlocken - I’ll be back… dannzumal aber mit Sonne statt Nebelsuppe hoffentlich.

Die Facts

>> Fahrt: Mit der Bahn ab Bern via Solothurn nach Gänsbrunnen, von da weiter mit dem Pinzgauer zum Skilift hoch

>> Wetter: Hochnebel im Mittelland, die Obergrenze lag etwa bei 1400m, die Liftbergstation aber auf 1200m... mit anderen Worten: grau in grau :(

>> Temperatur: Etwa -4 Grad

>> Schnee: OK, rund 20-40cm Pulverschnee. Die Pisten waren etwas kartoffelackermässig präpariert, teilweise aber sehr gut. Oft Tannenreisig und einige Steine.

>> Geöffnete Anlagen: 1 von 1 plus ein Ponylift.

>> Besucherandrang: Viele Kids (Schulskitag in der Gegend)

>> Besonderes: Es gilt dasselbe wie für Les Breuleux und Tramelan - im Jura Skifahren ist cool! Die Landschaft mit Laubbäumen und Nadelwäldern ist einzigartig, viele coole Waldschneisenpisten, selbst die Waldwege machen Spass. Die alte Anlage mit den Röhrs-Gehängen (im Gegensatz zu Bumbach aber mit Nylonseilen) ist sensationell.

Links: Skilift-Website

Bilder und einen Film gibts hier:

- Eher tagesberichtsorientierte Fotos aus beiden Gebieten inkl. Anfahrt, weniger Anlagenbilder

- Porträt der Anlage und des Skigebietes, mit Video der Fahrt mit dem Lift und von den Pisten

- YouTube-Video in HQ

- Blog-Beitrag dazu

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Wahnsinn, toller Bericht! Vor allem die vierfache Stütze vor dem Ausstieg finde ich beeindruckend. Kleine geografische Korrektur: Der Lift liegt im Kanton Jura, lediglich die obere Umlenkscheibe könnte bernisch sein, die Grenze verläuft auf der Krete.
 
Nicht ganz: Grandval gehört zum Kanton Bern (glaub mir, ich hab acht Jahre lang die offziellen Abstimmungsergebnisse des Kantons Bern aufs Netz geschaltet und musste dabei oft auch den Amtsbezirk bzw. le district de Moutier genauer anschauen - mit Gemeinden wie Grandval oder in der Gegend auch Crémines, Corcelles usw.) - die obere Umlenkscheibe liegt hingegen im Kanton Solothurn. Natürlich gibts aber Leute, die all die Gemeinden im Berner Jura lieber beim Kanton Jura sähen (Stichwort Separatismus), aber wir wollen hier keine politische Diskussion anzetteln.
 
Stimmt hast recht! Es ist die Kantonsgrenze zwischen Bern und Solothurn welche über den Kamm verläuft. Jetzt habe ich Lappi tatsächlich Solothurn zu Bern und Bern zum Jura gemacht :oops: ! Das ist mir jetzt aber wirklich peinlich, in Geografie hatte ich immer Sechsen in den Prüfungen!
 
Von mir auch noch ein paar Fotos. War ein echt cooler Tag.
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Talstation mit sehr steiler Ausfahrt fordert vom Bügelgeber einiges ab.

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Modernste überwachungs und Kommunikationstechnik.

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4 Fach Mast auf dem Grat.

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Cooles Trasse im Wald geil präpariert.

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Stützen grösstenteils von Borer.

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Anfahrwiderstände im Keller wie man sehen kann ist wohl einer mit dem Lift zu langsam gefahren. :lol:

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Zufahrtstrasse nur ein Holzerweg. Schneekettenpflicht?? Pffff sowas braucht man doch nicht. :lol:

Video:


Gehört GMD zu den FLJ??? 8O 8O 8O Vielleicht hatte er den Unspunnenstein im Keller?? :lol:

Hoffe WSO kommt nochmals mit wenns Wetter besser is.
 
;D

Wenn du Grandval schon als Sebstverständlich zum Kanton Jura zählst?? :wink:

Übrigens ein Video von der krassen Strasse gibts hier:
 
Schade, GMD, da hätten wir im Zuge dieser kleinen Repo eine echte Aufdeckung gemacht 8)

Und: Ja, sobalds Sonne hat (und noch genug Schnee), besuche ich den Lift nochmals. Klarer Fall. Womöglich kommen ja nochn paar Antikliftfreunde mit...
 
@ATV: Schön, an dieser Stelle mal wieder einen Beitrag von dir zu sehen.
Sind immer wieder interessant, deine Schweizer Seilbahngeschichten. :wink:
Gruß aus Bonn
 
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