Ein Erlebnisbericht von letztem Sonntag und Montag.
Anfahrten mag ich viel lieber, als Heimfahrten. Dann liegt alles noch vor einem, Neues erwartet einen, die Vorfreude und Neugierde befeuern das Ganze, dazu kommt der gewisse Reiz der Unsicherheit, ob die gesteckten Ziele überhaupt erreichbar sind. Noch interessanter wird es dann, wenn es auf der Anreise schon schöne Ausblicke, neue Strecken und Straßen, Orte und Kreuzungen gibt. Die Pass Thurn-Straße ist z.B. auf beiden Rampen mittlerweile fast durchgängig dreispurig ausgebaut, mit zumeist zwei Spuren für die bergwärtsfahrenden, aber ab und an kann man auch als talwärtsfahrender in den Genuss einer sicheren Überholmöglichkeit kommen. Ähnlich der Felberntauern. 10 Euro pro Durchfahrt sind zwar happig, dafür ist die Straße in perfektem Zustand und wird weiter verbessert, der Tunnel soll nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen ausgebaut werden. Es ist ein merkwürdiges Gefühl mit dem Auto immer mehr dem Talschluss näher zu kommen, die Berge steilen gewaltig auf und man hat das irgendwie ungute Gefühl am Ende angekommen zu sein – plötzlich biegt die Straße dann aber in den Tunnel ein. Am Südportal kommt dann die Zahlstelle – und das bessere Wetter. Strahlender Sonnenschein ohne jede Wolke, der ganze Atem der Welt haucht hier südlichere Luft. Die Straße sinkt gewaltig ab ins breitere Tal der Isel bei Matrei. Bei Huben geht es dann unvermittelt wieder umso steiler hinauf, in Serpentinen und engen Kurven ins 1300 m hoch gelegene Glockner-Dorf Kals mit wunderschönen alten Bauernhäusern, alpiner Kulturlandschaft wie aus dem Bilderbuch und einem kleinen Skigebiet mit POMA-4er Sesselliften, die man ja bekanntlich in Österreich selten sieht, sofort aber heimatliche Gefühle an acht Winterurlaube in Frankreich wecken. In Kals beginnt dann die nächste Mautstraße, die Glocknerstraße, die für 8 Euro hinauf zum Lucknerhaus auf 1920 m führt, mit großem Parkplatz und viel Betrieb. Hier sieht man den Glockner erstmals in seiner vollen Pracht, nachdem er 5 km vor Kals schon einmal im Hintergrund herausgeragt ist. Der Kontrast und die Harmonie der Szenerie sind wunderschön: grüne Almwiesen, noch sommerlich frische Lärchenwälder, dann die grünen Südhänge des Ködnitztales, dazwischen erste Felsriegel, dann über einem gewaltigen Felsriegel das Weiß des Ködnitzkees und darüber die steile Pyramide des Großglockners. Nach drei Stunden Fahrt von München machen wir Brotzeit und packen die Rucksäcke entgültig. Trotz des frischen Wetters (es hat in der Nacht bis auf sicherlich 2500 Meter hinunter geschneit, was der Umgebung einen ersten herbstlichen Anstrich gibt) entscheide ich mich fürs unterste T-Shirt, alle anderen Kleidungsstücke wandern in den wolkenmäßig aufgeblähten Rucksack, der sich aber trotzdem recht angenehm trägt. Das Training im Ötztal und vor allem die Schlepperei zum Pürschling hinauf (da hatten wir noch eine Unmenge Fressalien, Weinflaschen und eine Guitarre dabei!) scheinen sich auszuzahlen. Um 12.00 Uhr beginnen wir dann den Aufstieg zur Stüdlhütte, den wir in exakt drei Stunden hinter uns bringen, wobei 20 Minuten Brotzeit neben der Lucknerhütte und 15 Minuten Bartgeier-Gucken abzuziehen sind. Der Großglockner liegt ja bekanntlich im großen Alpennationalpark Hohe Tauern wo seit einigen Jahren wieder Bartgeier ausgewildert werden. Hier im Ködnitztal hat man vor 2 Monaten zwei Jungtiere (Dodo und Hubertus) ausgewildert, die dank von den Betreuern aufgestellter Fernrohre gestochen scharf auf einem Felsvorsprung zu beobachten sind. Gewaltige Vögel, 2,60 Meter Flügelspannweite, bis zu 300 km Flugstrecke am Tag, leben nur von Aas, jagen also nicht. Die Betreuerin zeigt einen Schafsoberschenkel, den der liebe Dodo auf einen Haps verdrückt und sauber abgefieselt hat. Sehr interessant auf jeden Fall, eine Menge Infomaterialien gabs dazu, die anderen Touristen waren ebenfalls sehr angetan. Die 884 Hm zur 2802 m hoch gelegenen Stüdlhütte beginnen recht flach, bis eine erste Steilstufe hinauf zur Lucknerhütte auf 2240 m mittels einer unglaublich steilen Forststraßenrampe bewältigt wird. Hier startet auch die Materialseilbahn zur Stüdlhütte, die Materialseilbahn zur Erzherzog Johann-Hütte auf der Adlersruhe startet noch ein Stück weiter unten, bewältigt also gute 1400 Hm am Stück! Hinter der Lucknerhütte endet die Straße endgültig, der Pfad wird relativ schmal, 1998 von der Sektion Oberland erneuert (d.h. Abschneider sind gesperrt worden, ein eindeutiger Weg wurde hergerichtet). Eine zweite Steilstufe, die Blaue Wand will bewältigt werden, danach geht’s in mäßiger Steigung, aber schon im blockigen Geröll des Urgesteingebirges überraschend rasch hinauf zur Fanatscharte, wo die Stüdlhütte und ihre Vorgängerbauten seit 1869 stehen. Die Stüdlhütte ist einer der wohl ungewöhnlichsten Hüttenbauten. 1996 komplett neu errichtet sieht sie ein wenig nach Raumstation aus, diese Variante hat aber rein funktionale Gründe, da es um die möglichst optimale Wärmedämmung, Energieausnutzung und –ausbeute ging. Das helle Holz der Innenräume erinnert ein bisschen an Ikea oder moderne Jugendgästehäuser, kein Retro-Stil der anderen eher vormodernen Hüttenarchitektur, die sofort an Kniebundhosen und „Berg heil“-Rufer gemahnt. Hier sieht es eher nach drahtigen Sportkletterern aus, die nicht nur im Klettergarten Meister sind, sondern auch mit kompletter Eisausrüstung und vollem Hakeneinsatz Klettereien am festen Fels des Glockners problemlos bestehen. Auf der Terrasse habe ich neben einer Apfelschorle erstmal eine Runde Mittagsschlaf genossen, die Abende davor waren jeweils lang und ereignisreich…
Anfahrten mag ich viel lieber, als Heimfahrten. Dann liegt alles noch vor einem, Neues erwartet einen, die Vorfreude und Neugierde befeuern das Ganze, dazu kommt der gewisse Reiz der Unsicherheit, ob die gesteckten Ziele überhaupt erreichbar sind. Noch interessanter wird es dann, wenn es auf der Anreise schon schöne Ausblicke, neue Strecken und Straßen, Orte und Kreuzungen gibt. Die Pass Thurn-Straße ist z.B. auf beiden Rampen mittlerweile fast durchgängig dreispurig ausgebaut, mit zumeist zwei Spuren für die bergwärtsfahrenden, aber ab und an kann man auch als talwärtsfahrender in den Genuss einer sicheren Überholmöglichkeit kommen. Ähnlich der Felberntauern. 10 Euro pro Durchfahrt sind zwar happig, dafür ist die Straße in perfektem Zustand und wird weiter verbessert, der Tunnel soll nach den neuesten Sicherheitsbestimmungen ausgebaut werden. Es ist ein merkwürdiges Gefühl mit dem Auto immer mehr dem Talschluss näher zu kommen, die Berge steilen gewaltig auf und man hat das irgendwie ungute Gefühl am Ende angekommen zu sein – plötzlich biegt die Straße dann aber in den Tunnel ein. Am Südportal kommt dann die Zahlstelle – und das bessere Wetter. Strahlender Sonnenschein ohne jede Wolke, der ganze Atem der Welt haucht hier südlichere Luft. Die Straße sinkt gewaltig ab ins breitere Tal der Isel bei Matrei. Bei Huben geht es dann unvermittelt wieder umso steiler hinauf, in Serpentinen und engen Kurven ins 1300 m hoch gelegene Glockner-Dorf Kals mit wunderschönen alten Bauernhäusern, alpiner Kulturlandschaft wie aus dem Bilderbuch und einem kleinen Skigebiet mit POMA-4er Sesselliften, die man ja bekanntlich in Österreich selten sieht, sofort aber heimatliche Gefühle an acht Winterurlaube in Frankreich wecken. In Kals beginnt dann die nächste Mautstraße, die Glocknerstraße, die für 8 Euro hinauf zum Lucknerhaus auf 1920 m führt, mit großem Parkplatz und viel Betrieb. Hier sieht man den Glockner erstmals in seiner vollen Pracht, nachdem er 5 km vor Kals schon einmal im Hintergrund herausgeragt ist. Der Kontrast und die Harmonie der Szenerie sind wunderschön: grüne Almwiesen, noch sommerlich frische Lärchenwälder, dann die grünen Südhänge des Ködnitztales, dazwischen erste Felsriegel, dann über einem gewaltigen Felsriegel das Weiß des Ködnitzkees und darüber die steile Pyramide des Großglockners. Nach drei Stunden Fahrt von München machen wir Brotzeit und packen die Rucksäcke entgültig. Trotz des frischen Wetters (es hat in der Nacht bis auf sicherlich 2500 Meter hinunter geschneit, was der Umgebung einen ersten herbstlichen Anstrich gibt) entscheide ich mich fürs unterste T-Shirt, alle anderen Kleidungsstücke wandern in den wolkenmäßig aufgeblähten Rucksack, der sich aber trotzdem recht angenehm trägt. Das Training im Ötztal und vor allem die Schlepperei zum Pürschling hinauf (da hatten wir noch eine Unmenge Fressalien, Weinflaschen und eine Guitarre dabei!) scheinen sich auszuzahlen. Um 12.00 Uhr beginnen wir dann den Aufstieg zur Stüdlhütte, den wir in exakt drei Stunden hinter uns bringen, wobei 20 Minuten Brotzeit neben der Lucknerhütte und 15 Minuten Bartgeier-Gucken abzuziehen sind. Der Großglockner liegt ja bekanntlich im großen Alpennationalpark Hohe Tauern wo seit einigen Jahren wieder Bartgeier ausgewildert werden. Hier im Ködnitztal hat man vor 2 Monaten zwei Jungtiere (Dodo und Hubertus) ausgewildert, die dank von den Betreuern aufgestellter Fernrohre gestochen scharf auf einem Felsvorsprung zu beobachten sind. Gewaltige Vögel, 2,60 Meter Flügelspannweite, bis zu 300 km Flugstrecke am Tag, leben nur von Aas, jagen also nicht. Die Betreuerin zeigt einen Schafsoberschenkel, den der liebe Dodo auf einen Haps verdrückt und sauber abgefieselt hat. Sehr interessant auf jeden Fall, eine Menge Infomaterialien gabs dazu, die anderen Touristen waren ebenfalls sehr angetan. Die 884 Hm zur 2802 m hoch gelegenen Stüdlhütte beginnen recht flach, bis eine erste Steilstufe hinauf zur Lucknerhütte auf 2240 m mittels einer unglaublich steilen Forststraßenrampe bewältigt wird. Hier startet auch die Materialseilbahn zur Stüdlhütte, die Materialseilbahn zur Erzherzog Johann-Hütte auf der Adlersruhe startet noch ein Stück weiter unten, bewältigt also gute 1400 Hm am Stück! Hinter der Lucknerhütte endet die Straße endgültig, der Pfad wird relativ schmal, 1998 von der Sektion Oberland erneuert (d.h. Abschneider sind gesperrt worden, ein eindeutiger Weg wurde hergerichtet). Eine zweite Steilstufe, die Blaue Wand will bewältigt werden, danach geht’s in mäßiger Steigung, aber schon im blockigen Geröll des Urgesteingebirges überraschend rasch hinauf zur Fanatscharte, wo die Stüdlhütte und ihre Vorgängerbauten seit 1869 stehen. Die Stüdlhütte ist einer der wohl ungewöhnlichsten Hüttenbauten. 1996 komplett neu errichtet sieht sie ein wenig nach Raumstation aus, diese Variante hat aber rein funktionale Gründe, da es um die möglichst optimale Wärmedämmung, Energieausnutzung und –ausbeute ging. Das helle Holz der Innenräume erinnert ein bisschen an Ikea oder moderne Jugendgästehäuser, kein Retro-Stil der anderen eher vormodernen Hüttenarchitektur, die sofort an Kniebundhosen und „Berg heil“-Rufer gemahnt. Hier sieht es eher nach drahtigen Sportkletterern aus, die nicht nur im Klettergarten Meister sind, sondern auch mit kompletter Eisausrüstung und vollem Hakeneinsatz Klettereien am festen Fels des Glockners problemlos bestehen. Auf der Terrasse habe ich neben einer Apfelschorle erstmal eine Runde Mittagsschlaf genossen, die Abende davor waren jeweils lang und ereignisreich…
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