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Industrieskigebiet

br403 schrieb:
...manche Glauben oder nicht, so eine Seilbahngesellschaft will vorrangig Geld verdienen, deswegen wird das auch optimiert und es entstehen "Industrieskigebiete". Einige hier denken immer noch man würde das aus Jux und Tollerei machen... :lol:
Es entwickelt sich hier gerade endlich mal eine sachliche Diskussion zum Thema Industrieskigebiet. Darum würde ich es begrüßen, wenn solch unrichtige Aussagen, die offenbar nur den Sinn haben, zu provozieren, nicht mehr gepostet werden. Du scheinst daraus, dass manchen Industrieskigebiete nicht gefallen abzuleiten, dass diese sich nicht bewusst sind, dass man als Betreiber Geld verdienen muss. Das ist aber wie gesagt falsch. Abgesehen davon gibt es auch "Nicht-Industrieskigebiete" deren betreiber Geld verdienen - und das gut.
 
3303 schrieb:
Abgesehen davon gibt es auch "Nicht-Industrieskigebiete" deren betreiber Geld verdienen - und das gut.

Kannst du das belegen? Auffällig ist nur, dass die "Nicht-Industrieskigebiete" in Österreich und Deutschlad zu einem grossen Teil finanzielle Probleme haben...
 
Frankenski schrieb:
Wie nennt man diese Stadionen in Frankreich mit ihren Bettenbunkern :?:

Ganz klar, auch das sehe zumindest ich als Industrieski, aber ehrlicher Industrieski! Die Bauten versuchen gar nicht erst, regional verwurzeltes Baustile zu imitieren. Die Bauten sind auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet, basta, mehr nicht. Das missfällt mir persönlich besonders oft in Österreich, ich empfinde viele Bauten als schlechte Imitation einer heilen klischeehaften Bergwelt, die gerade in und um die Industrieskigebiete längst nicht mehr existiert oder nie existiert hat.

Wie gesagt, zehnstöckige Betonbettenbunker im franz. Hochgebirge sind auch nicht schön, gaukeln mir aber nicht erfolglos vor, Bestandteil der "Baukultur" zu sein. Französische Skigebiete werden von Ihren Kunden dafür aber definitiv nicht mit Abwesenheit bestraft. Sie sind was Sie sind, zumeist ehrliche sportliche und kompromisslose Retortenorte mit einer auf den Schneesport ausgerichteten Infrastruktur ohne den Anspruch, seine Besucher glauben zu lassen, Sie befänden sich an einem Ort, "wo die Welt noch in Ordnung ist."

Wenn ich bspw. in einem Skigebiet im SB Restaurant mit sagen wir mal tiroler Baustil und dennoch 500+ Sitzplätzen sitze und mir meinen Kaiserschmarn oder gar ein Schnitzel aus der Friteuse an der SB Theke hole, dann springt mir der Industrieski quasi ins Gesicht weil Anspruch und Wirklichkeit keine Schnittmengen mehr haben. Vielleicht habe ich da eine sehr eigene Auffassung der Dinge, frage mich aber gleichzeitig ob es den vielen anderen Touris auch auffällt oder ob es halt genau Ihren Erwartungen entspricht?

Wenn kleine "Nichtindustrieskigebiete" durch "Indutrieskigebiete" potentielle Finanzprobleme bekommen, dann sagt das zum einen etwas über den Anspruch der Schneesporttouris aus und ist gleichzeitig ein Beleg für die Verdrängung verglw. authetischer Strukturen durch Industrieski. Das gleiche kann man an bspw. an zahllosen Badestränden/Badeorten rund um die Welt beobachten.

Grüße
 
Industrieskigebiete sind für mich Gebiete, in denen die Infrastruktur so dominant ist, dass ich als Skifahrer das Gefühl für Landschaft, Natur etc. zu verlieren beginne. Das Landschafts- und Bergerlebnis wird durch das Erlebnis der künstlich geschaffenen Strukturen so weit verdrängt, dass es in den Hintergrund gerät.

Empfinde ich als eine perfekte Definition.
 
Ob es manche Glauben oder nicht, so eine Seilbahngesellschaft will vorrangig Geld verdienen, deswegen wird das auch optimiert und es entstehen "Industrieskigebiete". Einige hier denken immer noch man würde das aus Jux und Tollerei machen...

Ich empfinde es übrigens so das eine gesunde Mischung von beidem herrschen muss. Also gerne auch planierte Anfängerpisten mit dem 6er Kuppel und der Almöhihütte dazu, aber dann auch wieder abgeschiedene Ecken wo man als "Fortgeschrittener Skifahrer und Naturliebhaber" auf seine Kosten kommen kann. Wenn ich dann so eine Mischung habe empfinde ich es auch nicht als Industriegebiet.
 
Af schrieb:
Kannst du das belegen? Auffällig ist nur, dass die "Nicht-Industrieskigebiete" in Österreich und Deutschlad zu einem grossen Teil finanzielle Probleme haben...
Ein meiner Meinung nach gutes Beispiel ist immer http://www.compagniedumontblanc.fr/ - dort hat man entsprechendes landschaftliches Potential und entsprechende Kundschaft.
 
Af schrieb:
3303 schrieb:
Af schrieb:
Kannst du das belegen? Auffällig ist nur, dass die "Nicht-Industrieskigebiete" in Österreich und Deutschland zu einem grossen Teil finanzielle Probleme haben...
Ein meiner Meinung nach gutes Beispiel ist immer http://www.compagniedumontblanc.fr/ - dort hat man entsprechendes landschaftliches Potential und entsprechende Kundschaft.

Nach Österreich - Deutschland war gefragt. :wink:
OK, stimmt. Da kenne ich mich aber nicht so aus :wink:
 
RTL2 hat wesentlich mehr Zuseher als 3Sat oder gar Arte...
Nur weil sich ein Fernsehsender wirtschaftlich besonders rentiert, muss ich sein Programm nicht für gut befinden...man darf doch noch selber denken wollen?

Industrieski ist RTL2, mit dem Unterschied dass man "nicht umschalten" kann weil deren "Banalprogramm" fest in der Naturlandschaft eingebaut ist. Sonst könnte es mir ja egal sein.

Wobei viele Skiegebiete durch wohl zu hohe Investitionen in Blockbusterformate hoch verschukldet sind...
30...50% Investitionsquote bezogen auf den Umsatz war in Tirol in den vergangenen Jahren der Durchschnitt(!).
Skigebiete fahren lediglich operativ über Wasser... dank dem derzeitigen nahezu Nullzinssatz und staatliuchen Subventionen..
Eine finanztechnisch ziemlich wackelige Sache...wie so vieles in diesen jahren...abgesehen vom Schaden an der Skikultur insgesamt...
 
Kris schrieb:
Eine finanztechnisch ziemlich wackelige Sache...wie so vieles in diesen jahren...abgesehen vom Schaden an der Skikultur insgesamt...

Stimmt, das Gebirge ist im Industrieski nur noch die Rohmasse, die von den Touristikern nach Belieben industriell geformt wird.
Es gibt wahrhaft massenfähige Lifte (viel und schnell) und Pisten (breit und glatt mit Kunstschneeauflagen die tausende Skifahrer pro Tag erst möglich machen), große Saufmeilen am Berg und im Ort wie auf Mallorca, alle 50 Meter eine Kanonenturm und dazwischen zuweilen ein alt anmutendes Kruzifix. So verdichten sich Kultur und Industrie imho zu einem modernen Kunstwerk, Christus mit Beschneiungslanze samt Messfühler. Da mahnt er am Pistenrad zu Mäßigung und hat schon längst freien Blick auf die Apokalypse. :-)

Die Entertainment-Spirale rotiert scheinbar unendlich weiter bis zur Riesenparty wie bspw. Openings mit Weltstars. Das nennt sich dann Qualitätsurlaub, top quality usw.!

Hat man als Skiregion erst einmal damit begonnen, gibt es offensichtlich kein Zurück mehr, dem wirtschaftlichen Standbein Industrieski ist man ausgeliefert, quasi der totale Tourismus oder eben TOP INDUSTRIAL SKIING

Es grüßt mit einem Schuss Ironie

terestric
 
terestric schrieb:
Frankenski schrieb:
Wie nennt man diese Stadionen in Frankreich mit ihren Bettenbunkern :?:

Ganz klar, auch das sehe zumindest ich als Industrieski, aber ehrlicher Industrieski! Die Bauten versuchen gar nicht erst, regional verwurzeltes Baustile zu imitieren. Die Bauten sind auf Zweckmäßigkeit ausgerichtet, basta, mehr nicht
Das stimmt so pauschal übrigens auch nicht. Diese Bauten wurden bei weitem nicht nur einfach so zum Geld verdienen in die Landschaft gesetzt nach dem Motto Beton ist billig. Eine Idee war zum Beispiel, möglichst wenig Landschaftsfläche zu verbrauchen. Auch nimmt die Formensprache teilweise durchaus Bezug zur umgebenden Landschaft. Es wird nur eben kein Heile-Welt-Disneyland-Bild bedient, wie es bei den meisten Deutschen im Gedächtnis verankert ist.
In Val d'Isère lautete die Formel in den 80ern übrigens, die alten Betonklötze abzureißen und dafür neue, optisch traditionellere Betonklötze mit Holz-/Natursteinverkleidung hinzustellen, die aber wegen der höheren Kosten 20% größer sein durften als die alten. Im Archiv der ZEIT gibt es einen Artikel dazu, falls das jemanden interessiert.
 
terestric schrieb:
k2k schrieb:
Auch nimmt die Formensprache teilweise durchaus Bezug zur umgebenden Landschaft.

Recht hast Du, siehe http://www.welt.de/multimedia/archive/01321/reise_avoriaz_DW_R_1321587p.jpg. Ist zwar nicht Val d'Isère , aber trotzdem ein schönes Beispiel für gelungene Integrationen hoher Bauten im Hochgebirge (soweit es eben bei hohen Bauten möglich ist).

Grüße

Naja, die Kontraste sind in Realität wesentlich grösser und das ganze wesentlich hässlicher. Diese französischen Monsterchalets finde ich nicht besonders attraktiv, v.A. wenn das Holz nach ein paar Jahren mal richtig dunkel ist.

Gar nicht so schlecht finde ich die Tour de Supercrans:

ngqv2w0pkt.jpg
 
Allerdings hatte ich in den französischen Skigebieten das Gefühl, es wird weniger planiert als beispielsweise in Österreich oder Italien. Auch stehen durchaus noch Schlepplifte, und wer die dort populären Stangenschlepper kennt, weiss wie schwierig die zu fahren sein können! In Austria und Italia, aber leider auch immer öfters in der Schweiz, werden die guten alten Bügel- und Tellerlifte immer mehr durch Sessel und Gondeln ersetzt.

Bitte nicht falsch verstehen, einem 2km ewig langem Schlepper weine auch ich wenig Tränen nach. Aber wenn eine einst ruhige und schöne rote Abfahrt nun dank 6KSB völlig überfüllt ist, sich dort auch Anfänger tummeln die total überfordert sind (Dank dem Skilift haben sie es früher gar nicht hoch geschafft, bzw. haben es erst gar nicht versucht.), und nun als Folge dessen die Piste "entschärft", sprich totmodeliert, wird, dann ist für mich etwas verloren gegangen!
 
GMD schrieb:
Bitte nicht falsch verstehen, einem 2km ewig langem Schlepper weine auch ich wenig Tränen nach. Aber wenn eine einst ruhige und schöne rote Abfahrt nun dank 6KSB völlig überfüllt ist, sich dort auch Anfänger tummeln die total überfordert sind (Dank dem Skilift haben sie es früher gar nicht hoch geschafft, bzw. haben es erst gar nicht versucht.), und nun als Folge dessen die Piste "entschärft", sprich totmodeliert, wird, dann ist für mich etwas verloren gegangen!

Ich bevorzuge Schlepper: Zum einen muss ich mir da keine Sorgen machen, das meine lebhafte kleine Tochter im Sessellift die finale Todesrolle in den Abgrund macht (ein prinzipielles Problem beim Sessellift und Kindern < 1.25m), zum anderen kann ich beim Schlepper besser entscheiden, wo ich aussteige (... natürlich nur mit genügend Abstand und mit dem Liftwart abgesprochen ...). Das Ersetzen von Schleppliften durch Sessellifte ist imho eine Maßnahme zur besseren Erschließung des Skigebietes für die Massen, daher auch für mich definitiv ein Industrieskigebiet-Kriterium.
 
Aha.. also Massenabfertigungs Hochaus-Bunker sind für euch kein Anzeichen für ein Industrieskigebiet? Was ist bitte der Unterschied zu Massen-SB-Fresstempeln?
 
Af schrieb:
Aha.. also Massenabfertigungs Hochaus-Bunker sind für euch kein Anzeichen für ein Industrieskigebiet? Was ist bitte der Unterschied zu Massen-SB-Fresstempeln?

Ich denke es war gemeint, dass eine Hochausarchitektur, die je nach Geschick und Willen der Planer druchaus genial ausfallen kann, letztendlich ehrlicher in der Sprache ist: Ja es sind hier Massen die hier wohnen, und zwar Komfortabel noch dazu.

Ob die Pisten drumherum nun industrialisiert sind oder nicht hängt m.E. nicht von der Urbanisationsform des Skiortes ab.
 
Af schrieb:
Aha.. also Massenabfertigungs Hochaus-Bunker sind für euch kein Anzeichen für ein Industrieskigebiet? Was ist bitte der Unterschied zu Massen-SB-Fresstempeln?
Das Argument muss man gelten lassen. Ich würde allerdings sagen, dass es auf das Maß ankommt. Ein Hochhaus allein bedingt keinen Industriecharakter. Viele können das vielleicht, sind aber auch nicht "industrieller" als verkitscht historisierende "Hüttenbunker".
Generell würde ich sagen, dass 1000 Gästebetten in 5 Hochhäusern fast weniger industriell sind, als 1000 Gästebetten in 200 Chalets.
20 Wohnblocks mit insgesamt 1000 Betten sind authentischer, als wenn diese Blocks mit Satteldächlein bestückt und der Beton mit Bruchstein und Holz beklebt wird.
Die Bauform der Gebäude im Ort hat aber nach meinem Empfinden kaum einen Einfluss darauf, ob ich ein Gebiet als Industrieskigebiet betrachten würde. Das Gefühl im Gebiet selbst spielt da eine größere Rolle.
 
3303 schrieb:
Industrieskigebiete sind für mich Gebiete, in denen die Infrastruktur so dominant ist, dass ich als Skifahrer das Gefühl für Landschaft, Natur etc. zu verlieren beginne. Das Landschafts- und Bergerlebnis wird durch das Erlebnis der künstlich geschaffenen Strukturen so weit verdrängt, dass es in den Hintergrund gerät.

Für mich die umfassendste Beschreibung. Sie bringt mit wenigen Worten auf den Punkt, was auch ich empfinde.

Zu den Hotelbunkern in Bergtälern. Egal ob ehrlicher oder authentisch. Ich finde es schrecklich. Ich finde allerdings auch die riesigen verkitschten Unterkünfte nicht schick. aber im Vergleich doch besser. Auch hier zählt natürlich bei beiden Baustielen. Wie wirkt es in der Umgebung. Und da verweise ich gerne wieder auf o. g. Beschreibung.
 
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