Downhill
Chimborazo (6310m)
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Weit mehr als ein Aprilscherz - eher ein weiteres trauriges Indiz über den derzeitigen Zustand in deutschen Landen:
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Kiefersfelden aus Bayern will nach Österreich
Kiefersfelden,30-03-05
Zum Tanken fahren sie schon lange nach Österreich, der Bahnverkehr wird fast ganz von der Österreichischen Bundesbahn abgewickelt, und bald können die Kiefersfeldener nur noch die Fernsehprogramme des Nachbarlandes sehen. "Warum sollen wir dann nicht gleich ganz zu Österreich gehören?"
Das fragt Werner Schroller, Chef im Kuramt der Feriengemeinde in den bayerischen Alpen. Kiefersfelden bei Rosenheim fühlt sich vom Freistaat im Stich gelassen. Mit einem Fest "Welcome to Austria" will der Ort am 1. April daher auf seine Lage aufmerksam machen. Die Ortsschilder tragen dann für einen Tag den Zusatz "Land Tirol".
Die Aktion sei weit mehr als nur ein April-Scherz, versichern der rührige Tourismus-Chef Schroller sowie Bürgermeister Erich Ellmerer samt Gemeinderat. Die Kommunalpolitiker sind sich sicher: Die bayerische Staatsregierung behindere die Entwicklung des Grenzortes.
Als Beleg nennen die Gemeindeväter eine Reihe von Beispielen, die aus ihrer Sicht die eklatante Benachteiligung belegen. So müssten die Kiefersfeldener Tankstellenpächter bis zu 80 Prozent Umsatz-Einbußen hinnehmen, "weil alle das wesentlich billigere Benzin in Österreich tanken", so Schroller. "Früher hatten wir sieben Tankstellen, jetzt sind es noch zwei." Der Liter Benzin sei "drüben" um bis zu 26 Cent billiger, klagt der Kuramts-Leiter. "Doch es geschieht nichts."
Als weiteres Argument nennen die Initiatoren des symbolischen Österreich-Übertritts, dass der Fernseh-Empfang demnächst auf das digitale System umgeschaltet wird. Dann könnten die Kiefersfeldener per Dachantenne bald nur noch die Programme ORF 1 und 2 sehen, sagt Schroller. "Schon jetzt ist mit einer Hausantenne das Bayerische Fernsehen bei uns nicht mehr zu empfangen."
Zum 1. Mai soll zudem in Kiefersfelden aus Spargründen nachts kein Rettungswagen mehr zur Verfügung stehen. Auf bayerischer Seite ist das nächstgelegene Klinikum Rosenheim jedoch 30 Kilometer entfernt. Das Notarzt-Fahrzeug muss sich den Weg über die viel befahrene und oft durch Lastwagen-Staus blockierte Inntal-Autobahn bahnen.
Im vier Kilometer entfernten österreichischen Städtchen Kufstein stehe zwar ein Krankenhaus, sagt Schroller, doch die deutschen Krankenkassen übernähmen nicht die Kosten für den Transport dorthin. "Was sollen wir noch in Bayern?", fragt sich der Kuramts-Chef.
Nach Erfahrung von Bürgermeister und Gemeinderat blockieren die bayerischen Behörden auch die wirtschaftliche Entwicklung von Kiefersfelden. Ein nahe der Autobahn geplantes Gewerbegebiet werde nicht genehmigt, weil angeblich zu wenig Kaufkraft vorhanden sei.
Gleich hinter der Grenze entstünden jedoch "Gewerbegebiete mit gigantischen Ausmaßen", sagt Schroller. "Die Behörden in Tirol fragen nicht lange nach Kaufkraft und Umland-Entwicklung, sie lassen die Gemeinden einfach bauen."
Aus Protest gegen die Benachteiligung findet daher am Freitag auf dem Rathausplatz in Kiefersfelden eine große Austria-Begrüßungsparty statt. Der Landeshauptmann von Tirol ist eingeladen, die Ortsschilder grüßen die Besucher dann mit dem Zusatz "Land Tirol".
Auch Auto-Kennzeichen werden auf österreichisch getrimmt, vom Rathaus weht die Fahne Tirols. Schroller rechnet mit mindestens 1.000 Teilnehmern: "Und es gibt nur Bier aus Österreich."
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