Hm, mich hat der Film vor allem... verwundert.
Zunächst mal: Ja, die Szenen im Berg sind visuell beeindruckend. Ja, Szenenbild und Kostüme haben die 30er Jahe gut wiedergegeben. Die schauspielerischen Leistungen waren im Großen und Ganzen okay (Benno Führmann ist merwürdigerweise toll, solange er den Mund hält; aber gib ihm Dialog, und er vermasselt es). Die Regie schien soweit in Ordnung, auch wenn ich mich frage, ob es nicht vielleicht doch einen zweiten Winkel gegeben hätte, aus dem man die Kleine Scheidegg hätte filmen können, ohne die 30er-Jahre-Illusion zu zerstören.
Aber... die Handlung (die insgesamt übrigens bemerkenswert wenig mit der Realität zu tun hat)...? Worum geht es in dem Film überhaupt?
/AB HIER SPOILER/
- Ganz am Anfang scheint es um Heldenverehrung und Vereinnahmung von Sportlern durch das Dritte Reich zu gehen. Dieses Thema wird zwar immer wieder genannt, aber nie vertieft.
- Dann geht es scheinbar um Freundschaft. Hinterstoisser will die Eigernordwand durchsteigen, Kurz will nicht, lässt sich dann aber um der Freundschaft willen breitschlagen. Das Thema wird immerhin ganz am Ende nochmal aufgegriffen, als die Autoren sich entscheiden, dass Hinterstoisser sich für seinen Freund opfert (in Wirklichkeit starb er im Steinschlag).
- Zwischendurch wird der Unterschied zwischen dem kargen Bergsteiger-Zeltlager am Wandfuß und dem relativ dekadenten Leben auf der Kleinen Scheidegg ausgiebig thematisiert. Aber ich habe keine Ahnung, warum.
Ich glaube, am Ende sollte es um Ehrgeiz gehen. Hinterstoissers Ambitionen kosten die beiden das Leben; die Volontärin erkennt, dass ihre eigenen Ambitionen zu nichts Gutem führen. Der Rest scheint aus früheren Drehbuchentwürfen übrig geblieben zu sein (es werden im Abspann nicht weniger als sechs Autoren oder Dramaturgen genannt).
Die letzten Szenen sind, wenn ich's mir recht überlege, typisch für mein Problem mit dem Film. "Ich gehe nicht zurück nach Berlin", sagt die Volontärin da zu ihrem Boss, "da sind zu viele Menschen wie Sie." Aber ich habe keine Ahnung, was das bedeutet -- Nationalsozialisten? Kaltschnäuzige Opportunisten? Chefs mit Tendenz zur sexuellen Belästigung? Was? (Sie geht dann stattdessen nach... New York? Was bedeutet das?)
Langer Rede kurzer Sinn: Wenn man einen Film nach einer wahren Begebenheit macht und jede Menge Kram ändert und eine ganze B-Story einfügt... wäre es dann nicht schön, wenn man wenigstens wüsste, warum?