Diese "VIP-Geschichte" kenn ich seit den Wintern 94/94 und 95/96 aus Štrbské Pleso in der Hohen Tatra.
Zu einer Zeit als der Skipass dort umgerechnet 8 DM gekostet hat und ein HotDog 50 Pfennig, haben wir uns das als 14 -jährige deutsche Touristen gegönnt. Soweit ich mich erinnere, war das Kontingent zum Tagespreis von ca. 18 Mark nicht begrenzt, wurde nicht oft genutzt, sodass die Extra- VIP Spur (kein Scherz, großes VIP Schild am SL Interski und SB Solisko 1) fast immer frei war. Damals fanden wir das in unserem jugendlichen Leichtsinn wohl cool und hielten uns dank dem Geld unserer in Deutschland normal verdienenden Eltern und dem schlicht exremen Lohngefälle (D/SK) wohl in diesem Moment für "was Besseres". Traurig prolliges Gehabe, tröstlich nur, das ich es Pubertät anlasten kann.
Heute würde ich es nicht mehr machen wollen, es war einfach peinlich. Peinlich, weil der Effekt eben nicht hauptsächlich in der Zeitersparnis bestand, sondern in der Nutzung einer groß ausgewiesenen "VIP-Spur", welche an allen genauso ehrlich arbeitenden "Normalos" aus Osteuropa einfach vorbei führte. Schon damals haben wir gespürt, das dieses System nicht mit dem Lebensgefühl vereinbar sein kann, was wir bei einem Ski-/Berg-/Naturerlebnis doch suchten.
Wenn sich sowas durchsetzen sollte, dann in Skigebieten, deren jährlich wiederkehrendes Kundenklientel kein Problem damit hat, sich jeden Morgen zusammen mit Tausenden anderen vor parallelen Hochleistungsbahnen anzustellen. In dieser Gruppe verorte ich auch das höchste Kundenpotential für "VIP-Karten und VIP-Gondeln". Der oberflächlich betrachtete Mehrwert des Vordrängels ist doch nur dann einer, wenn die Schlange der Normalos groß ist.