kaldini schrieb:
Ich bin mit dieser Bahn (glaube ist ne Umlaufbahn) vor ein paar Jahren mal gefahren. Weiss nur noch, dass die Bahn sehr alt ist. Hat einer genauere Daten?
Ich bin ein paar mal mit der Bahn gefahren und habe auch mit den Seilbahnern über die Bahn diskutiert.
Sie ist eine einzigartige Sonderkonstruktion, die wohl weltweit einmalig ist.
Technisch würde ich sie als 2S-Bahn mit Pendelbahncharakter bezeichnen.
Formal ist sie eine 2S-Bahn, also eine Umlaufbahn, aber da die Kabinen über eine Schwenkvorrichtung in der Talstation und der Bergstation auf die andere Seite gebracht werden, ist das Laufwerk doch als Pendelbahnlaufwerk zu bewerten. Die Kabinen fahren in der Talstation und in der Bergstation mit ihrem Pendelbahnlaufwerk auf eine gerade Schiene, die etwa 20 % länger ist als das Kabinenlaufwerk. Diese Schiene bildet mit dem Umlenkrad des Zugseils eine Kreistangente dergestalt, dass die Senkrechte auf die Schiene nicht nur durch die Mitte der Schiene verläuft, sondern auch durch den Mittelpunkt der Umlenkrolle des Zugseils. Hat die Schiene zusammen mit dem Laufwerk die 180 Grad Kurve durchlaufen, dann rollt die Kabine mit ihrem Laufwerk von der Schiene ab und rollt zugleich auf das andere Tragseil auf. Nach dem vollständigen Abrollen der Kabine läuft die Schiene leer zurück, um dann, wenn sich das Zugseil ca. 1000 m bewegt hat, die nächste Kabine auf die andere Seite zu bringen.
Eine Rückwärtsfahrt ist nicht möglich, d.h. die Kabinen fahren stets im Uhrzeigersinn, also im Linksbetrieb.
Im Umlauf sind 4 Kabinen, die jeweils einen Abstand von ca. 1000 m haben. Die Kabinenkreuzungen finden also an den Viertelspunkten statt. Das erste Seilfeld Talstation <-> Stütze 1 ist ca. 550 m lang, das zweite Seilfeld Stütze 1 <-> Stütze 2 ca. 450 m und das dritte Seilfeld Stütze 2 <-> Bergstation ca. 1000 m.
Die Stützen 1 und 2 sind Portalstützen, bei denen die Kabinen - was wiederum bei einer Portalstütze ungewöhnlich ist - außen die Portalstütze überfahren, also anders als z.B. bei der 2. Sektion der Pendelbahn auf der Corvatsch (Stütze 1).
Stellt man sich direkt vor die Portalstütze, dann sieht sie aus wie der griechische Buchstabe Pi.
In jede Kabine passen 11 Personen. Die Kabinen fahren unbegleitet. An der Stütze 2 in der Streckenmitte gibt es somit einen Betriebshalt, da die Fahrgäste in der Talstation und in der Bergstation ein- und aussteigen wollen. Die beiden anderen Kreuzungspunkte nach 25 % bzw. 75 % der Strecke, also ca. 50 m unterhalb der Stütze 1 und in der Mitte des Seilfeldes Stütze 2 <-> Bergstation werden ohne Halt durchfahren.
Der Tragseildurchmesser ist 25,5 mm, der Zugseildurchmesser 19,5 mm. Nach dem Umbau der Anlage darf jetzt statt mit 5 m/s mit 6 m/s gefahren werden, was die Leistung auf 130 Personen pro Stunde und Richtung erhöht.
Hauptzielgruppe am Laber sind Wanderer, Drachenflieger und Gleitschirmflieger. Mehr als 130 Personen pro Stunde und Richtung kann man aus der alten Anlage nicht mehr rausholen. Die Erhöhung der Geschwindigkeit von 5 m/s auf 6 m/s war schon ein Kraftakt; dafür musste nach Auskunft eines Seilbahners u.a. die Stütze 2 neu gebaut und geneigt werden. Die alte Stütze 2 stand senkrecht.
Ich weiß es nicht genau, wann die Bahn erneuert wurde, aber das müsste ungefähr 10 - 20 Jahre her sein.
Würde man heute die Bahn, die ungefähr 75 Jahre alt ist, durch eine neue Bahn ersetzen, dann hätte man dasselbe Problem wie beim Nebelhorn in Oberstdorf. Aufgrund des Geländes ist eine klassische Einseilumlaufbahn nicht genehmigungsfähig, sodass man dann also entweder eine klassische Pendelbahn mit 2 Kabinen zu je 100 Personen bauen würde oder aber eine 2S-Bahn. Mit einer klassischen Pendelbahn mit zwei Kabinen zu je 100 Personen könnte man bei 10 m/s ungefähr eine Beförderungsleistung von etwa 800 Personen pro Stunde und Richtung herausholen, was für den Laber völlig genügt. Aber 130 Personen pro Stunde und Richtung ist einfach zu wenig.
Da allerdings das Nebelhorn bei weitem besser frequentiert ist als der Laber in Oberammergau, wird ein Neubau nur dann realistisch sein, wenn der Freistaat Bayern kräftig mitzahlt.
Die beiden Stützenstandorte der Laberbahn sind gut gewählt. Ein Neubau als 100-PB oder als klassische 2S-Bahn wie die Kreuzeckbahn in Garmisch-Partenkirchen hätte entweder ebenso wieder 2 Stützen an denselben Standorten oder aber man würde sich mit nur einer einzigen Stütze begnügen, die dort stünde, wo heute die Stütze 2 ist; diese Stütze müsste dann aber schon über 100 m hoch sein, wenn man die Stütze 1 eliminieren will.
Ich denke, dass bei einem Neubau eine klassische 100-PB am Laber mit nur einer einzigen Stütze und 800 pph gegenüber einer 2S-Bahn wohl die wirtschaftlichere Lösung wäre.
Ich tippe mal, dass mit dem ganzen Corona-Chaos ein Neubau frühestens 2030 kommen wird, d.h. den 85. Geburtstag wird die Bahn noch erleben. In Ischgl oder Zermatt wäre das völlig undenkbar, dass eine Anlage 85 Jahre läuft.