In deinem Skigebiets-Fazit über Sölden schreibst du, dass Sölden für Leute die wegen des Skifahrens dort hin kommen nicht zu empfehlen ist.
Wie kommst du zu diesem Fazit? Ich finde Sölden ist ein traumhaftes Skigebiet aufgrund der Schneesicherheit und der Größe des Skigebiets.
Das ist aber auch mein Fazit nach meinem Besuch gewesen, das ich auch jedem, der mich nach meinen Sölden Erfahrungen fragt, mitteile: Sölden kann mit seinem Gebiet meines Erachtens nicht bestechen, sondern muss (so mein Schluss) aufgrund seiner après Möglichkeiten (die mich in dieser Form nicht reizen) zu seinem Status gekommen sein.
Ich kam bei meinem Besuch 2001 aus folgenden Gründen zu diesem Ergebnis:
1. Das Verhältnis Menschen / Pisten hat nicht gepasst (außer Gletscher). Die Pisten waren oft zwewühlt, die schlechte Schneelage führte zu riesigen Kunstschneehaufen auf den Pisten, die Pistenqualität war teilweise nicht einmal mehr mit ausreichend zu bewerten.
2. Die Landschaft ist großartig und beindruckend, wenige Piste jedoch nutzen das Potential, das das Gelände bietet wie mir schien. Durchaus interessante Pisten finden sich am Gaislachkogel, jedoch sind dies vor allem die Pisten vom Gipfel. Hier reicht leider die Kapazität der Bahn nicht. Dafür - das muss man sagen - sind diese Pisten dann aber auch nicht überlaufen. Diese Abfahrten sind tatsächlich schön. Weniger gefallen hat mir der mittlere Teil des Gebiets, weil mir hier etwas Einfallsreichtum bei den Pistentrassierungen fehlte. Ich hatte etwas den Eindruck, die Lifte seien ein wenig "planlos" in die mittlere Etage des Gaislachkogels gebaut worden. Schön ist dann wieder die Waldabfahrt ins Tal.
Leider überhaupt nicht überzeugen konnte mich der gesamte Bereich Hochsölden - Gigijoch. Breite Autobahnen ohne jede Abwechslung - einzig die Piste hinab zum 6er Sessel ins Rettenbachtal (Übergang Gaislachkogel) bietet durchaus interessante Geländeformen, leider ist sie stest überlastet gewesen, so dass der Fahrspaß dadurch deutlich gemindert wurde.
Enttäuscht war ich auch vom Golden Gate: ein ewiges Liftgefahre ohne dass man eine einzige gescheite Abfahrt dazwischen hätte. Da ändert auch die an sich schöne Piste vom Schwarzkogel hinab nichts: wenn man schon eine Ewigkeit an den Gletscher braucht, bleibt leider selten die Zeit hier plötzlich einen Abstecher einzuschieben.
Auch das Gletscherschigebiet hat mich damals enttäuscht: veraltete langsame und kalte Lifte, die wenig Pisten erschließen auf dem Rettenbachferner - eine moderne EUB nur auf dem Tiefenbachferner. Dieser ist zwar nicht gerade steil, aber immerhin kann man mal die Bretter ein bisschen länger laufen lassen. Dafür zog sich die Anfahrt ewig.
Heute muss man sagen, dass - trotz der Umweltsünden, die man hierfür beging - das Gletscherschigebiet deutlich besser erschlossen ist. Eine EUB auch auf dem Rettenbachferner, eine KSB zurück vom Tiefenbachferner aufs Seiterjöchl - das macht sicher mehr Spaß als 2001. Dennoch bleibt die Auswahl an Gletscherpisten und ihr Trassé deutlich hinter dem der anderen Gletscherschigebiete zurück. Kein Hinterer Brunnenkogel, keine Fernaumauer. Anders als den anderen Gletscherschigebieten (mit Ausnahme des Kaunertals) mangelt es dem Söldener Schigebiet an Vernetzung: man fährt nicht mal hier mal da, wie am Stubaier oder Hintertuxer. Keine Rundfahrten oder ähnliches. Anders als Pitztaler wiederum fehlen am Söldener Gletscher auch die tollen Tiefschneerouten, wie ein SChweizer WEg oder eine Direttisima vom Brunnenkogel zur DSB Gletschersee. Auch kann man die Abfahrt von der Schwarzen Schneid zum Rettenbachparkplatz nicht mit der Piste vom Hinteren Brunnenkogel zum Pitzexpress vergleichen. Bietet letztere doch nur 200m HU mehr und liegt sonst in wirklich verlgeichbarem Gelände, so kommt hier doch irgenwie mehr Schwung auf als am Rettenbachferner, wo die Piste damals zumindest den Eisabbruch im unteren Teil in ewigen Serpentinen querte bzw. übers Rettenbachjochweitläufig, aber wenig spektakulär und eher flach umfuhr.
Fazit: mein Hauptproblem mit dem Söldener Schigebiet ist, dass ich immer das Gefühl hatte für viel Liftfahren wenig Piste zu bekommen. Ewigkeiten in den Aufsteiganlagen bringen entweder nur kurze Pisten oder aber wenig spektauläre Trassés, die man eher als Verbindung betrachten mag, denn als eigenständige Piste. Gerade wenn man es aus Frankreich gewohnt ist, dass selbst jede Verbindungspiste einer Schischaukel geschickt und abwechslungsreich ins Gelände trassiert ist, dann ist man in Sölden schnell gelangweilt.
Sind dann die Pisten auch noch sclecht präpariert und zerwühlt, da mag kein rechter Schispaß aufkommen. Auch neben der Piste bietet sich wirklich wenig an, meist ist es auch wegen der lokaltypischen Lawinengefahr nicht zu riskieren, die Pisten zu verlassen.
Darüber hinaus waren auch mir die ungewohnt vielen besoffenen und gefährlich fahrenden Schifahrer in Sölden ein Ärgernis. Schließlich konnte mich der Ort, der eng und dunkel im Tal liegt, mir wenig Ambiente bietet, und auch etwas den Charakter eines Straßendorfes hat, wenig überzeugen, zumal man sein Quatier schon sehr geschickt wählen muss, um irgendwie vernünftig hin- und zurückzukommen.
Ich möchte niemanden seinen Spaß verderben, nach Sölden zu fahren und weiß, dass es hier sehr viele Sölden-Fans gibt. Ich gebe nur meine Erfahrungen wieder, die mich bewogen haben, diesen Ort von meiner Liste zu streichen und auch in meinem Bekanntenkreis davon abzuraten - es sei denn es wird bei der Nachfrage ausdrücklich après Ski gewünscht.