(Vorab: Sehe ich das richtig, dass es bisher kein spezielles Thema zu Lawinenairbags gibt? Vielleicht sollte man die relevanten Beiträge hier in einen eigenen Threat auslagern? )
Ich habe mir jetzt ein ABS Vario System gekauft. Da ich mich vorher etwas in das Thema eingelesen habe, fasse ich hier die Kaufgründe mal zusammen. Am wichtigsten für die Entscheidung, überhaupt ein Airbag System anzuschaffen, war die neuere Versuchreihe des SLF, hier zu finden:
http://www.slf.ch/praevention/verhalten/notfallausruestung/ReportAirbagTests_v4_Meier_Harvey.pdf
Dann blieb noch die Entscheidung zwischen ABS und Snowpulse. Die anderen Systeme habe ich ausgeklammert, einen guten Überblick gibt es hier:
http://www.wildsnow.com/5014/avalanche-airbag-backpack-overview/
Die SLF Testreihe hat das "Kopf bleibt oben" Versprechen von Snowpulse, was durch den Kragen Airbag ermöglicht werden soll, nicht wirklich bestätigt. Bei ABS sollen dagegen die beiden seitlich angebrachten Airbags eine horizontale Lage des Lawinenopfers herbeiführen, so dass kein "Anker" Effekt Eintritt, d.h. der Verunglückte bei Stillstand der Lawine von nachfließendem Schnee überspült wird, anstatt weiter an der Oberfläche geschoben zu werden. Bei beiden Airbag Systemen gab es im Versuch aber keine signifikaten Unterschiede in Verschüttungstiefe oder Körperlage. Was dennoch für Snowpulse spricht, sind die geringeren Erschütterungen des Kopfes der Test Dummies. Das Kragen System hat da offenbar Vorteile: Die von hinten schiebende Lawine trifft auf den Airbag, nicht auf Nacken / Kopf des Skifahrers. Außerdem soll bei Snowpulse folgender Vorteil bestehen: Selbst bei einer Ganzverschüttung (Blockierung der Atemwege) soll die Form das Entstehen einer Atemhöhle begünstigen. Außerdem entweicht die Atemluft im Airbag wohl nach einiger Zeit, so dass dem Verschütteten mehr Platz und Luft zur Verfügung steht (siehe hier:
http://www.snowsafe.co.uk/abs-vs-snowpulse.php). Bei ABS sind die Airbags bekanntlich auf dem Rücken und enthalten Stickstoff, so dass dieser Vorteil entfällt. Aber da nun auch die neuen europäischen Patronen von Snowpulse mit Stickstoff gefüllt sind, gilt das Argument nur eingeschränkt.
Ich habe mich -bei einer knappen Entscheidung- trotzdem für ein ABS System entschieden, weil:
-für das System die meisten Erfahrungswerte vorliegen und die langjährigen Statistiken des SLF auch auf diesem System basieren, siehe z.B. hier:
http://www.slf.ch/praevention/lawinenunfaelle/unfallstatistik-de.pdf, Abschnitt 6;
http://www.slf.ch/praevention/verhalten/notfallausruestung/ad_2009_02_08.pdf. Dieses System funktioniert. Das andere höchstwahrscheinlich auch, möglicherweise sogar besser, aber es gibt noch nicht so viele Daten über tatsächliche Unfälle.
-das Gesamtvolumen der Airbags am größten ist (170l vs. 150 l bei Snowpulse). Ob der viel beworbene Umstand, dass es zwei Kissen sind, wirklich von Vorteil ist, kann ich nicht sagen. Wenn so ein Ding wirklich wegen mechanischer Einwirkung platzt, dann ist der mitgerissene Skifahrer doch wahrscheinlich auch schon längst geplatzt?
-regelmäßige Testauslösungen vorgesehen sind, insbesondere bei Kauf kann einmal ohne Aufpreis im Laden probegezündet werden, so dass man das System (auch das Falten des Airbags, Tausch der Patrone etc.) kennenlernt. Zieht man am Griff, blasen sich in ca. 3 Sekunden beide Airbags auf, das geht also recht zügig.
-die Verbreitung des Systems im deutschsprachigen Raum am höchsten ist (so meine Beobachtung). Ich habe einen Händler direkt um die Ecke.
-es bei Snowpulse laut einigen Berichten hier und da wohl Qualitätsmängel gab, siehe etwa hier, wo beide System umfangreich verglichen werden:
http://www.larsonweb.com/backcountryskigear/id1.html --> manche Systeme wurden z.Bb. mit defekten Manometern ausgestattet. Überhaupt ist das Kartuschen System etwas unübersichtlich. Es gab eine Rückrufaktion seitens Mammut (
http://www.snowpulse.com/de/recall/ ). Die bauen Snowpulse nun als RAS (Removable Airbag System) in ihre Rucksäcke ein. Der Mammut Airbag hat jedoch nicht die "Kragenform" des Snowpulse Systems und war deswegen weniger interessant für mich. Wenn ich Snowpulse gekauft hätte, dann das "Lifebag System", davon den Prorider 15 Rucksack -(
http://www.snowpulse.com/de/rubrique/produits/lifebag-system/prorider-15/). Zurück zu den Kartuschen: Derzeit gibt es eine im Tauch- oder Paintballladen selbstbefüllbare Variante für den US-Markt und die europäische Variante, die über den Fachhandel getauscht wird (wie ABS). Die erste Variante wird für den US-Markt als Vorteil beworben, da so die Kartuschen (leer) auch im US Flugverkehr transportiert werden dürfen.
-mir die pyrotechnische Zündung von ABS intuitiv überzeugender erscheint, als die per Bowdenzug.
-ich als Linkshänder den Auslösegriff bei ABS einfach ummontieren kann. Bei Snowpulse scheint mir das nicht möglich, da der Reisverschluss für den Auslösegriff nur auf einer Seite der Rucksackgurte ist.
-das Vario System von ABS verschieden große Packsäcke je nach Tagesbedarf ergmöglicht. Bei Snowpulse gibt es zwar auch den Mammut Abkömmling RAS, der variabel in verschiedene Rucksäcke eingebaut werden kann. Der hat wie gesagt aber nur eine Kissen, keine Kragenform.
-angeblich die beiden kleineren Airbags bei ABS nach Auslösung leichter zu packen sind, als bei Monosystemen (habe selbst bisher nur ABS gepackt, das geht recht zügig).
Es war wie gesagt eine knappe Entscheidung. Hätte ABS auch die Snowpulse Airbag Form im Angebot, hätte ich womöglich den gekauft, auch wenn ABS selbst den Mono-Airbag für altmodisch und überkommen hält, sie hatten den bis '96 auch selbst im Programm, siehe
http://abs-airbag.de/fileadmin/default/downloads/FAQ/Haeufig_gestellte_Fragen_Deutsch.pdf
Der Lawinenball war keine Option. Er verringert die Verschüttungstiefe nicht (siehe SLF Versuchsreihe). Zudem ist mir die Marketing Strategie dieser Firma unsympathisch.