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Schweiz/Les Diablerets: Nervenkitzel auf dem Gletscher
Mit einer Achterbahn auf 3000 Metern Höhe lockt das schweizerische Skigebiet Glacier 3000 abenteuerlustige Besucher auf den Berg.
Von FOCUS-Online-Redakteurin Corinna Schneide
„Das ist unglaublich“, schwärmt ein Rodler, der gerade mit knapp 40 Stundenkilometern den Gletscher hinuntergerast ist. Zwar kann jeder, der den Alpine Coaster besteigt, die Geschwindigkeit selbst kontrollieren, aber auch mit angezogener Handbremse verursacht die ein Kilometer lange Fahrt einen gewaltigen Adrenalinschub. Das liegt zum einen an den scharfen Kurven, Bodenwellen und dem 520-Grad-Kreisel und zum anderen an der Tatsache, dass sich die Bahn 3000 Meter über dem Meeresspiegel befindet – auf Augenhöhe mit Jungfrau, Mont Blanc und Matterhorn, den mächtigsten Viertausendern der Alpen.
Schwere Zeiten für den Bergtourismus
Jetzt startet „die höchste Rodelbahn der Welt“ auf dem Glacier 3000 im schweizerischen Les Diablerets, die vor wenigen Monaten den Betrieb aufnahm, in die erste Wintersaison. Optisch fügt sich das Stahlkonstrukt nicht gerade harmonisch in seine Umgebung ein, aber das stört die Betreiber kaum. Schließlich geht es in Zeiten des Klimawandels ums nackte Überleben: Händeringend suchen Bergbahngesellschaften nach Möglichkeiten, sich vom Skitourismus unabhängig zu machen, und auch in schneearmen Wintern Besucher auf den Berg zu locken.
Daran arbeitet die Glacier-3000-Region schon seit einigen Jahren. Trotz modernster Anlagen konnte sich der Gletscher mit seinen 24 Pistenkilometern nur schwer etablieren. Zu groß die Konkurrenz des benachbarten, sechsmal so großen Verbundgebiets, das sich von Les Diablerets bis nach Villars und Gryon erstreckt. Oft herrschte auf dem Gletscher gähnende Leere, während ringsherum die Pisten brummten. Daran konnte auch die 2001 eröffnete Bergstation inklusive Restaurant, mit deren Entwurf man Star-Architekt Mario Botta beauftragte, nicht viel ändern.
Vom Skigebiet zum Eventgletscher
Seit 2005 das Skigebiet von der eigens dafür gegründeten Glacier 3000 AG aufgekauft wurde, an der auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone beteiligt ist, weht ein anderer Wind auf dem Gletscher. „Wir wollen die Attraktivität des Glacier 3000 und die Gästefrequenz markant erhöhen“, erklärte der Marketing-Direktor Bernhard Tschannen bei seinem Amtsantritt 2006. Über 20 Millionen Schweizer Franken flossen seitdem in den Ausbau der Pisten, einen Snowpark, neue Beschneiungsanlagen etc. Dadurch gelang es den Machern auch Skirennen, Freestyle- und Snowboardwettbewerbe auf den Gletscher zu holen, die dem letzten Wintergeschäft eine Umsatzsteigerung von 70 Prozent bescherte. Im Sommer sorgten neue Wanderwege sowie kulinarische Events im Botta-Restaurant für mehr Zulauf.
Auf zu neuen Zielen
Der Alpine Coaster ist das Sahnehäubchen der neuen Marketingstrategie der Bergeigentümer: Mit knapp 16 000 Gästen in den ersten drei Monaten seiner Inbetriebnahme sprengte die Bahn alle Erwartungen. Tschannen und seine Arbeitgeber sind davon überzeugt, mit der Rodelbahn, die das ganze Jahr über in Betrieb ist, neue Kundschaft zu akquirieren: Beispielsweise Gruppenreisende aus dem nahen Osten und Asien, aber auch Firmen für Events aller Art. Voller Verve verspricht der Marketing-Experte: „Der Alpine Coaster ist erst der Anfang!“.
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INFOS
Preise: Eine Einzelfahrt auf den Gletscher kostet 38 Schweizer Franken, die Fahrt mit dem Alpine Coaster 6 Schweizer Franken.
Internet: www.glacier3000.ch
Anreise: Das Gletscherskigebiet Glacier 3000 liegt im Südwesten der Schweiz, zwischen dem deutschen und dem französischen Landesteil. Die Region ist per Bahn oder Auto von der Thunerseeregion (Spiez), dem Genferseeraum (Aigle) und dem Greyerzerland (Bulle) erreichbar.