Ich hab mir die Klamm heute mal angeschaut - bei diesem unbeständigen Wetter hatte ich nicht so recht Lust auf andere Outdooraktiviäten. Für einen Bericht hab ich zwar nicht genug Zeit (und auch nicht genug zu erzählen und zu zeigen), trotzdem aber an dieser Stelle ein paar Eindrücke:
Die Rundtour durch die Klamm von Leutascher Seite aus dauert je nach Gehtempo und Fotopausen ca. 1-1 1/2 Stunden. Die Wegabschnitte außerhalb der Klamm (Karte findet sich unter der Linkadresse am Beginn dieses Themas) führen gemütlich und unspektakulär durch den Wald, in der Klamm verläuft die Steiganlage immer hoch über der Leutascher Ache, die auf zwei hohen Stegen überquert wird.
Eine der beiden Brücken über die Klamm
Die Klamm selbst ist relativ dicht bewachsen und wirkt daher weniger schroff als andere ausgebaute Klammen. Der Fluß tost allerdings ganz gewaltig durch den engen Felsspalt, mit vielen Schlitzen, Bobbahnen und kleineren Wasserfällen.
In der Tiefe brodelt die hochwasserbraune Leutascher Ache
An der ganzen Route gibt es viele Schautafeln und Möglichkeiten für Kinder und verspielte Erwachsene selbst etwas zu tun, leider war die Hälfte dieser Stationen aber schon kaputt und teils wenig durchdacht angelegt. Alles dreht sich um das Thema Klammgeister, über die Gestaltung der Schautafeln etc. lässt sich streiten, die Texte sind aber sehr kitschig und geschwollen formuliert. Für mich über der Schmerzgrenze ist ein beleuchteter blinkender Klammgeist in einer Felsspalte. Ach ja, Werbeplakate der Bauunternehmen hängen auch noch in der Klamm, soviel zum Thema Naturerlebnis.
Eine der Stationen am Zugang zur Klamm
Der Eintritt ist übrigens frei (gilt nicht für den alten, kurzen Klammsteig von Mittenwald bis zum Wasserfall (23 m hoch)), dafür kostet der Parkplatz am oberen Klammeingang 5 Euro pro Tag (kürzere Parkdauer nicht möglich). Trotz mäßiger Witterung war die Klamm hervorragend besucht, insbesondere waren sehr viele italienische Gäste dar (wäre interessant zu wissen, wie die auf dieses Ziel kommen). Zielgruppe sind sicherlich vor allem Familien, auch wenn meiner Meinung nach das Konzept (Schautafeln etc.) nicht ganz stimmig ist.
Am Klammsteig im oberen Teil, wo der Abstand zum Fluß etwas geringer ist (und sich dieser kitschige Klammgeist befindet)
Zusammengefasst:

eindrucksvolle Steiganlage

Einblicke in eine typische Kalkalpenklamm mit zumindest bei Hochwasser sehr eindrucksvollem Wildwasser

Kitschgrenze teilweise überschritten

Stil, Inhalt und Aufmachung der Schautafeln gefallen mir nicht

Mitmachstationen größtenteils schon defekt

es gibt optisch spektakulärere Klammen, wenig Klammgefühl (Steig hoch über dem Fluß)
Fazit: Bei dem Wetter wars mal in Ordnung. Nochmal muss nicht sein, vielleicht höchstens mal im Herbst, wenn die Ache glasklar und leuchtend türkis ist und das Laub schön leuchtet.
Mir persönlich zu kitschig. Mein Alterntativtipp: Die Kuhflucht-Wasserfälle in Farchant bei Garmisch. Ruhig, sehr eindrucksvoll und deutlich bodenständiger. Einfache Tafeln zu Naturthemen, kurze prägnante Texte, Mitmachmöglichkeiten (Barfußweg, Tierweitsprung, Frage-Antwort-Tafeln), etwas Humor, schlichte optische Aufmachung. So etwas gefällt mir und ist für naturentwöhnte Stadtkinder sicher nicht schlechter. Touristischer Profit lässt sich damit aber wohl kaum erzielen.