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Lilienfeld (Muckenkogel), Ö, 6. 2. 2005

Vor fast genau 100 Jahren (genau am 19. März 1905) organisierte der mährisch-österr. Skipionier Mathias Zdarsky den ersten alpinen Torlauf und schrieb damit Skigeschichte. Ausgesteckt wurde der Slalom (die Stangen nannte er "Fahrmale" am Muckenkogel, 1248m in den NÖ. Voralpen bei Lilienfeld (380m).

In den 60er Jahren wurden diese Hänge am Muckenkogel dann mit einer ESL und mit 3 SL technisch erschlossen. Die 3 SL sind heute alle LSAP, der ESL ist noch im Betrieb (im Winter nur an SA,SO und in den Ferien).

Angesichts der letzten Starkschneefälle, die ja ihren Schwerpunkt im ostösterreichischen Alpenraum hatten, wollten wir uns diese Hänge mal ansehen. Hier nun der Bericht:

Anreise:

mit IC nach St. Pölten, dann Schienenbus nach Traisen (Umsteigen), von dort weiter mit Schienenbus nach Lilienfeld, ab Wien: 8h34, an Lilienfeld: 10:08. Mit Taxi (ca. 2.5km) zur Talstation des ESL (480m).

Das Wetter:

kalt (morgens -10 Grad, Nachmittags -4 Grad an der Talstation), wolkenlos mit ausgezeichneter Fernsicht, ganz oben leicht windig)

Die Schneelage:

laut offiziellen Angaben (sind vielleicht etwas untertrieben):
40cm Ort, 50 cm Talstation, 120 cm Bergstation. Insgesamt traumhaft verschneite Winterlandschaft (Bäume mit schönen "Schneehauben", Hütten bis zu den Dächern eingeschneit etc.)

Die Aufstiegshilfe:

Der ESL ist ziemlich genau 2000m lang und geht bis auf 1122 m. Die Trasse ist nicht unspannend, zunächst geht es sehr steil durch ein felsiges Tobel über einen vereisten Wasserfall hinweg (diese Strecke ist - ähnlich wie der Reintallift in Kitzbühel - mit einem Stahlnetz gesichert). Auf ca. 720m gibts eine Mittelstation (nur Zustiegsmöglichkeit, gedacht für Wiederholungsfahrten).

Die Piste(n):

Präpariert wird im wesentlichen eine Standardpiste (mit Variante zu einer Skihütte namens Klosteralpe). Oben gehts sehr flach auf Alm/Wiesengelände los und wird dann etwas "steiler" bis zur Lilienfelderhütte. Von dort gehts "rot" einen sehr schönen Steilhang runter (zur Hälfte präpariert, zur Hälte unpräpariert, dh stark verspurt) und dann entweder flach rechts zur Mittelstation (Zustiegsstelle) oder einen Ziehweg runter zur Talstation. Die Talabfahrt geht entweder gänzlich auf den präparierten (breiten) Ziehweg oder alternativ auf einer sehr schönen, ziemlich steilen (unpräpariert, ausgefahren als Mugelpiste, in echten Skigebieten wahrscheinlich schwarze Kennzeichnung) Waldschneise als Abkürzung einer weiten Kehre des Weges.

Daneben gibts noch zusätzliche Varianten oben: einen (stark verspurten) Steilhang fast direkt von der Bergstation zur Mittelstation sowie einige präparierte Ziehwege.

Insgesamt werden 10km Pisten angegeben (5km blau, 4km rot, 1 km schwarz)

Die Hütten:

Direkt an den Pisten/Abfahrten gibts zwei Skihütten (Alpenvereinshütten), beide sehr urig und keine Gemeinsamkeiten zu den üblicherweise in Tirol/Salzburg/Vorarlberg als solche bezeichnete. Preisbeispiele (die scheinen Höhenrabatt zu geben): alkoholfreies Bier 2,70 EUR, Fritattensuppe 2,30 EUR, Schweinsbraten 7,80 EUR (bei den cent-angaben kann ich mich auch leicht irren).

Daneben gibts noch die Traisner Hütte auf der Hinteralm, 1311m, ca. 40-45 min Aufstieg von der Bergstation des ESL.

Andrang/Wartezeiten:

keine Wartezeiten, der Grossteil der Sessel lief leer. Dabei war durchaus Besucherandrang. Allerdings nutzte wohl nur die Hälfte der Leute (hm, Schätzung sehr schwierig, ca. 200, evtl. auch 300 werdens in Summe gewesen sein) den Lift. Viele gehen mit Tourenski oder zu Fuss hoch. Drängelei auf den Pisten/Hängen gabs keine.

Fazit:

Insgesamt ist das ganze auch ein "Komplett-Winterausflugs"-Gebiet. Dh man sieht so ziemlich alles: Skifahrer, Tourengeher, Fussgänger, Rodler, diese neuen Rodeldinger (keine Ahnung wie das Zeugs heisst), Hunde etc. Alles sehr retro eben. Wäre die Kleidung (und natürlich das Ski- und Bindungsmaterial) nicht verräterisch könnte man sich wohl in den 60er Jahren fühlen. Old school skiing fast mit Museums-touch (Danke Jul für den Tip !, ich hatte an sich vermutet das Ding wär stillgelegt).

Anbei ein paar Fotos, leider ist gleich anfangs die Batterie der Digi-cam leer geworden :cry: )


Panorama vom Muckenkogel (den SL oben gibts nicht mehr)

lilienfeld_panorama.gif


An der Talstation

lilienfeld_esl.jpg


Immerhin gibts ein modernes Zutrittsystem :lol:

lilienfeld_esl_zutr.jpg


In der Nähe der Bergstation, wär der Tourengeher nicht reingelatscht würd man den Ötscher, beherrschender Berg der NÖ Voralpen, gut sehen. Und dann wollte die Batterie nimma.


lilienfeld_muckenkogel.jpg
 
Ich wundere mich ja jedes Jahr, daß die in Lilienfeld noch eine Betriebsgenehmigung bekommen. Wenn ich mich zurückerinnere, war es DAS nächstgelegene "richtige" Skigebiet in meiner Jugend. Auf dem nicht mehr existenten Schlepper (parallel zur oberen Sesselliftsektion) hab ich mit 6 Jahren Blut geschwitzt, um nicht rauszufallen, und hinten der Kesselbodenlift war auch ganz nett. Hab sicher noch irgendwo ein Prospekt davon...
Bezüglich der Batterien: ja ja, das ist der Fluch der Technik, wenn Du eine Kamera von damals genommen hättest, wär das nicht passiert. :lol: Dafür wären die Bilder erst übernächste Woche ins Forum gekommen.
 
Die SLs oben fehlen schon irgendwie, v.a. bei der Kälte (und der ESL liegt ja praktisch zur Gänze im Schatten) zieh ich SLs immer dem "Eiskastensitzen" vor. Wobei der steile SL sicher nicht besonders kinder- bzw. anfängerfreundlich war.

Laut noe-lifts wurde der ESL 1992 erneuert, von daher sollten die noch für einige Zeit keine Probleme mit der Bewilligung kriegen.

Zum Fotoapparat: Meine alte Voigtländer (ich glaub Baujahr 1959 und liefert noch immer einwandfreie Fotos) hat mir nach dem Missgeschick mit den Batterien in der Tat sehr gefehlt.

Oben haben mich übrigens die nahen Hänge vom Türnitzer Eibl-Gebiet sehr angelacht. Mal sehen ob das unser nächstes NÖ "old school skiing - Ziel" werden wird.
 
Der Eibellift kann auch ein Tiefkühltransporter sein, vor einigen Jahren waren wir um den Jahreswechsel bei Sonne (was sich um diese Zeit bei der Nordlage des Lifts relativiert) und arktischen Temperaturen dort, sind ohnehin erst um 11:30 hingekommen, haben dann eine Halbtageskarte gekauft, nach der Auffahrt gabs noch eine Abfahrt zum oberen Schlepplift, dann haben meine Damen w.o.gegeben und wurde in der Hütte abgesetzt, ich bin dann noch einmal ganz runter und mit dem Lift rauf, war dann aber auch so durchfroren, daß wir um 1 Schluß gemacht und die Karten unten am Parkplatz weitergegeben haben. Der untere der beiden langen Schlepplifte fährt leider auch nicht mehr.
Dafür müßte das Sterngassl bis ganz runter gut befahrbar sein. :D
 
Am Muckenkogel gabs insgesamt 4 Schlepplifte lt meinen Informationen. Schade das du nicht mehr Bilder machen konntest :cry:
 
Die Zahl von 3 SL hab ich abgezählt aus der alten CD-Version von austriamap. Kann sein, dass ich mich verzählt habe oder, dass in der Kartenversion schon ein alter SL fehlt.

Das mit den Fotos hat mich auch arg geärgert. V.a. diese Stahlnetzkonstruktion, wo der ESL durch das felsige Tobel mit den vereisten Wasserfällen führt sieht sehr interessant aus.

Der ESL hat übrigens zwei getrennte Austiegsstellen an der Bergstation. Jene für Skifahrer ist etwa 30-40 m vor jener für die (durchaus zahlreichen) Fussgänger/Rodler etc.

Ein Besuch lohnt sich (bei entsprechender Schneelage) auf alle Fälle. Zumal man (wenn man mit eigenem Auto dort ist) ja recht schnell weiter nach Türnitz wechseln kann. Der Preis für die Tageskarte am ESL ist übrigens 15,-- EUR.
 
Von der Eisen-Konsturktion hab ich Bilder, kann sie wenn du willst hochladen
 
Es waren vier Schlepplifte, wie man unten sehen kann.
Gab in den 70-ern mehrere Sessellifte mit 2 Ausstiegsstellen, zuerst eine Rampe für die Skifahrer, dann, meist im Gebäude der Bergstation, der Ausstiegsplatz für die Fußgänger.
 

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Zum Lift am Kesselboden gibts noch ein cooles Schild, das werd ich mir irgendwann einmal holen, wie das geht haben wir ja schon in Hochgurgl ausprobiert :D
 
Hier das Bild von der Metallkonstruktion, die den Bodenabstand verringert:
 

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@jul, danke für das Foto (sieht im Winter allerdings "alpiner" aus). Das mit der Talabfahrt ist ja nun auch geklärt. Der Ziehweg hat übrigens immer genug Gefälle, so dass man nie anschieben muss. Und die eine Schneise, die eine Kehre abkürzt ist immerhin paar hundert Meter lang und schön steil.
Wegen der fehlenden Beschneiung bei gleichzeitig niedriger Höhenlage ist natürlich kein durchgehender Skibetrieb garantiert. Allerdings sind die Hänge nordseitig und vor allem im unteren Berich extrem schattig. Gerade wenn es - so wie heuer - mal eine ordentlich dicke Schneedecke hat, sollte sich der Schnee also doch einige Zeit halten.
 
MMn hätte das Skigebiet genug Potenizial. Mit neueren Lift würde das auch sicher gut funktionieren. Was meinst du?
 
@ Gletscherfloh

Dass die Batterien von Kameras immer dann den Geist aufgeben, wenn man sie braucht, ist anscheinend ein bisher unerforschtes Naturgesetz :lol:
Mir ist das vor Jahren mit einer normalen Spiegelrefelex am Kals-Matreier Törl bei eisiger Kälte und bester Sicht passiert. Seither habe ich immer Reservebatterien mit. Vor allem bei der Digitalkamera. Gerade in der Kälte verlieren auch moderne Akkus viel an Kapazität.

MfG
Soundy
 
Hm, schwierige Frage. Vom Gelände her sicher. Der Höhenunterschied ist ja nicht zu verachten und die Länge der Abfahrt von Berg- zur Talstation ist mit ca. 4km ebenfalls für NÖ Verhältnisse beträchtlich.
Trotzdem glaube ich, dass sich ein Ausbau heute nicht mehr lohnen würde. Zum einen gibts im Traisental mit Annaberg ohnehin ein (überregional, dh. bis Wien, nördl. NÖ etc.) attraktives Gebiet und mit Türnitz ein kleines Ergänzungsgebiet. Zum anderen ist die Schneesicherheit halt doch nicht wirklich gegeben (z.B. musste das für Jänner geplante Skitourenrennen auf Februar verschoben werden).

Ich hoffe allerdings, dass der ESL auch in Zukunft in Betrieb bleiben wird. So bleibt der Muckenkogel immerhin ein "special interest"-Gebiet und ein lohnendes Ausflugsziel mit garantiert keinem übermässigen Andrang. Die SL sind für den Kurzausflug an sich gar nicht notwendig, da genügt der ESL allemal (ok, der SL, der den Osthang am Muckenkogel bedient hat, wär schon ne Bereicherung).
 
Den größten Fehler hat man einfach 1992 begangen, als man einen neuen ESL gebaut hat. (Ja, ganz neu, im Sommer kann man die Fundamente der alten Stützen erkennen!). Hätte man damals den Mut gehabt und ordentlich investiert (gscheiter Lift + Beschneiung) würde es viel besser gehen.
 
Man hat 1992 einen NEUEN ESL gebaut? 8O 8O
Der Lift dort ist also nicht der Lift aus meiner Kindheit? 8O

Der seinerzeitige Vorteil von Lilienfeld, das erste "richtige" Skigebiet im Voralpenland zu sein, hat sich durch die gebesserte Mobilität und Bereitschaft zu weit längeren Autofahrten relativiert, und so viele "hard-core-Öffi-Benutzer wie Gletscherfloh gibts halt nicht mehr.
Bezüglich der Schneesicherheit bin ich immer wieder erstaunt, wenn rundum alles noch oder schon grün ist, sind die nordseitigen Abfahrtsschneisen am Muckenkogel immer noch weiß, aber insgesamt ist es halt doch sehr niedrig und daher auch wegen der Temperaturen für Schneekanonen nur bedingt geeignet (haben ja in Türnitz das gleiche Problem).
Außerdem ist es bei den oft wochenlang bestehenden Hochnebeldecken in Ostösterreich massiv befreiend, die Sonne wieder zu sehen, und dafür ist es meist notwendig, bis Annaberg zu fahren, in Lilienfeld steckt man da oft noch mitten im Nebel (gut, oben kommt man manchmal raus, aber nicht sehr weit).
 
Hier muss ich gerrit ganz massiv zustimmen. Eine Schneianlage ist in diesen Höhen bei weitem nicht das Non-Plus-Ultra, das zeigt gerade das Beispiel Türnitz ganz deutlich. Man stelle sich vor, die haben dort zwar Schneekanonen - die haben ihnen in der laufenden Saison bis dato aber nicht einen einzigen Betriebstag mehr gebracht (und das jetzt bitte einmal auf der Zunge zergehen lassen!). Es war den ganzen Dezember und den Großteil vom Jänner schlicht zu warm und als die Kälte kam, kam der Schnee gleich mit. Nächstes Problem: Diese Kleingebiete haben nicht das nötige Kleingeld, um sich á la Semmering mit Kanonen einzudecken. Folge in Türnitz: Es kann meines Wissens gerade einmal die Lifttrasse beschneit werden, das macht aber nur ungefähr ein Viertel des Schigebiets aus => sind zwar immer noch etwas über 3 km, aber attraktiv ist anders (speziell wenn 10 Autominuten weiter Annaberg lockt). Damit sich das halt jetzt noch irgendwie rechnet, muss der Tageskartenpreis entsprechend angesetzt werden => Türnitz hat in meinen Augen das schlechteste Preis/Leistungsverhältnis in den Voralpen, denn 23 EUR für einen knapp 35 Jahre alten Doppelsessel und zwei im oberen Teil parallel fahrende Schlepper sind ziemlich happig.
Langer Rede kurzer Sinn, es ist zwar oft leicht nach Modernisierung, neuen Liften und Beschneiung zu rufen, gerade für solche Minigebiete kann so eine Investition auch gehörigst nach hinten los gehen. Insofern verstehe ich durchaus, dass Lilienfeld sich eben statt bedingungsloser Modernisierung auf eine vorsichtigere Strategie einlässt - Türnitz hat es anders gemacht und wirds als Folge davon die nächsten Jahre sicher noch schwer haben, denn der Doppelsessel gehört bereits dringenst erneuert - sonst wirds düster... (im Übrigen ist auch hier zu erkennen, dass sich das Gebiet für einen starken Sommertourismus wappnet, Stichwort Eibl-Jet und Roller-Bahn)
Kleiner Nachsatz: Schade ist bei beiden Gebieten, dass die Schlepper in den oberen Teilen der Gebiete so ersatzlos gestrichen wurden. Lilienfeld kenne ich noch nicht, vom Panorama her kann ich mir allerdings vorstellen, dass der eine oder andere eine schöne Ergänzung wäre. In Türnitz wäre der Sonnenlift eine echte Bereicherung, würde er noch stehen - erschloss er doch zwei wirklich schöne Wiederholungshänge.
 
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