HANDELSBLATT, Freitag, 19. Mai 2006, 19:00 Uhr
Porsche und Audi investieren
Balsam für den Autostandort Deutschland
Porsche und Audi werden neue Modelle in Deutschland bauen und investieren dafür mehrere hundert Millionen Euro. Der Sportwagenhersteller und die VW-Tochter stärken damit auch den Autostandort Deutschland.
HB LEIPZIG/MÜNCHEN. Allein in Leipzig und Umgebung sollen 1200 neue Arbeitsplätze durch die Produktion des viertürigen Porsche-Sportcoupes "Panamera" entstehen, wie das Stuttgarter Unternehmen am Freitag bekannt gab. Insgesamt schaffe und sichere Porsche damit rund 2000 Jobs bundesweit. Vorstandschef Wendelin Wiedeking sagte in Leipzig, Porsche werde 120 Mill. Euro in den Ausbau des dortigen Werkes investieren. Der Panamera soll im Jahr 2009 erstmals vom Band laufen. Audi kündigte an, seinen neuen Geländewagen Q5 im Stammwerk Ingolstadt zu fertigen. Die Investitionen von rund 300 Mill. Euro sicherten 1700 Arbeitsplätze.
"Luxus und Subventionen passen nicht zusammen"
"Mit dem Bekenntnis zum Standort Deutschland steigern wir die Wertigkeit unserer Sportwagen - und entsprechen zudem den Erwartungen unserer Kunden", sagte Wiedeking. Der Herstellung der Rohkarosserie sei an das VW-Werk Hannover vergeben worden und sichere dort 500 Stellen. In den Porsche-Werken Stuttgart-Zuffenhausen und Weissach sollen durch das neue Modell weitere 400 Jobs entstehen. Wiedeking betonte, sein Unternehmen habe keine staatliche Subventionen in Anspruch genommen. "Luxus und Stütze - das passt nicht zusammen", sagte er. Der Panamera soll anfangs mit einer Jahresproduktion von mindestens 20 000 Fahrzeugen auf den Markt gebracht werden. Vor allem in Russland sieht Wiedeking eine besonders große Nachfrage.
"Entscheidung zeigt, was im Standort an Potenzial steckt"
Auch Audi-Chef Martin Winterkorn bekannte sich ausdrücklich zum Heimatmarkt. "Die Entscheidung zeigt, was im Standort Deutschland an Potenzial steckt", hieß es in einer Mitteilung von Audi. IG-Metall-Vize Berthold Huber, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Audi-Aufsichtsrats, sagte: "Diese Entscheidung ist der Beweis, dass man eben doch in Ingolstadt und damit in Deutschland hochwertige und marktfähige Autos herstellen kann, trotz des allgemeinen Gejammers über zu hohe Arbeitskosten." Der Q5 - neben dem größeren Q7 das zweite Modell sportlicher Geländewagen (SUV) in der Palette von Audi - soll ab 2008 im Stammwerk vom Band laufen. Bereits vor wenigen Monaten hatte sich die VW-Tochter dazu entschieden, den Sportwagen R8 im Werk in Neckarsulm zu bauen.
VW-Werk in Hannover profitiert auch
Porsche fertigt in Leipzig mit bisher 400 Beschäftigten bereits den zusammen mit VW entwickelten Sport-Geländewagen Cayenne. Mit dem Panamera wird die Belegschaft auf 1000 Beschäftigte aufgestockt. Der Haustarifvertrag für die Mitarbeiter sei um fünf Jahre mit noch flexibleren Arbeitszeitmodellen verlängert worden. Bei Zulieferern sollen weitere 600 Arbeitsplätze entstehen.
Auch für das VW-Werk im niedersächsischen Hannover ist die Porsche-Entscheidung von großer Bedeutung. VW baut dort den Transporter LT, dessen Produktion im Sommer ausläuft. "Es gab bei der Auswahl keinen VW-Bonus und keine Zugeständnisse bei den Kosten", sagte Porsche-Vorstandsmitglied Michael Macht. Porsche ist mit 21 Prozent größter Aktionär von Volkswagen. Wiedeking sprach deshalb auch von einem Bekenntnis zu VW. Das Werk Hannover sei international voll wettbewerbsfähig.
Die VW-Führung klagt hingegen seit längerem über zu hohe Personalkosten und eine geringe Auslastung ihrer westdeutschen VW-Werke. VW-Markenchef Wolfgang Bernhard drängt daher auf deutliche Sanierungsschritte. Der Konzern will seine Montage- und Komponentenwerke in Deutschland neu strukturieren und stellt dabei bis zu 20 000 Arbeitsplätze in Frage.
Quelle:
www.handelsblatt.de