Tiroler Tageszeitung:
Maroder Lift in Obsteig sorgt für böses Blut
Der Grünberglift in Obsteig ist vor wenigen Tagen geschlossen worden. Die Art und Weise der Schließung stößt die Touristiker vor den Kopf.
Gerald Schaber, Bürgermeister und Grünberglift-Geschäftsführer in Personalunion, hat vor wenigen Tagen den Sommerbetrieb des maroden Obsteiger Liftes eingestellt.
"Die wirtschaftliche Situation ist unbefriedigend. Die weiteren Kosten des Grünbergliftes sind nicht gedeckt, sodass ich als Geschäftsführer gezwungen bin, den Betrieb einzustellen", erklärt Schaber.
Wenig Freude mit dieser Entscheidung haben TVB-Geschäftsführer Hubert Trenkwalder und Obmann Hermann Föger. Sie kritisieren vor allem die dünne Kommunikation und die überfallsartige Vorgangsweise des Obsteiger Dorfchefs und Geschäftsführers.
Föger meint: "Schaber hat die Schließung des Liftes telefonisch in unserem Büro gemeldet und es nicht einmal der Mühe wert befunden, sich mit uns abzusprechen. Diese Vorgangsweise grenzt an Erpressung und wird von uns sicher nicht widerspruchslos hingenommen."
Auch TVB-Geschäftsführer Trenkwalder kann sich für diese Art des Managements nicht erwärmen: "Hier wird auf dem Rücken der Touristiker ein Aktionismus betrieben, den ich nicht gutheißen kann. Natürlich sind wir mit dem Budget am Limit, einfach kommentarlos zu schließen, ist jedoch sicher keine Lösung."
Mit einer solchen rechnet Schaber aber in den nächsten Wochen: "Ich werde am kommenden Donnerstag eine Gemeinderatssitzung einberufen und auch mit dem Tourismusverband an einer Willensbildung arbeiten. Ich denke, dass eine Lösung möglich ist."
Der Grünberglift dürfte aber wohl weiterhin für gegensätzliche Standpunkte bzw. verhärtete Fronten sorgen.
Bei der TVB-Aufsichtsratssitzung am 28. Juni präsentierte der Lift-Geschäftsführer eine Zwischenbilanz, die Obmann Föger zur Prüfung an die Tourismusabteilung des Landes weiterleitete.
Auch eine Rechnung von 59.000 Euro, Abgang und Betriebskosten am Grünberg sollen damit beglichen werden, wollen die Touristiker prüfen lassen.
Föger sieht derzeit nur einen Ausweg aus der Misere: "Wir brauchen Hilfe, um einen weiteren Betrieb zu sichern. Auch die Förderzusagen des Landes sind bisher nur zu einem Drittel geflossen. Bei einem voraussichtlichen Abgang von 70.000 bis 100.000 Euro ist natürlich Handlungsbedarf gegeben. Außerdem stehen weitere große Investitionen vor der Tür."
Der hoffnungslos veraltete Sessellift wird nur mehr wenige Jahre eine Betriebsbewilligung bekommen, was ein Investitionsvolumen von mehr als drei Millionen Euro für einen Neubau erfordern würde. Schon im vergangenen Jahr wurden 160.000 Euro in dringend notwendige Erneuerungen investiert.
Trenkwalder will sich nun um eine vernünftige Lösung bemühen, die für alle Beteiligten tragbar ist: "Sollte der derzeitige Betrieb in dieser Form nicht weitergeführt werden, dann müssen wir wohl auf eine kleine Variante setzen, um damit zumindest ein minimales Winterangebot für unsere Gäste und Kinder erhalten zu können."
Clemes Perktold
15.07.2005 19:22