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Mittenwald | 06.01.2012 | Einarmiges Comeback

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Pünktlich zu Weihnachten wurde ich durch eine Sehnenentzündung im Handgelenk außer Gefecht gesetzt und musste zuhause ausharren. Das war bitter, denn ich hatte mir die Tage nach dem Fest extra frei genommen, um einige interessante Gebiete aufzusuchen. Wenn auch keine Traumbedingungen herrschten und vor allem zum Jahreswechsel hin das Wetter schlechter wurde, brannte es mir dennoch unter den Nägeln, endlich wieder auf die Piste zu gelangen. Doch ich hatte etwas Glück im Unglück. Die Hand heilte und ich konnte bereits zwei Wochen später wieder mit Schier und Stock bewaffnet in Richtung Berge aufbrechen.

Allerdings gab mir die Ärtzin noch den dringenden Rat, das Gelenk nicht zu belasten. So nahm ich mir nur einen Stock für die gesunde Hand mit, während ich mir für die angeschlagene eine Schiene besorgte und sie bestmöglich still hielt. So versuchte ich dann, gewissermaßen als „einarmiger Bandit“ (O-Ton Münchner), die frisch eingeschneiten Pisten hinunterzufahren. (Bzw. dem rastlosen, niemals pausierenden Münchner nachzukommen.)

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Um zu diesem Schnappschuss am Einstieg des Nutten...äh Luttenseelifts zu gelangen, musste ich erst einmal eine Ochsentour bewältigen. Zwar war auf der A95 dank dem Mistwetter angenehm wenig los, doch ab Garmisch herrschten auf der B2 dann überaus winterliche Bedingungen. So zog sich die Fahrt bis Mittenwald endlos hin. Im Radio meldeten sie dann auch noch eine Strassensperre zwischenbesagter Ortschaft und dem Grenzübergang bei Scharnitz, doch es stellte sich heraus, dass die B 2 noch genau bis zu jener Ausfahrt offen war, die ich auf den Weg zum Kranzberg nehmen musste.
Das war noch der leichtere Teil. Vor Mittenwald musste man, um zur Talstation des Luttenseelifts zu gelangen, ein bisserl den Berg hinauf fahren. Keine schlimmen Steigungen, Passstrassen oder Kehren á la Stilfser Joch, aber genug, um den Verkehr zusammenbrechen zu lassen. Münchner, der schon eingetroffen war, hatte mir am Handy noch berichtet, dass wg. eines Kinderschirennens die Hölle los sei und dieser Zustand ging nun merklich auf die Anfahrtswege zum Schigebiet über.

Ich dachte noch, eine gute Wahl getroffen zu haben mit diesem kleinen Nostalschiareal, das ich bisher noch nie aufgesucht hatte. Es liegt nicht zu tief (Regen...) und auch nicht zu hoch (Nebel, Wolken, Wind) und schien ideal für das Wintereinbruchswetter an jenem Dreikönigstag zu sein. Doch es war eben auch noch Ferienzeit und so ergab es sich, dass sehr viele Leute dort der Witterung trotzten.

Nun – vor der letzten Kurve unterhalb der Talstation herrschte plötzlich Stillstand und es ging nicht mehr weiter. Wie sich herausstellte, kamen einige Urlauber die Steigung nicht mehr hinauf und blieben liegen. Auch ich hatte Mühe, meinen Renault zum Rollen zu bringen, als nach 10 Minuten endlich Bewegung in die Karawane kam. Kaum dass mir das gelang, legte der Herr vor mir eine Vollbremsung ein, um einen vorausgeeilten Mitfahrer wieder aufzunehmen. So musste ich bremsen, stehen bleiben und erneut 100 mal versuchen, auf der zugeschneiten Strecke ins Rollen zu kommen. Im Waldstück mit der grössten Steigung standen dann einige PKW wie gestrandete Wale am rechten Straßenrand, während die Kinder der Fahrer am linken Straßenrand spielten und wir Noch-Nicht-Liegengebliebenen versuchten, irgendwie da durch zu kommen. Ich schaffe es und ergatterte als Trost für das ganze bestandene „Ich-werde-jetzt-NICHT-Amok-laufen!“-Training noch einen der letzten Parkplätze am Wegesrand. Es konnte nach quälenden zwei Wochen Verletzungspause ENDLICH losgehen...

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Hier bin ich schon an der Talstation des altehrwürdigen Korbinianlifts angekommen. Münchner wartete irgendwo oben am Wildenseelift auf mich. Eben erst hatte ich die nächste Geduldsprobe an jenem Schneetag durchleben müssen. Am Luttenseelift standen sehr viele Leute an und ca. alle 20 Sekunden schmiss es jemanden aus dem Lift, so dass der wieder abgestellt werden musste. Beim 10. Halt oder so, erlaubte ich mir ein „Mein Gott!“ laut zu denken. Ein dicker, rotgesichtiger Mann vor mir drehte sich wie auf Kommando und und bellte mich an, wir Bayern würden wohl schon mit dem Schi in der Hand auf die Welt kommen. Doch glücklicherweise fiel er nicht über mich her und malträtierte mir am besten noch den gerade erst halbwegs geheilten linken Arm...(Ich hätte ihm einen Spiegel vorhalten sollen, dann wäre er vor Schreck davon gelaufen...)

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Der Luttenseelift hatte mir nicht so zugesagt, aber der Korbinianlift hier gefiel mir gleich total. Geht steil durch den Wald hoch und außerdem war hier verglichen mit den anderen Schleppern immer am Wenigsten los.

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Kurze Brückenpassage...

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Haha... (würde Nelson sagen ;) )

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Oben steigt man gleich auf den benachbarten Sonnenlift um.

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Bergstation des Korbinianlifts...

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Der kurze Sonnenlift verläuft nett durch den Winterwald.

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Oben im Hauptgebiet gibt es hier den Wildenseelift und weiter rechts den steilen Gipfellift.

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An der Talstation traf ich auf Münchner und wir fuhren gleich hoch. Den hatte es trotz schlechten Wetters und bereits 20 absolvierten Saisontagen nicht Zuhause gehalten.

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Die Hauptabfahrt war am Vormittag wegen eines Schratzen...äh Kinderschirennens gesperrt. Trotzdem fuhren wir mal rüber zum Gipfellift, einem total urigen, steilen Schlepper, dessen Gehänge beim Anfahren ordentlich scheppern.

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Es geht steil durch den Mittenwalder Winterwald...

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vorm Ausstieg

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Der Antrieb heulte ziemlich laut und im Hintergrund sieht man die stillgelegte Pendelbahn von der ESL-Bergstation zum Gipfel rauf.

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Eine Windböe blies plötzlich und ließ den Schnee aufwirbeln.

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Blick vom Ausstieg auf die Gipfelabfahrt (am Nachmittag aufgenommen). Man kann auch ein bisserl sehen, wie steil der Lift raufkommt.

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LSAP-Stütze der PB

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Später war die Sicht auf die PB-Trasse mal besser...

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Blick in die andere Richtung zur Talstation.

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Unter dem Wildenseelift hindurch geht es über Waldwege rauf und runter zur ESL-Talstation, wohin sich fast keine Schifahrer verirrten. Der lief eigentlich nur als Zubringer und für die Schlittenfahrer, die man dann bei der Auffahrt aus dem Wald rufen und lachen hören konnte.

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Abfahrt zum ESL – irgendwie mag ich solche Ziehwege durch Wälder und über abgelegene Almwiesen. Man ist für sich allein und kann mal ein bisserl die Natur genießen. (Die Fotos machte ich aber am Nachmittag, als ich allein unterwegs war, da Münchner nur eine Halbtageskarte erworben hatte. Der hätte hier keine Fotostopps geduldet – die Natur kann man ja immer noch in seiner Freizeit genießen ;) )

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Endlich schaffte ich es nun also, mit dem Kranzberglift zu fahren. Total urig – man fährt durch die totale Pampa und trifft dann schließlich irgendwo auf diesen alten ESL. So was gefällt mir absolut...

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Keine Bubbles, keine Weicheierheizung, keine Rolltreppe zum Einstieg. Also besser nicht hier her fahren ;)

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Einfach genial...

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Winterstimmung im ESL...

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Die Schi musste man links ablegen und festhalten.

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Trotz Schneefalls und heraufkriechender Kälte genoss ich die Fahrt mit diesem alten Lift..

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Später wird’s ein wenig steiler...

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Das ist mal eine Bergstation...

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Blick zurück – das Liftlerhäusl mit den Holzscheiten sagt viel über den „Urigkeitsgrad“ dieses Lifts aus finde ich. Und nein, Münchner, hier gehört keine 10 EUB „KranzbergJet“ hin ;)

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Bergstation von außen...

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Am Nachmittag besserte sich für 2 Minuten das Wetter sogar, als ich mich am Gipfellift austobte und das Rasen übte, um endlich mit Münchner mithalten zu können...

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Oben angelangt, begann es schon wieder, aus dicken Flocken zu schneien.

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Eine der letzten Abfahrten am Korbinianlift.

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Schulterblick

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Ein schneereicher Schitag ging zu Ende und ich hatte trotz nur einer einsatzfähigen Hand ganz gut fahren können. Ich war total froh, die ätzende Wartezeit auf den nächst möglichen Schitag hinter mir gelassen und ein weiteres der urigen bayrischen Schigebiete absolviert zu haben. Dafür hatte es sich gelohnt, von München aus trotz des Sauwetters bis Mittenwald auf zugeschneiten Strassen zu schleichen und auch am Rückweg wieder endlos gegen die Glätte zu kämpfen. Was Besseres wäre bei den Witterungsverhältnissen eh kaum möglich gewesen, denke ich.

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Nochmal ein Bild vom Luttenseelift, ehe es zurück zum eingeschneiten Auto ging. Am Rückweg sollte ich problemlos heimwärts gelangen. Bis auf einen Selbstmordversuch eines Pinnebergers vor einer unübersichtlichen Kurve zwischen Klais und Garmisch gab es keine besonderen Vorkommnisse. Kaum zu Hause angekommen, las ich erleichtert die Email von der Imbergbahn, wonach der Schindelberg-Pendellift am Samstag in Betrieb sein würde. Voller Schreck hatte ich noch am Vorabend vom Brand in der Talstation und der womöglichen Stilllegung der Anlage erfahren. Doch das sollte sich Gott sei Dank als Irrtum erweisen. So freute ich mich trotz eines eben erst wie wenige Minuten zeronnenen Schitages gleich auf den nächsten...

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Ich glaub so langsam kann ich den Urlaub absagen und einfach von zuhause aus Berichte der Gebiete lesen, in die ich sonst selbst gefahren wär :lol: Ne, Schmarrn. Aber dass du mit ner kaputten Hand noch ESL fährst, Respekt! :D Danke für den Bericht, ich will nur hoffen, dass es in ein paar Wochen schneemäßig noch genauso gut bestellt ist!
 
Und cih fahr wohl nächsten Dienstag hin. Wenn jetzt keine massive Regenfront kommt dürfte es auch in einer Woche trotz der hohen Temperaturen diese Woche (hab was von +8°C gelesen) noch gehen, bloss der Powder wird dann wohl futsch sein. 120-150cm tauen ned von 3 Tagen Sonne komplett ab im Normalfall.

mFg Widdi
 
Richie schrieb:
und gute Besserung für die Hand!
Danke - es geht mittlerweile eh immer besser. Hoffe nur, dass es keinen Rückfall innerhalb der Wintersaison gibt. Mittlerweile hat sich ja der Spies gedreht - ich bin Schimäßig einsatzfähig, während Münchner eine Erkältung auskurieren muss. Aber bis zum Wochenende hat es ja noch ein bisserl Zeit.
 
Hast ja doch noch ein paar nette Bilder zustande gebracht. Aber mir wäre es bei dem Schneetreiben mit der DSLR zu riskant gewesen.
 
Ich schaffe es und ergatterte als Trost für das ganze bestandene „Ich-werde-jetzt-NICHT-Amok-laufen!“-Training noch einen der letzten Parkplätze am Wegesrand
Wieso bist nicht zum ESL gefahren? Der Parkplatz dürfte normalerweise etwas leerer sein ...
 
vovo schrieb:
Richie schrieb:
und gute Besserung für die Hand!
Danke - es geht mittlerweile eh immer besser. Hoffe nur, dass es keinen Rückfall innerhalb der Wintersaison gibt. Mittlerweile hat sich ja der Spies gedreht - ich bin Schimäßig einsatzfähig, während Münchner eine Erkältung auskurieren muss. Aber bis zum Wochenende hat es ja noch ein bisserl Zeit.
Auch wenn ich ehrlicherweise ein Freund von kuppelbaren Sesselliften und präparierten Pisten bin, bin ich immer wieder dankbar für Eure Berichte aus besonderen Skigebieten! Vielen Dank und Euch Beiden (Vovo und Münchner) gute Besserung und viele tolle Skitage!
 
Richie schrieb:
Auch wenn ich ehrlicherweise ein Freund von kuppelbaren Sesselliften und präparierten Pisten bin, bin ich immer wieder dankbar für Eure Berichte aus besonderen Skigebieten! Vielen Dank und Euch Beiden (Vovo und Münchner) gute Besserung und viele tolle Skitage!

Danke auch! Es werden diese Saison auch hoffentlich noch viele Berichte aus den verbliebenen Kleinschigebieten folgen...
 
Hi!

Na das Wetter hat wohl nicht so wirklich mitgespielt, oder? Aber trotzdem schöne Bilder und ein toller Bericht. Ich freue mich jetzt schon wieder auf den Winter und die Saison. Kann es seit dem letzten Winterende kaum erwarten! :)

Und ich hoffe der Hand geht es wieder gut?! :)

LG
 
Wanderlust schrieb:
Und ich hoffe der Hand geht es wieder gut?! :)

Ja, das passt längst wieder, Danke. Dafür gab es 2011/12 keine verschleppte Erkältung wie im Jahr zuvor.
Ich bin froh, dass alle Saisonen immer ohne Verletzungen vorüber gingen - gerade am Anfang des Schibetriebs im Dezember wäre so was sehr bitter. Dann durch so was noch einen Oldtimer-Lift verpassen....
 
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