SASBACHWALDEN.Skifahren im Sommer und das mitten im Schwarzwald - unmöglich. Denkste! Sasbachwalden plant den Bau einer Skihalle. Bürgermeister Valentin Doll (Freie Wähler) ist zuversichtlich.
"Die Regionalverbände haben zur Einleitung des Verfahrens grünes Licht gegeben, jetzt müssen noch knapp 370 Gemeinden und Verbände gehört werden", sagt Doll im Gespräch mit der "Pforzheimer Zeitung". Schon seit dreieinhalb Jahren schlummern die Pläne für eine Indoor-Skipiste in der Schublade des Bürgermeisters, jetzt wartet er auf eine Entscheidung und ist zuversichtlich. "Ich gehe davon aus, dass die landesweit erste Skihalle in Sasbachwalden gebaut wird." Die endgültige Entscheidung soll am 10. Juli fallen. "Der erste Spatenstich könnte im Frühjahr 2004 gesetzt werden", sagt Doll, will sich aber keineswegs auf diesen Termin festlegen. Dennoch: Ein Konzept hat die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) mit der Gemeinde schon erarbeitet. Die "Pforzheimer Zeitung" stellt die geplante alpine Kunstschneepiste - eine Autostunde von Pforzheim entfernt - vor.
Bauliche Ausführung: 420 Meter lang, knapp 60 Meter breit und acht Meter hoch soll die Halle sein mit einem Höhenunterschied von 60 Metern und einer Hangneigung zwischen 16 und 22 Prozent. Die Pistenfläche soll rund 20 000 Quadratmeter einnehmen. Das entspricht knapp fünf Fußballfeldern. Angedacht ist ein Skilift, eine Allround-, Buckel-, und Anfängerpiste. Neben Übungseinheiten in einer Skischule und der Ausleihe von Skiernsoll auch ein Einkehrschwung im Gastronomiebereich möglich sein. Rund 400 Parkplätze stünden den Besuchern zur Verfügung.
Standort: Das vorgesehene Baugelände ist nach Angaben von Doll mit einer 50-jährigen Fichtenmonokultur geringer ökologischer Wertigkeit bewachsen. "Territorien mit Schutzgebietsstatus werden nicht berührt", versichert er. Auswirkungen auf das Landschaftsbild seien außerdem nicht zu befürchten, da sich der "Mega-Kühlschrank" in eine kaum einsehbare, natürliche Geländemulde einschmiegen würde.
Kosten: Auf rund 24 Millionen Euro wird das Projekt geschätzt. Betreiber ist das Fechner & Herden Projektmanagment und die Vermögensberatung GmbH aus Bottrop. Die Halle soll ausschließlich durch den Einsatz privater Mittel finanziert werden. Die Gemeinde würde dem Investor das Grundstück in Erbpacht überlassen. Falls die Anlage gebaut wird, stellt der Investor der Gemeinde eine Bankbürgschaft in Höhe der Abrisskosten zur Verfügung. Auf diese Weise wäre ein Rückbau der Anlage garantiert, sollte das Vorhaben scheitern.
Zielgruppe: Gleichermaßen junge Ski- und Snowboardfreaks wie schon passionierte Skihasen. Durchschnittlich werde im Jahr mit rund 412 500 Besuchern gerechnet. Zum Vergleich: In die größte Indoor-Skiarena in Neuss (30 000 Quadratmeter) kamen im letzten Jahr knapp 1,2 Millionen Bretterl-Fans. Dort kostet ein Tages-ticket für Erwachsene 25 Euro.
Energieverbrauch: Rund 4,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. "Nicht mehr als ein städtisches Hallenbad braucht", sagt Doll. Schneekanonen an der Decke sollen den luftgekühlten Raum mit Pulverschnee berieseln. Rund 90 Kilometer lange Kühlschlangen (ähnlich einer Fußbodenheizung) könnten den Boden gefrieren lassen. Die Abwärme der Kältetechnik könnte zur Beheizung des Vorgebäudes (Bars, Shops) genutzt werden.
Gegner: Landesnaturschutzverband und Bürgerinitiativen wehren sich gegen den Bau. Ihre Kritik: Eingriff in die Landschaft und zu großes Verkehrsaufkommen. Und dann ist da noch die Angst, "Ballermann"-Partys könnten der Schwarzwald-Idylle im 2450-Einwohner-Ort schaden.
Tourismus: Mit dem Bau der Halle möchte Sasbachwalden die anhaltend schwierigen Rahmenbedingungen der örtlichen und regionalen Fremdenverkehrswirtschaft verbessern. "Außerdem musste das Kurwesen durch die Auswirkungen der Gesundheitsreform schwere Einbußen hinnehmen", bedauert Doll. Das Klinikum Breitenbrunnen in der Nähe des möglichen Skihallen-Standorts musste deshalb aufgegeben werden. "Durch den optionalen Bau eines Themenhotels könnte die werden", meint der Bürgermeister und fügt hinzu: "Mit dem Bau würden 300 neue Arbeitsplätze geschaffen", sagt Doll und sieht dadurch auch einer Revitalisierung der Klinikbrache entgegen.