Lichtensteiner Tagblatt
Bergbahnen hoffen auf Bartholet
Viele Bergbahnen stecken in einer Investitionsfalle: Tun sie nichts, verlieren sie Gäste. Bauen sie neu Anlagen, müssen dafür überhöhte Preise bezahlt werden. Die Flumser Firma Bartholet könnte immerhin für ein bisschen mehr Wettbewerb sorgen.
Von Christoph Ammann
Allein die Schweizer Bergbahnen investieren in den nächsten zwei Jahren 800 Mio. Franken in neue Anlagen. Der allergröste Teil davon wird in den Kassen von Doppelmayr-Garaventa und Leitner landen. Die beiden Seilbahnhersteller aus dem Vorarlberger Wolfurt und Sterzing (Vipiteno) in Südtirol sind die unangefochtenen Dominatoren in der Seilbahnbranche, nachdem es in den letzten zehn Jahren mehrere Zusammenschlüsse und Übernahmen gab. Die Folge davon sind ein kaum mehr spielender Wettbewerb, Preisabsprachen und somit kartellähnliche Zustände, die den Bergbahngesellschaften Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Denn im Gegensatz zu den Herstellern stehen die Bergbahnen selber in einem erbitterten Konkurrenzkampf; Feriengäste und Tagestouristen haben die Qual der Wahl.
Da blieben nur noch zwei
Die Veränderungen im Markt der Hersteller haben etwa die Wildhaus Bergbahnen hautnah mitbekommen. Denn sie bestellten im Jahr 1995 eine neue Sesselbahn und danach wieder eine in den Jahren 2002/03 (als Ersatz für eine andere Anlage). In der ersten Ausschreibung hatten sich noch vier völlig unabhängige Hersteller beworben: Die Schweizer Unternehmen Von Roll und Garaventa sowie Doppelmayr und Leitner. «Damals war deutlich spürbar, dass jeder unseren Auftrag unbedingt wollte – Marktwirtschaft wie im Lehrbuch», sagt Geschäftsführer Urs Gantenbein. In den folgenden Jahren übernahm dann aber zuerst Garaventa die Seilbahn-sparte von Von Roll bis dann im Jahr 2003 schliesslich beide zusammen in die Doppelmayr-Garaventa-Gruppe eingebunden wurden. Die heutige Situation entstand, nachdem in einer weiteren grösseren Übernahme ein französischer Hersteller unter dem Dach von Leitner verschwand. «Bei der Ausschreibung vor vier Jahren stand die Fusion von Doppelmayr und Garaventa kurz bevor, dementsprechend wollten sie sich kaum mehr konkurrenzieren. Leider zeigte sich auch Leitner nicht zu grossen Zugeständnissen bereit», sagt Gantenbein.
Preissprung innert weniger Jahre
Ähnliche Erfahrungen hat Hans Peter Lötscher, Geschäftsführer der Bergbahnen Grüsch-Danusa gemacht. Er ist überzeugt, dass sich heute Verhandlungen zwischen den Betreibern und den Herstellern «ganz anders» gestalten als noch vor vier bis fünf Jahren. «Seit es im Grunde nur noch die Doppelmayr-Gruppe und Leitner gibt, sind die Preise für die technischen Anlagen um 20 Prozent gestiegen», sagt Lötscher, der seit 28 Jahren in der Seilbahnbranche tätig ist. Hätten zudem früher die Angebote noch deutlich auseinander gelegen, bestehe heute auf höherem Preisniveau kaum mehr ein Unterschied.
Markt wird aufgeteilt
Verschiedene Indizien lassen die Bergbahnvertreter zudem zum Schluss kommen, dass sich die beiden grossen Hersteller den Markt gütlich untereinander aufgeteilt haben. «Diese Gefahr besteht sicherlich», so Gantenbein. «1995 entschieden wir uns nur ganz knapp gegen ein sehr attraktives Angebot von Leitner, da unsere anderen Anlagen bereits von Garaventa erstellt worden waren und eine einheitliche Ausrüstung eben Kosten spart. Im Jahr 2003 erschien mir der Konkurrenzkampf dann eher unter dem Motto ‹leben und leben lassen›», sagt Gantenbein. Für dieselbe Bahn würde gemäss seiner Einschätzung dieses Jahr bereits wieder 1 Mio. Franken mehr verlangt werden, was aber nur teilweise mit gestiegenen Stahlpreisen erklärbar sei. Auch für Lötscher gibt es diverse Hinweise, die dafür sprechen, dass nicht mehr konsequent versucht wird, in fremdem Gehege Aufträge zu ergattern: «Beide haben mehr davon, wenn sie den Bahnen die Preise diktieren können.»
Malbun war zufrieden
Ein Kartell unter den Seilbahnherstellern wurde auch in Malbun befürchtet, wo in den letzten Jahren mit grosszügiger finanzieller Unterstützung des Landes und der Liechtensteiner Gemeinden für 12 Mio. Franken zwei neue Lifte erstellt wurden. «Glücklicherweise kam es anders – der Markt spielt voll und ganz», sagt Verwaltungsrat und Projektleiter Peter Sparber. «Wir konnten in tagelangen Verhandlungen gute Preisnachlässe erreichen.» Leitner sei wohl besonders ehrgeizig gewesen, gleich «vor der Haustüre» von Doppelmayr einen Auftrag zu ergattern, was aber schliesslich doch nicht gelang.
Von einer «harten Konkurrenz» spricht auch Doppelmayr-Garaventa selber. Dass es ausser Leitner keinen grösseren Konkurrenten mehr gibt, wird aber nicht bestritten. In den letzten Jahren habe man versucht, die Preise konstant zu halten. «Im Weiteren können nicht einfach verschiedene Projekte miteinander verglichen werden, um daraus Rückschlüsse auf die Preisentwicklung zu ziehen», heisst es auf Anfrage. Von Leitner liegt keine Stellungnahme vor.
Bartholet holt auf
Die Hoffnungen der Bergbahnen ruhen nun auf der Bartholet Maschinenbau AG (BMF) in Flums. Sie hat in den letzten Jahren ihr Sortiment im Bereich Sessel- und Gondelbahnen ständig erweitert. Geschäftsführer Thomas Spiegelberg sieht die BMF nun in den Startlöchern, um die Idylle unter den beiden grossen Herstellern etwas zu stören, auch wenn er sich diesbezüglich nicht weit aus dem Fenster lehnen will: «Vielleicht sind Preisabsprachen im Einzelfall vorgekommen, insgesamt spielt der Markt aber nicht schlecht. Und da wir nun eine gewisse Grösse erreicht haben, sieht es sowieso wieder anders aus.»
Für dieses Jahr konnte sich die BMF fünf Aufträge in der Schweiz, zwei in Costa Rica und einen in Luxemburg sichern. Dabei handelt es sich um komplette Eigenleistungen, was dazu führt, dass in Flums «praktisch jedes Jahr» eine neue Halle errichtet werden müsse. Auch zu den mittlerweile 110 bis 120 Arbeitsplätzen dürften bald weitere hinzu kommen. Aus Sicht der Bergbahnen lieber heute als morgen.
Bergbahnen hoffen auf Bartholet
Viele Bergbahnen stecken in einer Investitionsfalle: Tun sie nichts, verlieren sie Gäste. Bauen sie neu Anlagen, müssen dafür überhöhte Preise bezahlt werden. Die Flumser Firma Bartholet könnte immerhin für ein bisschen mehr Wettbewerb sorgen.
Von Christoph Ammann
Allein die Schweizer Bergbahnen investieren in den nächsten zwei Jahren 800 Mio. Franken in neue Anlagen. Der allergröste Teil davon wird in den Kassen von Doppelmayr-Garaventa und Leitner landen. Die beiden Seilbahnhersteller aus dem Vorarlberger Wolfurt und Sterzing (Vipiteno) in Südtirol sind die unangefochtenen Dominatoren in der Seilbahnbranche, nachdem es in den letzten zehn Jahren mehrere Zusammenschlüsse und Übernahmen gab. Die Folge davon sind ein kaum mehr spielender Wettbewerb, Preisabsprachen und somit kartellähnliche Zustände, die den Bergbahngesellschaften Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Denn im Gegensatz zu den Herstellern stehen die Bergbahnen selber in einem erbitterten Konkurrenzkampf; Feriengäste und Tagestouristen haben die Qual der Wahl.
Da blieben nur noch zwei
Die Veränderungen im Markt der Hersteller haben etwa die Wildhaus Bergbahnen hautnah mitbekommen. Denn sie bestellten im Jahr 1995 eine neue Sesselbahn und danach wieder eine in den Jahren 2002/03 (als Ersatz für eine andere Anlage). In der ersten Ausschreibung hatten sich noch vier völlig unabhängige Hersteller beworben: Die Schweizer Unternehmen Von Roll und Garaventa sowie Doppelmayr und Leitner. «Damals war deutlich spürbar, dass jeder unseren Auftrag unbedingt wollte – Marktwirtschaft wie im Lehrbuch», sagt Geschäftsführer Urs Gantenbein. In den folgenden Jahren übernahm dann aber zuerst Garaventa die Seilbahn-sparte von Von Roll bis dann im Jahr 2003 schliesslich beide zusammen in die Doppelmayr-Garaventa-Gruppe eingebunden wurden. Die heutige Situation entstand, nachdem in einer weiteren grösseren Übernahme ein französischer Hersteller unter dem Dach von Leitner verschwand. «Bei der Ausschreibung vor vier Jahren stand die Fusion von Doppelmayr und Garaventa kurz bevor, dementsprechend wollten sie sich kaum mehr konkurrenzieren. Leider zeigte sich auch Leitner nicht zu grossen Zugeständnissen bereit», sagt Gantenbein.
Preissprung innert weniger Jahre
Ähnliche Erfahrungen hat Hans Peter Lötscher, Geschäftsführer der Bergbahnen Grüsch-Danusa gemacht. Er ist überzeugt, dass sich heute Verhandlungen zwischen den Betreibern und den Herstellern «ganz anders» gestalten als noch vor vier bis fünf Jahren. «Seit es im Grunde nur noch die Doppelmayr-Gruppe und Leitner gibt, sind die Preise für die technischen Anlagen um 20 Prozent gestiegen», sagt Lötscher, der seit 28 Jahren in der Seilbahnbranche tätig ist. Hätten zudem früher die Angebote noch deutlich auseinander gelegen, bestehe heute auf höherem Preisniveau kaum mehr ein Unterschied.
Markt wird aufgeteilt
Verschiedene Indizien lassen die Bergbahnvertreter zudem zum Schluss kommen, dass sich die beiden grossen Hersteller den Markt gütlich untereinander aufgeteilt haben. «Diese Gefahr besteht sicherlich», so Gantenbein. «1995 entschieden wir uns nur ganz knapp gegen ein sehr attraktives Angebot von Leitner, da unsere anderen Anlagen bereits von Garaventa erstellt worden waren und eine einheitliche Ausrüstung eben Kosten spart. Im Jahr 2003 erschien mir der Konkurrenzkampf dann eher unter dem Motto ‹leben und leben lassen›», sagt Gantenbein. Für dieselbe Bahn würde gemäss seiner Einschätzung dieses Jahr bereits wieder 1 Mio. Franken mehr verlangt werden, was aber nur teilweise mit gestiegenen Stahlpreisen erklärbar sei. Auch für Lötscher gibt es diverse Hinweise, die dafür sprechen, dass nicht mehr konsequent versucht wird, in fremdem Gehege Aufträge zu ergattern: «Beide haben mehr davon, wenn sie den Bahnen die Preise diktieren können.»
Malbun war zufrieden
Ein Kartell unter den Seilbahnherstellern wurde auch in Malbun befürchtet, wo in den letzten Jahren mit grosszügiger finanzieller Unterstützung des Landes und der Liechtensteiner Gemeinden für 12 Mio. Franken zwei neue Lifte erstellt wurden. «Glücklicherweise kam es anders – der Markt spielt voll und ganz», sagt Verwaltungsrat und Projektleiter Peter Sparber. «Wir konnten in tagelangen Verhandlungen gute Preisnachlässe erreichen.» Leitner sei wohl besonders ehrgeizig gewesen, gleich «vor der Haustüre» von Doppelmayr einen Auftrag zu ergattern, was aber schliesslich doch nicht gelang.
Von einer «harten Konkurrenz» spricht auch Doppelmayr-Garaventa selber. Dass es ausser Leitner keinen grösseren Konkurrenten mehr gibt, wird aber nicht bestritten. In den letzten Jahren habe man versucht, die Preise konstant zu halten. «Im Weiteren können nicht einfach verschiedene Projekte miteinander verglichen werden, um daraus Rückschlüsse auf die Preisentwicklung zu ziehen», heisst es auf Anfrage. Von Leitner liegt keine Stellungnahme vor.
Bartholet holt auf
Die Hoffnungen der Bergbahnen ruhen nun auf der Bartholet Maschinenbau AG (BMF) in Flums. Sie hat in den letzten Jahren ihr Sortiment im Bereich Sessel- und Gondelbahnen ständig erweitert. Geschäftsführer Thomas Spiegelberg sieht die BMF nun in den Startlöchern, um die Idylle unter den beiden grossen Herstellern etwas zu stören, auch wenn er sich diesbezüglich nicht weit aus dem Fenster lehnen will: «Vielleicht sind Preisabsprachen im Einzelfall vorgekommen, insgesamt spielt der Markt aber nicht schlecht. Und da wir nun eine gewisse Grösse erreicht haben, sieht es sowieso wieder anders aus.»
Für dieses Jahr konnte sich die BMF fünf Aufträge in der Schweiz, zwei in Costa Rica und einen in Luxemburg sichern. Dabei handelt es sich um komplette Eigenleistungen, was dazu führt, dass in Flums «praktisch jedes Jahr» eine neue Halle errichtet werden müsse. Auch zu den mittlerweile 110 bis 120 Arbeitsplätzen dürften bald weitere hinzu kommen. Aus Sicht der Bergbahnen lieber heute als morgen.