Emotionale Krippenstein-Debatte im Obertrauner Gemeinderat
Zu heißen Diskussionen führte die im Landesrechnungsbericht angedachte Winterschließung des höchsten und schneesichersten Skigebietes in Oberösterreich, dem Krippenstein.
Bei der kürzlich stattgefundenen Sitzung des Obertrauner Ortsparlamentes gab gerade der Punkt Allfälliges zu emotionellen Diskussionen Anlass. Der Landesrechnungshof hat - wie bekannt - in seinem jüngsten Bericht den Winterbetrieb am Krippenstein und am Feuerkogel betriebswirtschaftlich in Frage gestellt. Vier Tage vor der heurigen Landtagswahl hatte Landeshauptmann Josef Pühringer bei einer Veranstaltung in Obertraun betont, der Ganzjahresbetrieb am Krippenstein müsste auch in Zukunft in seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung gesehen werden. Pühringer versicherte den ObertraunerInnen an diesem Tag, dass auch „bei Euch kräftig investiert“ wird. Zumal der Rechnungshofbericht mit 18. Juni 2003 datiert ist, zeigte sich Bürgermeister Höll irritiert. Trotzdem betonte Höll, dass er nach wievor davon ausgeht, dass die Zusagen des Landeshauptmannes auch nach der Wahl Gültigkeit haben. Diese Aussage wurde auch von den VP-Mitgliedern im Obertrauner Gemeinderat und den VP-Landtagsabgeordneten Josef Steinkogler und Martina Pühringer in mehren Veranstaltungen bestätigt. Die volkswirtschaftliche Bedeutung eines Ganzjahresbetriebes am Krippenstein für das Innere Salzkammergut unterstreichen auch die Tourismusverantwortlichen und Führungskräfte der touristischen Leitbetriebe der Region.
Hilferuf an Landeshauptmann
In Zusammenhang auf den Rechnungshofbericht erging vom Obertrauner Bürgermeister an den Landeshauptmann ein dramatischer Appell in Form eines Schreibens, die Menschen im Inneren Salzkammergut nicht allein zu lassen. Der Krippenstein ist Oberösterreichs einziges hochalpines und schneesicherstes Skigebiet. Das Top-Familienschigebiet Gosau (bis 1.600 Höhenmeter) braucht die hochalpine Ergänzung Krippenstein (2.100 m), um dem Gast ein Angebot bieten zu können, dass der Konkurrenz der Salzburger Skigebiete ebenbürtig ist. Diese Aussage wird vehement z.B. auch von der Skischule Gosau unterstützt. Der Zugang zur einzigartigen Welterbelandschaft Dachsteinplateau wäre für die meisten Besucher nicht mehr möglich. Bis zu 70 nicht ersetzbare Winterarbeitsplätze gingen verloren, was auch einen volkswirtschaftlichen Schaden von ungefähr ½ Million Euro jährlich bedeuten würde. Ein Verlust an Arbeitsplätzen würde die Abwanderung der Bevölkerung von Obertraun und Hallstatt noch verstärken. Zuliefer- und Beherbergungsbetriebe (z.B. Bundessport- und Freizeitzentrum, Landesjugendherberge in Obertraun) hätten große Betriebsausfälle zu befürchten. Ein Aufbau neuer Beherbergungsstrukturen in Obertraun und Hallstatt (z.B. geplantes Historic-Hotel Hallstatt u.a.) hat nur mit Sommer- und Wintersaison Erfolgsaussicht. Viele Besprechungen mit namhaften Touristikern von renommierten Firmen, wie TUI oder „Magic Life“ haben ergeben, dass der Aufbau einer Qualitätsbeherbergung nur mit einem Ganzjahresbetrieb möglich ist. Mit der Widmung eines 4ha großen Grundstückes am Hallstättersee hat die Gemeinde Obertraun dafür bereits die Voraussetzungen geschaffen. Gerade jetzt ist es auch gelungen mit viel Optimismus Privatinitiativen zu starten. Ehemalige Beherbergungsbetriebe konnten renoviert bzw. wieder eröffnet werden, Kontakte mit englischen Investoren laufen vielversprechend an, neue Betriebe wurden im Vertrauen auf touristische Investitionen des Landes gegründet.
Die DAG-Positionierung des Standortes Obertraun als Free-Ride-Zentrum beginnt langsam zu greifen. Bürgermeister Höll fordert 14 Mio. Euro für Investitionspaket! Statt der ständigen Schließungsgerüchte, die regelmäßig vor Beginn der Wintersaison einen nichtbezifferbaren Image-Schaden verursachen, fordert Höll ein mutiges Investitionsprogramm seitens des Mehrheitseigentümers Land Oberösterreich. Würde man für Obertraun ein Investitionspaket von ca. 14 Mio. Euro schnüren (in Gosau hat das Land 26 Mio. Euro in die Hand genommen), könnte man dem Krippenstein gleichzeitig mit einem entsprechenden Marketingkonzept die nötigen Einnahmen bescheren. In diesem Paket fordert Höll die Erneuerung der ersten UND der zweiten Teilstrecke der Seilbahn auf den Krippenstein, was eine Verdoppelung der Beförderungskapazität durch eine moderne Pendelbahntechnik und größere Gondeln bedeuten würde. Neben der Erhaltung bestehender Anlagen ist die Errichtung einer Sesselbahn im Bereich Ahornboden-Krippenbrunn geplant, Beschneiung und Ausbau der Eisgruben-Abfahrt, Anbindung der Angeralmvariante durch einen Skiweg zur Abfahrt, Skischaukel Gjaidalm-Oberfeld-Schwemmerkogel, Errichtung eines Anfänger- und Übungsareals bei der Talstation, Boarder- und Funpark beim Vierersessellift am Krippenstein, Dachstein-Höhlen-Erlebnispark auf der Schönbergalm; „Ich vertraue hundertprozentig auf das Wort des Landeshauptmannes und bin daher äußerst optimistisch, was die Zukunft des Krippensteins angeht!“, meinte Bürgermeister Höll aus Obertraun. Der Rechnungshof hat betriebswirtschaftliche Zahlen auf den Tisch gelegt, nun muss die volkswirtschaftliche Komponente von der Politik bewertet werden