Vereitelter Plan
Urbanistik: Der Streit um eine Aufstiegsanlage am Kronplatz endete vorerst mit einer Blamage für die Landesregierung.
Wie es halt so geht: Da rennt ein örtlicher Zampano zum Landeshauptmann, dieser lässt sich überreden - und schon darf gebaut werden, was nicht gebaut werden dürfte. Trotz negativer Gutachten. Manchmal trotz der Gesetze. Beim Marchnerlift am Kronplatz hat man es nach dem bewährten Modell versucht: Zuerst reicht die Kronplatz Seilbahn AG ein Projekt ein, das vorsieht, den nur bis zur Meereshöhe 2.117 reichenden Marchnerlift durch einen neuen zu ersetzen, der bis ganz auf den Gipfel des Kronplatzes reicht, also bis auf 2.270 Meter. Ein logisches Vorhaben, gegen das niemand etwas einwenden kann. Vor allem, weil die Brunecker Gesellschafter auch noch ein Zuckerle dazugeben: Gleichzeitig solle der Belvederelift, der etwa 100 Höhenmeter unterhalb der Marchner-Bergstation startet und die Skifahrer bis zum Gipfel befördert, abgebaut werden. Kurzum: Ein neuer Lift sollte zwei Lifte ersetzen. Ein geradezu edles Unterfangen. Umso größer die Überraschung bei der Überarbeitung des Pistenplanes. Plötzlich ist von einer Streichung des Belvedere keine Rede mehr. Sondern: Der derzeit rechts vom Belvedere verlaufende Marchnerlift soll entlang einer neuen Trasse links vom Belvedere errichtet werden und wie dieser bis zum Gipfel führen.
Rechtsstreit. Jetzt war Feuer am Dach. Der Marchner befindet sich im Besitz der Brunecker Kronplatz AG, allerdings auf Territorium der Gemeinden Olang und (was die Bergstation betrifft) St. Vigil in Enneberg. Zwischen den drei Gemeinden und ebenso vielen Gesellschaften, die am Kronplatz mitmischen, galt seit jeher: Was wir machen, machen wir gemeinsam. Nie hat also jemand gewagt, etwas zu tun, was gegen die Interessen der Partner verstoßen könnte. Mit diesem friedlichen Miteinander ist es jetzt vorbei. Am Freitag hat sich erstmals das Verwaltungsgericht ausgesprochen: In Streitsachen Gemeinde Olang gegen Kronplatz Seilbahnen AG und gegen Autonome Provinz Südtirol ... Gegen die AG, weil diese das Projekt vorantreibt, gegen das Land, weil das den Pistenfachplan entsprechend abgeändert hat. So diplomatisch zurückhaltend sich alle geben, so deutlich ist die Irritation übereinander: Die Olanger, weil sie sich nie gedacht hätten, gegen den LH prozessieren zu müssen. Die Brunecker, weil sie von der Olanger Hartnäckigkeit überrascht wurden. Und das Land, weil es in diesem Gerichtsstreit eine höchst ungünstige Figur macht. Als bekannt wurde, dass der Belvederelift neben dem potenzierten Marchner im Betrieb bleiben soll, gab es einen Chor der Entrüstung. Alle sprachen sich dagegen aus: die Olanger Seilbahnen AG, die Gemeinden Olang und Enneberg, die Forstbehörde, die zuständigen Fachkommissionen. Alle dagegen - bis auf die Landesregierung, die den Pistenfachplan kurzerhand so abänderte, dass er den Plänen der Brunecker Kronplatz-Bosse entsprach. Was Wunder, handelt es sich dabei doch um das Who´s who der Brunecker High Society: Werner Schönhuber, Dieter Schramm, Alfred Baumgartner, Walter Außerhofer ... Allerdings dürften die potenten Brunecker nicht damit gerechnet haben, dass ausgerechnet das kleine Olang mit Bürgermeisterin Anna Aichner-Schenk an der Spitze sich wehren würde. Mehr noch: Gleichsam um die politische Dimension der Angelegenheit zu unterstreichen, holten sich die Olanger einen Anwalt mit einem Namen, der aufhorchen lässt: Karl Zeller. Und so kam es zum Duell Olang gegen Bruneck, Gemeinde gegen Land, der SVP-Parlamentarier Zeller gegen den Brunecker SVP-Chef Schramm. Das Urteil wurde dementsprechend mit Hochspannung erwartet. Im Namen des Volkes: Der Fachplan ist ungültig, sämtliche Arbeiten in Zusammenhang mit den Bauvorhaben sind einzustellen. Martin Mutschlechner, Urbanistik-Assessor in Olang, rät zur Vorsicht: "Noch ist die Sache nicht ausgestanden. Aber wenn das Gericht so entschieden hat, dann bedeutet das, dass unser Einwand berechtigt ist." Jetzt darf man auf die Reaktion der Brunecker gespannt sein.
Norbert Dall`Ò