Ein Artikel aus dem Ragazer Tageblatt (oder so)
Streit oder Geld
Wangs-Pizol und Bad Ragaz erarbeiten gemeinsame Seilbahn-Strategie
wangs/Bad Ragaz. Bis vor kurzem waren sie sich uneins, jetzt eint die Vertreter der Luftseilbahn Wangs-Pizol und der Sportbahnen Bad Ragaz die Aussicht auf drei bis fünf Millionen Franken Fördergelder: Nun erarbeiten sie gemeinsam ein Seilbahn- konzept.
andreas fagetti
Das Ski- und Wandergebiet Pizol wird seit 50 Jahren sowohl von Wangs wie auch von Bad Ragaz aus erschlossen. Weil beide Seilbahnen erneuerungsbedürftig sind, beschäftigen sich beide Unternehmen mit einer Sanierung bzw. mit dem Bau neuer Bahnen. Es wurden mehrere Varianten ausgearbeitet. Allerdings konnten sich die beiden Gesellschaften bisher nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen. Der Streit wogte fruchtlos hin und her.
Kanton als Vermittler
Bis das kantonale Amt für Wirtschaft die Initiative ergriff und alle Beteiligten - Gemeinden, Luftseilbahn-Unternehmen, Tourismusorganisation und Regionalplanung - vergangene Woche an einen runden Tisch bat. Das Ergebnis: Die Luftseilbahn Wangs-Pizol AG, die Sportbahnen Bad Ragaz AG und die involvierten Gemeinden Vilters-Wangs und Bad Ragaz erarbeiten unter der Führung der gemeinsamen Marketinggesellschaft Pizolbahnen AG «ein Modell für eine betriebs- und regionalwirtschaftlich sinnvolle Seilbahnkonzeption», wie gestern das Amt für Wirtschaft mitteilte. Zur versöhnlichen Stimmung beigetragen haben dürfte die Aussicht auf drei bis fünf Millionen Franken aus der Investitionshilfe für Berggebiete (IHG). Der Bund gewährt diese Darlehen allerdings nur auf Antrag der Kantone, und der Kanton St. Gallen besteht auf ein zwischen den beiden Seilbahn-Unternehmen abgestimmtes Gesuch. «Nur dann haben sie unsere Unterstützung», sagt Nicolo Paganini, Leiter des Amtes für Wirtschaft.
Jakob Göldi als Mediator
Nun erarbeitet eine Arbeitsgruppe ein Konzept, das betriebs- und regionalwirtschaftlich Sinn machen soll. Jakob Göldi, der ehemalige Leiter des Amtes für Wirtschaft und neuer Verwaltungsratspräsident der Pizolbahnen AG, begleitet die Arbeitsgruppe als Mediator. Bis Ende Jahr soll die Gruppe ihre Arbeit getan haben, bereits Mitte 2004 soll ein Investitionshilfe-Gesuch beim Bund eingereicht werden. Das Amt für Wirtschaft werde sich, was die Ausgestaltung des neuen Konzeptes angehe, nicht einmischen, versichert Nicolo Paganini. Zwar hat Amtsleiter Paganini am runden Tisch dargelegt, dass das Volkswirtschaftsdepartement aus touristischer wie auch regionalwirtschaftlicher Sicht ein «klares Interesse» an gesunden Seilbahnbetrieben hat und für diesen Zweck auch finanzielle Mittel aus der Investitionshilfe für Berggebiete beim Bund beantragen wird. Allerdings knüpft der Kanton seine Unterstützung an Bedingungen. Er hat Vorgaben definiert hinsichtlich der langfristigen Eigenwirtschaftlichkeit und Überlebensfähigkeit sowie der Fusions- respektive Kooperationsbereitschaft der Bergbahngesellschaften.