Quelle:
www.alpinforum.ch
Umweltverbände gegen Verbindung Diavolezza-Lagalb
Pro Natura, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und WWF lehnen die Änderung des regionalen Richtplans ab
Die Umweltverbände stellen den umfassenden Ausbau des Skigebietes Diavolezza-Lagalb, das in einer Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN) liegt, grundsätzlich in Frage: Sie fordern in ihrer Stellungnahme zur regionalen Richtplanänderung einen Verzicht auf neue Anlagen und Bauten im Raum Alp Bondo. Die Konflikte mit Natur- und Landschaftsschutz seien zu gross und die Wirtschaftlichkeit mehr als fraglich.
Der geplante Bau des Verbindungsliftes zwischen den Talstationen Lagalb und Diavolezza bedingt die Aufhebung des bestehenden Landschaftsschutzgebietes (das auch im BLN liegt) und beeinträchtige sowohl Feuchtgebiete als auch die Ufervegetation an der freifliessenden Ova da Bernina.
Mit den vorgesehenen neuen Sesseliften Bondo und Collinas würde das Pistenangebot im Gebiet mehr als verdoppelt und die Pistenfläche verdreifacht. Das Beschneiungskonzept beinhaltet eine beschneite Fläche von über 350'000 Quadratmetern. Im Rahmen des Gesamtprojekts sind zudem permanente und temporäre Rodungen in grösserem Umfang erforderlich. Die massive Erweiterung des Pisten-, Beschneiungs- und Bahnangebotes konzentriert sich auf das Gebiet Diavolezza.
Nach Ansicht der Umweltverbände würden die Eingriffe wertvolle Lebensräume des Arven-Lärchenwaldes an der Baumgrenze mit Felsrippen und Blockschutt sowie eine vielfältige Glaziallandschaft beeinträchtigen oder gar zerstören. Betroffen seien auch Standorte mit Zwergstrauchvegetation, feuchte, vermoorte Mulden, Quellfluren sowie diverse alpine Rasengesellschaften.
Die Verbände sind ausserdem der Ansicht, dass der Kanton sich beharrlich weigere, die erforderliche, umfassende Interessensabwägung vorzunehmen, welche für Standorte im BLN gesetzlich vorgeschrieben sei. Um die vorliegende Richtplanänderung begründen zu können, müssten eine Beurteilung der Gesamtsituation aller Oberengadiner Bergbahnen (Wirtschaftlichkeit, mögliche Fusionen, etc.) sowie ein Bedarfsnachweis für den von der Diavolezza-Bahn AG geplanten Ausbau vorliegen.
Diese Grundlagen würden jedoch fehlen und deshalb lehnen die Umweltorganisationen die vorliegende Richtplanänderung ab. Mit Blick auf die nicht nur rosige Situation des Skitourismus im Oberengadin bezweifeln die Umweltorganisationen zudem, dass sich die Vorwärtsstrategie der Diavolezza-Bahn AG ausbezahlen wird. Sie plädieren deshalb für eine gezielte Erneuerung der bestehenden Infrastruktur sowie längerfristig für die Stilllegung der Lagalb-Bahn. Für den Sommertourismus würde dies gleichzeitig eine Aufwertung bedeuten.