Ich werde mich bemühen, meine Kritik in künftigen Posts vorsichtiger zu formulieren.
Diese Diskussion erinnert mich an eine Episode aus dem Buch "Lügen mit Zahlen" von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff. Der Autor beschreibt dort, wie sich ein Ministerpräsident des Landes NRW auf einer Kundgebung zum 1. Mai mit der hohen Zahl von 2200 neu eingestellten Lehrer rühmt. Einer plötzlichen Eingebung folgend fragt der Autor, wieviele Lehrer im gleichen Zeitraum pensioniert worden seien. Große Empörung unter den Zuhörern. So ein Unsinn, meinen Umstehende. Natürlich habe der Ministerpräsident diese vorher abgezogen. Hat er nicht. Im gleichen Zeitraum waren 2500 Lehrer pensioniert worden. Effektiv waren jetzt also 300 Lehrer weniger an den Schulen.
Ein Einzelfall? Ich erinner mich an eine Talkrunde vor wenigen Jahren, wo es um eine Reglementierung der Änderung der Spritpreise an den Tankstellen ging (Österreich hat ja die Häufigkeit der Preisänderung eingeschränkt). Der Vertreter der Mineralölindustrie führte an, dies sei unnötig, da im vergangenen Jahr die Preise viel häufiger gesenkt als erhöht worden seien. Er "vergaß" nur zu erwähnen, dass die eine Erhöhung am Tag oft um 10 - 15 Cent erfolgt, während die Preissenkungen dann in Trippelschritten vollzogen werden.
Das alte Problem. Man kann Qualität nicht von Quantität und Möglichkeit nicht von Wahrscheinlichkeit trennen. Und wenn man genau hinschaut, dann entdeckt man jeden Tag diese kleinen und großen Lügen, die dadurch entstehen, dass relevante Sachverhalte verschwiegen oder irrelevante Sachverhalte aufgebauscht werden. So entsteht dann bei oberflächlicher Betrachtung durch Suggestion ein Eindruck, der nicht der Realität entspricht.
Im Prinzip bist Du auch schon drauf reingefallen.
oberländer schrieb:
Seitens Lenzerheide heisst es bisher, dass kein Kunde mehr als den aktuellen Tageskartenpreis (72 Fr.) bezahlen muss.
Genau das hat der Chef der Bergbahnen, Peter Engler in den
Radiointerview nämlich nicht gesagt. Er spricht von einem
Preis X für eine Tageskarte.
Und dann komme ich noch mal auf die Kernfrage zurück: Investieren die Bergbahnen in ein neues Ticketsystem, um weniger Einnahmen zu generieren? Wohl kaum. Wenn es also die Tageskarte für einige günstiger wird, für wen wird sie dann teurer? Wenn sie nicht durch zusätzliche Besucher mehr Einnahmen bekommen, werden sie sich wohl das Geld über eine versteckte Erhöhung von allen Besuchern holen. Ich habe übrigens nicht den Eindruck, dass Verkäufer von Leistungen übermäßig viel Wert auf Transparenz bei der Preisgestaltung legen.
Und dann ist da noch die Frage, womit man mehr Besucher in das Skigebiet lockt. Nachdem ich im Dezember einige Male in Arosa zum Skifahren war, bin ich nun seit drei Jahren dort nicht mehr gewesen. Letztes Jahr war es zu warm zum beschneien, aber dieses Jahr und vor zwei Jahren war es kalt genug. Trotzdem war verhältnismässig wenig offen. Aktuell sind die Pisten am Brüggerhorn zu, ebenso die meisten am Hörnli, die schwarze am Weisshorn und Lenzerheide West ist mehr geschlossen als offen.
Daher meine ich, dass man in Arosa / Lenzerheide dringenderes zu tun hat, als ein neues Ticketsystem einzuführen.