Stillstand wäre wie ein Loch in der Schlagader von Braunwald
Trotz hohen Anforderungen, die das Bundesamt für Verkehr stellt, möchte Fritz Trümpi die Gumenbahn diesen Winter öffnen. Ausserdem plant er, aus der Bahn langfristig ein Erlebnismuseum zu machen.
von monika glavac
«Wenn die Gumenbahn nicht fahren darf, dann ist das wie ein Loch in der Schlagader von Braunwald», beschreibt Fritz Trümpi das Szenario im Fall eines völligen Stillstandes. Deshalb strebt er in Zusammenarbeit mit den Sportbahnen eine kurzfristige Lösung an.
Befristete Betriebsbewilligung
Vorgesehen ist vom 15. Dezember 2005 bis zum 15. April 2006 eine befristete Betriebsbewilligung zu erhalten. Dazu muss dem BAV ein aktualisierter Sicherheitsnachweis vorgelegt werden. Das BAV verfügt dann über eine eventuelle Öffnung oder Schliessung der Gumenbahn in diesem Winter.
«Die Vorschriften des BAV müssen erfüllt sein», dessen ist sich Fritz Trümpi bewusst. Die Aufträge für eine Sanierung der Bahn seien deshalb bereits vergeben. Eine Dokumentation, die dem BAV vorgelegt werden könne, sei im Entstehen. Die Finanzierung geht vom Verein aus, aber die Sportbahnen als Besitzer der Gumenbahn müssen beim BAV ein Gesuch für die Inbetriebnahme einreichen.
Ideen im Fall eines Stillstandes
Falls das BAV einen negativen Entscheid fällt, hat der umtriebige Präsident bereits mehrere Ausweichmöglichkeiten inpetto. So erwägt er etwa, einen Shuttlebetrieb mit einem Pistenfahrzeug anzubieten. Die Wintersportler würden vom Grotzenbühl bis zum Skilift transportiert werden, von wo aus sie bequem zum Restaurant Gumen gelangten. Fritz Trümpi ist der Besitzer vom Restaurant «Gumen». Die Frage, ob sich dieser Aufwand lohnt, nur um den Restaurantbetrieb zu gewährleisten, verneint er: «Für das Restaurant alleine lohnt es sich nicht, aber wir können Braunwald positiv ins Gespräch bringen.»
Um Braunwald für den Tourismus attraktiv zu gestalten, strebt Fritz Trümpi in einem langfristigen Vorhaben an, die Gumenbahn als Museumsbahn zu führen: «Das Glarnerland braucht einzigartige Attraktionen, um Besucher anzulocken.»
Geplant sei in der Tal- und Bergstation ein Bahn- und Tourismusmuseum. Um zur Bergstation zu gelangen, setzt man sich in die 58 Jahre alten Sessel und lässt sich hoch gondeln. «Damit wird das Museum zu einem Erlebnis», sagt Fritz Trümpi.
Goodwill der Behörden nötig
Dieses Projekt muss ebenfalls den Sicherheitsvorschriften des Bundesamtes für Verkehr genügen. «Vieles können wir problemlos erfüllen», so Fritz Trümpi. Für anderes müsse aber beim Bundesamt ein Antrag gestellt werden, ob für das spezielle Anliegen dieser Bahn die Vorschriften angepasst werden dürften.
Angestrebt wird die Möglichkeit einer Oldtimerverordnung durchzusetzen. Die Begrifflichkeiten seien unwesentlich (das BAV führt den Begriff «Oldtimerbahn» nicht), viel wichtiger sei es, das Projekt der Erhaltung der Gumenbahn zu realisieren.
«Es ist selbstverständlich, dass eine Oldtimerbahn genauso wie ein Oldtimerautomobil mit verminderter Geschwindigkeit und geringerer Kapazität fährt», erklärt Fritz Trümpi.
Kosten: 3 Millionen oder mehr
Der Verein für Geschichte und Zukunft von Braunwald hat sich das Ziel gesetzt, im nächsten Jahr mit der Umsetzung des Gumenbahn-Projektes zu beginnen. Eine Zustandsaufnahme und -dokumentation muss dem BAV vorgelegt werden und die Bewilligung für das Projekt erhalten werden. Darauf kann die Finanzplanung folgen; Fritz Trümpi rechnet mit drei Millionen Franken oder mehr. Das Projekt solle innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt werden. Damit keine Einbussen gemacht werden, ist Fritz Trümpi bestrebt, die Bahn auch während der Sanierungsarbeiten in Betrieb zu halten.
«Die Gumenbahn verdient es, erhalten zu bleiben, und wir liegen mit unserem Vorhaben im Trend», rechtfertigt Fritz Trümpi sein Engagement.