snowworld schrieb:
Weiß man eigentlich mit wieviel Prozent die DKM der Familie Schertenleib gehört?
Ich meine, zum Zeitpunkt der Fusion vor 20 Jahren waren es 40%.
Oberpfoiz42 schrieb:
Erst mal gut dass die Lizenz der PB bis 2030 verlängert wurde, sonst wäre die kommende Saison die letzte gewesen. Bei einem Besuch letzten Winter erzählte ein alter Liftler (ich weiss, das sind nicht echt die zuverlässigsten Quellen), dass sie aus dem Grund den einen Mitteltälli-SL stehengelassen haben. Pischa soll wohl (zum Glück!!! Grüsse von der Randgruppe

) auf jeden Fall weiterbetrieben werden und eine gebrauchte SB hätte dann Döfji-Mitteltälli Talstation verbinden sollen. Wäre natürlich ziemlicher Murks gewesen, zum einen für die Randgruppen, die dann ohne Ski oder Board mit dem SL nicht mehr zur Bergstation gekommen wären als auch für die Pistenskifahrer, da wäre eione Trassierung über Flüelamäder-SL sehr viel logischer gewesen.
Ich nehme mal an, dass (falls diese Pläne denn tatsächlich stimmen) sich die DKM nur angeschaut hat, welcher der 4 SL im technisch besten Gesamtzustand war und diesen dann hat stehen lassen.
Interessante Info. Das wäre eine ziemlich merkwürdige Lösung gewesen, da die Gruppe auf die man sich fokussieren will (Fussgänger Airborder etc.) keine Schlepplift benutzen können.
Skipapi schrieb:
Ich habe auch kritische Meinungen zu Schertenleib, aber: Die Gerüchte, dass Kaufangebote für Pischa vorgelegen hätten, wurden von der Muttergesellschaft wiederholt bestritten. Madrisa haben sie an Interessenten verkauft, von daher hat ihr Dementi eine gewisse Glaubwürdigkeit. Dass sie für den Erhalt von warmen Betten Hotels kaufen, halte ich für klug.
Parsenn steckte arg in der Klemme, als Schertenleib ans Ruder kam, es war keineswegs immer eine Goldgrube, auch das Jakobshorn hat er gross gemacht. Dass die Tochtergesellschaften selbst bestehen müssen, hat daher Berechtigung. Es soll kein Geld der rentablen Muttergesellschaft DKM mit unrentablen Nebenzweigen vernichtet werden. Ich unterstütze das kultige Rinerhorn nach Kräften, fahre lieber dort und in Madrisa, als am Jakobshorn. An Knowhow kriegen die Tochtergesellschaften ja durchaus Unterstützung von der DKM.
Die Strategie der letzten 20 Jahre hat aus meiner Sicht positive sowie negative Aspekte.
Positiv:
1) Man hat richtig gehandelt, indem man einen Schwerpunkt auf Investitionen in die Beschneiung gelegt hat. Die vergangenen 10 Jahre haben gezeigt, dass selbst der modernste Lift nutzlos ist, wenn einfach kein Schnee liegt.
2)Die umfassende Übernahme von Hotels hat zahlreiche warme Betten im Ort erhalten, die sonst verloren gegangen wären. Allgemein leidet Davos unter einer Überkapazität an Hotels, und ohne das WEF gäbe es vermutlich viele davon bereits nicht mehr. Die DKB entwickeln sich zwar immer mehr zu einem dominierenden Monopolisten im Ort, aber bisher scheint dies Davos mehr zu nutzen als zu schaden.
3)Man ist solide finanziert, wirtschaftlich erfolgreich und hat nie die öffentliche Hand zur Finanzierung herangezogen. Risikoreiche Unternehmungen wie der "Hammer Deal" vor einigen Jahren werden vermieden.
4)Die DKB scheinen aufrichtig bemüht zu sein, ihren Kunden attraktive Angebote zu bieten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die außergewöhnlich frühe Öffnung der Skigebiete, sobald es die Wetterbedingungen erlauben.
Negativ:
1)Die einseitige Fokussierung auf Investitionen am Jakobshorn: Obwohl dieses Gebiet mittlerweile übermodernisiert ist (und meiner Meinung nach auch ziemlich langweilig), fließen jährlich Luxusinvestitionen in das Jakobshorn, während andere Gebiete dringenderes Geld benötigen. Es scheint, dass das Jakobshorn aus emotionalen Gründen der Familie Schertenleib bevorzugt wird. Selbst bei finanzieller Argumentation sollte der Großteil der Mittel eigentlich in die Cashcow Parsenn investiert werden. Die Krönung wäre der komplette Neubau der zweiten Sektion der Jakobshornbahn gewesen. Glücklicherweise hat die Corona-Pandemie die DKB hier zur Vernunft gebracht…
2)Die bewusste Ausgrenzung von Schatzalp/Strela: Die Entscheidung, eine bestehende Verbindungsbahn abzureißen, ist nach der Toggenburg-Geschichte der zweitabsurdeste Seilbahnstreit in der Schweiz. Hier scheint ein persönlicher Zwist zwischen den beiden Hauptakteuren im Hintergrund ausschlaggebend zu sein. Dabei schadet man bewusst dem Ort, der Destination, den Aktionären und letztlich auch sich selbst.
3)Die "kleinen" Gebiete werden zurückgehalten: Ja, Pischa und Rinerhorn sind abgelegen, und ja, es findet scheinbar ein Know-how-Transfer zu den Tochterunternehmen statt. Außerdem gibt es mit Sicherheit Synergien die genutzt werden. Dennoch bleiben beide Gebiete weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, da sie sämtliche Investitionen aus ihrem Cashflow finanzieren müssen, was Großprojekte unmöglich macht. Wenn die DKB sich nicht finanziell engagieren wollen, sollten sie die Gebiete loslassen und ihnen die Chance zur eigenständigen Entwicklung geben. Bezeichnend ist, dass die DKB für die neue Beschneiung auf dem Rinerhorn nur ein geringes Darlehen von 1 Million CHF zur Verfügung gestellt haben. Auf der Madrisa lief es jahrelang genauso, wie an der Sparvariante der Zubringerbahn zu sehen ist. Investitionen und Visionen wurden stets blockiert, mit dem Vorwand, dass die Ertragslage dies nicht zulasse. Ich vermute, dass in Klosters der politische Druck irgendwann zu groß wurde, woraufhin glücklicherweise die Investorengruppe zum Zug kam. Es scheint, als ob die DKB unliebsame Konkurrenz zu Jakobshorn und Parsenn bewusst kleinhalten möchten. Ich habe bereits oft gehört, dass Leute während ihres Aufenthalts in Davos nur auf Parsenn und Jakobshorn gehen und das Rinerhorn meiden, da es dort nur Schlepplifte gibt…
4)Mangelnde Visionen: Einst gehörte Davos zu den Top-Destinationen und Pionieren der Alpen, mit Strahlkraft weit über Graubünden hinaus. Diese Zeit ist leider vorbei. Egal, ob ALH mit der Verbindungsbahn, FLF mit der Revolution am Berg, Zermatt mit der 3S, oder Grindelwald mit der V-Bahn – überall wird in die Zukunft investiert und mit Leuchtturmprojekten eine Weiterentwicklung angestrebt. In Davos hingegen wird seit 20 Jahren nur der Bestand verwaltet oder das Angebot sogar kontinuierlich reduziert. Warum wird die einzigartige Küblis-Abfahrt zur Route degradiert, obwohl die Gemeinden bereits Interesse an Beschneiung signalisiert haben? Warum wird die Verbindung Jakobshorn-Rinerhorn nicht weiterverfolgt, obwohl dadurch das Jakobshorn attraktiver und das Rinerhorn besser ausgelastet würde? In Davos fehlt es einfach an Mut für Neuerungen, und vieles bleibt weit hinter seinem Potential zurück.