Im Forum Schnee-Bericht wird über das Fondei diskutiert. Da es dabei auch um den weiteren Ausbau des Parsenn-Gebietes geht, erlaube ich mir, meine Einschätzung hierher zu verlegen, ich hoffe das ist OK für Euch!
Zudem: In der betroffenen Gegend (Fondei) hat sich die Bevölkerung vehement gegen einen weiteren Ausbau des Skigebiets gestemmt...
Hier muss ich vehement widersprechen :
Die Bevölkerung von Langwies hatte insgesamt drei(!) Abstimmungen zu diesem Thema und hat bei der dritten Abstimmung mit 61 zu 56 Stimmen einer Wintersportzone zugestimmt.
Nun wird ja von von NGOs gerne eine starke Mitwirkung der Bevölkerung gefordert, aber nur anerkannt wenn die Abstimmung in ihrem Sinne ausgeht.
In diesem Fall war das nicht der Fall und es wurde vor das Verwaltungsgericht gezogen. Dort wurde die Bündner Regierung verpflichtet, die Zonen dort vorhandener Moore neu zu ziehen. Das ist bisher noch nicht erfolgt.
Einschätzung:
Ursprünglich war durch die Davos-Parsenn-Bahnen geplant, den gesamten Talboden mit mehreren Sesselbahnen zu erschliessen, dies vom Weissfluhgipfel, vom Kreuzweg und vom Fürggli aus. Der Anschluss Richtung Fideris galt dann eher den dortigen Talabfahrten.
Die Pläne dazu entstanden durch ecosign, und wir sahen/sehen ja in Zermatt und Andermatt, dass deren Pläne zwar das maximal Wünschenswerte darstellen, aber auf das gesetzgeberisch mögliche (Zonenpläne!) weniger eingehen.
In der entscheidenden Zeit folgte ein Wechsel im Aufsichtsrat und der Geschäftsleitung und die Fusion zu den Davos-Klosters-Mountains.
Daraufhin wurden die Prioritäten verschoben und es erfolgten der Neubau der Zubringerbahnen, der Ersatz der Skilifte durch Sesselbahnen und eine weitflächige Erschliessung durch Beschneiungsanlagen.
Die Zahlen (Besucher und finanzielle!) geben der aktuellen Strategie recht. Insbesondere die deutliche Kapazitätssteigerung der Parsenn-Zubringerbahn hat das Gebiet aufgewertet (auch dessen Ruf!).
Zwar steht jetzt der Neubau der Parsennbahn Sek2, der weitere Ausbau der Beschneiungsanlage, und irgendwann die Sesselbahn Parsenn-Furka an (und auf der anderen Talseite ev. die Verbindungsbahn Rinerhorn-Jakobshorn).
Aber man wird nach deren Realisierung sicher schauen, wohin man das Gebiet weiterentwickelt.
Dabei gibt es mehrere anzugehende Probleme :
* Die Anzahl schwarzer Pisten mit direkter Rückbeförderung ist zu gering. Hier gibt es immer noch die Überlegung, die Meierhof-Wolfgang-Piste mit einer Sessel- oder Gondelbahn zur Rückbeförderung zu erschliessen
* Auch wenn der Ausbau der RhB und der Prättigauerstrasse für eine raschere Anreise sorgt, braucht man bis Klosters (Gotschnabahn) immer noch recht lange. Bei der Anreise mit dem Auto kommt das Parkplatzproblem hinzu. Ausserdem hat die Gotschnabahn eher Kapazitätsprobleme am Vormittag als die Parsennbahn, die dererlei Probleme fast nicht mehr kennt. Beim Bau der Schiferbahn kam von Seiten Gotschna und Klosters die grösste Opposition gegen die 3.Sektion Schifer-Serneus. Nach der Fusion hat diese Opposition stark nachgelassen, so dass längerfristig eine 3.Sektion Richtung Serneus/Saas/Küblis denkbar ist - sowohl als Zubringer als auch als Beschäftigungsanlage einer Piste ins Prättigau, welche in den letzten Jahren wieder recht lange befahrbar waren.
* Und dann geht es auch um einen Ausbau des Gebietes. Aus verschiedenen Gründen war man gegen einen Zusammenschluss mit Strela und jetzt scheint dieser Zug auch abgefahren zu sein. Möglich wäre also ein Zusammenschluss mit den Fideriser Heuberge. Die Moor-Problematik liesse sich durch einen Korridor "Sesselbahn/Skiabfahrt" als Kompromiss lösen. Ob in diesem Kompromiss auch eine Talabfahrt Richtung Langwies Platz fände müsste man schauen.
Unstrittig bleibt eins: die Skigebiete im Alpenraum unterliegen einem Wandel. Die Urlauber achten auf die Schneesicherheit und die Grösse (dies zeigen ja auch spektakuläre Zusammenschlüsse in den letzten Jahren). Ziehen wir Schweizer hier nicht mit, werden wir dies an den Winter-Besucherzahlen bemerken.
Insbesondere Davos hat hier viele Chancen. Durch den Ausbau des Kongress-Zentrums und dem Neubau einiger 4* und5*+ Hotels soll hier der Teufelskreis (keiner Hotels in der Zwischensaison geöffnet, also keine Kongresse - keine Kongresse, also keine Hotels in der Zwischensaison geöffnet) durchbrochen werden.
Mit dieser Entwicklung weg von der Saison- hin zur Ganzjahres-Destination wird auch die Zahl der Skifahrer weiter zunehmen und eine Lösung der angesprochenen Probleme anstehen.
Daher ist der Zug für eine massvolle Ski-Nutzung des Fondei noch nicht abgefahren, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Unterstützung in der Bevölkerung.
Und auch die Davos-Parsenn-Bahnen haben sich nicht vom Projekt verabschiedet, sondern im Januar 1999 erklärt, dass das Projekt Fondei aufgrund anderer Projekte in den nächsten 15 Jahren nicht zur Realisierung anstünde. Schauen wir also mal, wie es in fünf Jahren aussieht...