gorner schrieb:
Aber da die kleinen nur als Tochtergesellschaften geführt werden, hat der Konzern eine gute Ausrede.. Ich kann mich gut erinnern, dass diese Gebiete auch noch Mitte der 90er gut dastanden.. Es gab damals sogar auf Pischa Pläne für KSB's... Aber die Entwicklung war zu schnell und nach der Fusion wurden die kleinen leider einfach ihrem Schicksal überlassen
Naja, zumindest das Rinerhorn steht heute besser da als in den 90er Jahren vor dem Einstieg von Schertenleib (s. Artikel Handelszeitung aus dem Jahr 1999). Hätten die Parsennbahnen damals im Investitionsrausch auch noch Pischa ausgebaut/modernisiert, wäre einfach der Kollaps und die Sanierung durch Schertenleib zwei / drei Jahre früher gekommen.
"Handelszeitung vom 01.12.1999, 48/99
Schulterschlussin Davos
Bergbahnen/Parsenn und Jakobshorn vor Fusion? Reto Schlatter*
Mit dem Startschuss zur Wintersaison 99/00 ist in Davos der Grundstein zu einer gemeinsamen Zukunft der lokalen Bergbahnen gelegt worden. Die Grundsteinlegung erfolgte anlässlich der Generalversammlung der AG Davos-Parsenn-Bahnen (DPB) von letzter Woche und muss als eigentliche Überraschung gewertet werden. Möglich gemacht hat diese Entwicklung Carlo Schertenleib, seines Zeichens Hauptaktionär und Delegierter des Verwaltungsrates der Bergbahnen Brämabüel & Jakobshorn AG (BBBJ). Schertenleib hat nicht nur ein grösseres Aktienpaket der DPB übernommen, er ist auch neu in den Verwaltungsrat der Parsenn-Bahnen eingezogen.
Unterschiedliche Entwicklung
Die beiden Davoser Gesellschaften Parsenn (zu der auch die Anlagen auf der Pischa und dem Rinerhorn gehören) und Jakobshorn haben in der Vergangenheit insofern für Aufsehen gesorgt, als sie sich nicht nur gegenseitig nichts schenkten, sondern sich auch völlig unterschiedlich entwickelten. Die Verkehrserträge stiegen am Jakobshorn seit 1991 um knapp 70%, während sie auf der Parsenn praktisch stagnierten. Das Jakobshorn schaffte den Aufschwung mit gezielten Investitionen und klar fokussiertem Snöber-Marketing. HSG-Tourismus-Professor Thomas Bieger bezeichnete denn auch in einem Interview mit der «HandelsZeitung» das Jakobshorn als «eines der besten und fortschrittlichsten Bergbahnunternehmen der Schweiz».
Davon kann beim (einstigen) Konkurrenten Parsenn nicht die Rede sein (siehe Nr. 47 vom 24.11.1999). Das letzte Geschäftsjahr beendete die DPB mit einem Fehlbetrag von 6,3 Mio Fr. bei Sonderabschreibungen von 4,7 Mio Fr. «Überlupft» hat sich die DPB vor allem mit ihrem Engagement bei der vor dem Konkurs stehenden Rinerhorn-Bahn. (An dieser war übrigens auch Schertenleib vom Jakobshorn interessiert gewesen, doch hat er offenbar nicht genügend zahlen wollen).
DPB-Verwaltungsratspräsident Andreas J. Gredig zeigte sich vor den in grosser Zahl aufmarschierten Aktionären nicht mehr willens, den Einstieg beim Rinerhorn, der schon drei Jahre zurückliegt, weiter zu kommentieren. «Nur dort, wo gearbeitet wird, ereignen sich Irrtümer», rechtfertigte sich Gredig lapidar, was von der mehrheitlich von Davosern besuchten GV stillschweigend goutiert wurde.
Verantwortlichkeitsklage
Diesen Irrtümern auf den Grund gehen wollte einzig der Zürcher Anwalt Jürg Plattner. Das Kind Parsenn sei unter die Fuchtel von schlechten Pflegeeltern geraten, wiederholte er seine im Vorfeld der GV geäusserte Kritik. Diese richtete sich gegen die fünf abtretenden Verwaltungsräte. Plattners Antrag auf Verweigerung der Décharge erlitt bei den 560 Aktionären jedoch deutlich Schiffbruch. Jetzt will es Plattner noch mit einer Verantwortlichkeitsklage versuchen.
Einen Erfolg verbuchen konnte Plattner hingegen bei der Neuwahl des Verwaltungsrates. Noch vor drei Wochen war von einem Einstieg eines Jakobshorn-Mächtigen bei der Parsenn nicht die Rede gewesen. Stattdessen hätten weitere «Platzhirsche» versuchen sollen, das nötige Kleingeld für die Erneuerung der Stammlinie (rund 30 Mio Fr.) aufzutreiben. Bei einem Cashflow von 2,4 Mio Fr. kein leichtes Unterfangen. Anzunehmen ist, dass der neue DPB-Verwaltungsratspräsident, Hans-Peter Pleisch, von den Banken zu einem Befreiungsschlag gedrängt wurde. Mit dem Einstieg Schertenleibs ist dies nun geschehen. Ein Zusammengehen der einstigen Kontrahenten ist jetzt absehbar."