Es wird immer davon ausgegangen, dass nur ganz neue Bahnen betriebswirtschaftlich Sinn machen. Aber dass Tourismus nicht immer nur nach absolut betriebswirtschaftlichen Kriterien führbar ist, sollte sich etwas mehr durchsetzen. Grosse Finanzlasten auf einmal führen wohl dazu, dass günstige Zinsbedingungen ausgehandelt werden können, dass ein Produkt gebaut werden kann, welches gerade topmodern ist, aber auch dazu, dass grosse Investitionen auf einmal getätigt werden und dann lange Durststrecken folgen, was für die Bestandspflege, Innovationskraft usw. Folgen hat. Die letzten Punkte sind aber für ein Skigebiet mittlerer Grösse absolut zentrale Dinge - meiner Meinung nach. Lieber regelmässig und im mittleren Bereich investieren und immer wieder mal was neues haben, als grosse Würfe und dann herrscht 20 Jahre finanzielle Starre (Saas Fee usw.). So kann man sich echt weiterentwickeln über die Zeit. Machen und nicht ewig von Megakonzepten träumen.
Konkret in Savognin: Man könnte Laritg durch ne Occasion ersetzten (Lenzerheide Schwarzhorn wäre doch herrlich gewesen...), Man baut EINE 6er KSB in Radons, verlängert, nicht zu viel Kapazität, aber von der Auslegung so, dass diese später noch massiv erhöht werden könnte, zuerst keine Hauben, die kann man auch später noch kaufen. Cartas als verkürzter, kurzer Skilift (wie im Plan oben). Solche Investitionen sind einiges günstiger, sparsam und erlauben bald wieder neue Investitionen. So ist eine Modernisierung etapierbar und der Gast hat das Gefühl, das ständig investiert wird (ist ja gerade das, was so störend von Einheimischen und Gästen wahrgenommen wird). Ist in der Gesamtsumme leicht teurer, aber kontrollierbarer als Langzeitschulden, die alles lahmlegen.
Provokativer Vorschlag: Naladas durch fixe Sesselbahn ersetzten. Wenig Wartungskosten, Sesselbahn im Pistenplan (wichtiger als man denkt).
Und wie so oft, es werden die Softskills vergessen: Hausaufgaben machen, pflegen. Stationen neu streichen, Sitzpolster tauschen, schöne Schilder, Pistenpläne und Tore an den Bahnen wie in Frankreich anbringen, Geld in gute Webseite investieren (einfach nur GR-Template ist fad). Schöne Kassen anstatt Container, auf freundlich getrimmte Mitarbeiter, die am Sessel/Gondel stehen und grüssen und nicht nur im Kabuff sitzen, gratis Glühwein an kalten Tagen, Sonnencreme-Muster im Frühling, innovative Werbekonzepte usw.
Fazit: Marketing ist nicht nur "Märkte bearbeiten" und Prospekte versenden, ab und zu n langweiliger "Event" planen. Sondern eben viel mehr Detailversessenheit und Kreativität. Eine Skigebiet sanieren ist nicht nur "BWL aus dem Lehrbuch" und Bahnen ab Stange à la "da Gast, zwar das Neueste, aber in der hässlichsten und billigsten Ausführung mit Plastikstation und Container, weil es uns so am günstigsten kommt", sondern eine Strategie, ein Wille, sich immer und immer wieder neu zu erfinden und zu ERNEUERN.