Ich hab jetzt das Buch nicht gelesen, sondern lediglich das Interview.
Was mir nicht gefällt, dass er alles wie Kraut und Rüben durcheinander haut. Er vermischt Planungsfehler, historische Dinge und dann kommt auch noch der Moralapostel zum Vorschein.
Das Moralische sollte man außen vorlassen. Wenn Skifahrer Sexpuppen in die Hotels mitschleppen oder Sexpartys machen, dann ist das ausschließlich ihre Sache. Der Gast bezahlt den Hotelier für seine Vermietungszeit und der Hotelier hat sich da gefälligst rauszuhalten, wenn die Hotelgäste mit Sexpuppen ins Bett gehen oder Sexpartys machen. So einfach ist das.
Richtig ist aber, dass in den Alpen oft ganz massive Planungsfehler gemacht worden sind. Der Autoverkehr ist viel zu stark und man sollte nun wirklich ernsthaft darüber nachdenken, konsequent die Schiene auszubauen. Wie schon in einem anderen Thread diskutiert, gibt es Machbarkeitsstudien und Überlegungen, eine Eisenbahn nach Hintertux zu bauen. Klar, es ist mit einem beträchtlichen Aufwand verbunden, eine Eisenbahn nach Sölden, Ranalt oder Ischgl zu bauen und die Orte - genauso wie Zermatt - autofrei zu machen. Aber ausgeschlossen ist das keineswegs. Wenn man sieht, wie in Graubünden die Eisenbahnpioniere die Berninabahn gebaut haben und auch sonst Graubünden etliche interessante Strecken aufzuweisen hat, dann muss man wirklich ernsthaft darüber nachdenken, hier Nägel mit Köpfen zu machen. Wenn der politische Wille da wäre, dann wäre das sehr wohl machbar. Wenn ich aber sehe, dass man es noch nicht einmal schafft, in Mayrhofen die Zillertalbahn bis zur Penkenbahn und zur Ahornbahn einen einzigen Kilometer zu verlängern, dann muss man sich schon die Frage stellen, was denn überhaupt noch gelingen soll. Auch in Österreich ist das so wie bei uns in Deutschland, dass etliche politische Bedenkenträger alles so lange zerreden, bis von den Ideen gar nichts mehr übrigbleibt. Etliche Politiker haben eine meisterhafte Gabe mit etlichen neuen Anträgen, neuen Anfragen, neuen Gutachten, neuen Expertisen so lange nach einem Haar in der Suppe zu suchen, bis nach der nächsten Wahl das Projekt beerdigt wird, weil wieder eine andere tagespolitische Sau durch die Presse gejagt wird.
Vor 100 Jahren war man wesentlich ehrgeiziger. Es gab übrigens mal Pläne in Südtirol im Bereich der Dolomiten ein Seilbahnsystem als ÖPNV zu errichten. Damals fuhr im Grödnertal sogar noch die Eisenbahn bis Wolkenstein. Aber auch hier hat man alles kaputtgeschlagen. Auch die Eisenbahn von Bozen nach Kaltern wurde abgebaut, die Straßenbahn Bozen kaputtgeschlagen und heute weiß man nicht mehr, wie man die ganzen Staus in den Griff bekommen soll, so dass Leitner inzwischen ein Seilbahnsystem als ÖPNV für Bozen vorgeschlagen hat.
Es ist also unbestritten, dass der Verkehr in den Alpen, der die Umweltbelastung Nummer 1 ist, wirklich mal konsequent von der Straße auf die Schiene verlagert werden muss.
Der dritte Aspekt, der im Interview zum Ausdruck kommt, ist das öffentliche Verhalten einiger Skifahrer. Offenbar geht es um besoffene Skifahrer und laute Partys.
Da bin ich aber der Meinung, dass das ganz im Ermessen der jeweiligen Gemeinde liegt, ob lautstarke Krachpartys genehmigt werden. Wir haben in München Lärmpegelgrenzwerte und wenn die überschritten werden, dann werden die Konzerte eben nicht mehr genehmigt. Ganz einfach. Ich weiß jetzt nicht, wie laut die Konzerte in Ischgl oder sonst wo sind, aber wenn da gesetzliche Lärmschutzgrenzwerte überschritten werden, dann steht doch der Gerichtsweg offen. Wir hatten das Problem in München teilweise auch und jetzt hat man eben eine Kompromisslösung gefunden, dass teilweise die Biergärten bis 0 Uhr auf haben. Und wenn sich die Biergartenbenutzer daneben benehmen (knallende Autotüren, Huperei mitten in der Nacht usw.) dann werden die Genehmigungen eben widerrufen. Also reißen sich die Biergartengäste schon im eigenen Interesse zusammen und grölen nicht mitten in der Nacht lauthals alles zusammen und wecken die schlafenden Anwohner.
Da bin ich dann der Meinung, sollte dann ein Kompromiss gefunden werden können.
In einigen Punkten gebe ich ihm recht, aber ein Teil ist auch für mich total überzeichnet. Der Bereich, wo er sich als Moralapostel aufspielt, gefällt mir überhaupt nicht. Ich habe gerade nachgeschaut. Auch in Österreich ist die legale Altersgrenze 14 Jahre. Wenn sich also die Jugendlichen nach einem Skitag im Bett austoben, dann soll ihm das doch egal sein.