Zu den Niederösterreichischen Gebieten muss ich jetzt auch mal meinen Senf dazu geben,
schließlich bin ich seit Jahren beinahe jedes Wochenende im Winter in den diversen Destinationen der Schiregion Ostalpen mit meinen Schiern unterwegs.
Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass irgendeines der NÖ-Schigebiete ohne Zuschüsse lebensfähig ist. Ich bin ja nicht deshalb jedes Wochenende in NÖ schifahren, weil die Gebiete so toll sind, sondern weil es im zwei Stunden Umkreis von Wien nichts Besseres gibt. Mindestens drei Stunden pro Richtung unterwegs zu sein, um etwa in die 4-Berge ins Ennstal zu kommen, ist mir zu anstrengend und mache ich deshalb nur sehr selten. Also punkten die NÖ-Gebiete bei mir nur durch ihre Nähe.
Nur von den Tagesgästen am Wochenende zu leben, ist wohl ein bisschen zu wenig, vor allem dann, wenn so wie in der vergangenen Saison beinahe jedes Wochenende von Schlechtwetter geprägt ist. Nur warum sollten Gäste eine Woche in NÖ Schiurlaub machen? Oder anders gefragt: Wer ist das Zielpublikum für einen Urlaub in NÖ?
Sportliche, gute Wintersportler werden sich so wie ich eher für größere Schigebiete entscheiden. Ich kann einer Woche in den Dolomiten mehr abgewinnen, als in NÖ. Also soll NÖ bei Familien und Einsteigern punkten, so die Landesrätin. Aber was bietet NÖ dieser Zielgruppe an, was andere nicht haben?
Wenn ich auf das einzige gut ausgelastete Schigebiet in der Ostregion, dem Stuhleck schaue, sieht man, was die breite Masse anspricht: Extrem breite Pistenautobahnen, die im leichten bis mittelschweren Gefälle von schnellen Aufstiegsanlagen erschlossen werden und direkt an der Autobahn liegen.
Diese Anforderung erfüllt in NÖ kein Gebiet. Topografisch könnte St. Corona mithalten, dort sind aber die Pisten sehr schmal und nur durch langsame Anlagen erschlossen. Die Entfernung zur Autobahn hält sich in Grenzen. Mönichkirchen hat zwar zwei schnelle Anlagen, jedoch erfüllt die eine nur eine Zubringerfunktion und erschließt eine Anfängerpiste, und die andere hat im unteren Abschnitt eine für Familien und Einsteiger für das Gefälle zu schmale Piste; topografisch also nicht sehr ideal. Der Hirschenkogel ist für das gewünschte Zielpublikum wohl auch zu anspruchsvoll und die einzige Einsteigerpiste windet sich in einem relativ schmalen Bogen um den Berg herunter. Die Gemeindealpe hat eine der steilsten Pisten überhaupt. Für die Zielgruppe bleibt nur ein schmaler Schiweg in der oberen Sektion, in der unteren muss man im Flachstück bei jeder Abfahrt schieben. Lackenhof hat für Einsteiger zwar einige schöne blaue Pisten, abgesehen von jener beim Fuchswaldschlepplift sind sie jedoch sehr schmal. Wenn man sich dort steigern will, ist man sehr eingeschränkt, denn die schwarzen Pisten sind für Profis und die roten ebenfalls eher anspruchsvoll (Distelpiste oben ist eher schwarz, Riffelabfahrt sehr schmal).
Und warum sollten Einsteiger aus Wien oder Bratislava am Hochkar Urlaub machen? Sind schon Gemeindealpe und Lackenhof nicht in Autobahnnähe, ist es beim Hochkar besonders extrem. Da nimmt man doch gleich lieber eine 30 bis 45-minütig längere Anreise in Kauf, und fährt zum Kreischberg (lange, breite, flache Pisten im Bereich Sunshine und Ochsenberg. Anreise über Autobahn und gut ausgebaute Bundesstraße im Tal).
Mein Fazit: Wenn also das Zielpublikum aus den Ballungsräumen in den NÖ-Schigebieten Urlaub machen soll, dann muss man auch etwas bieten. Doch da sehe ich leider kaum Chancen. Deshalb werden wir nach Sonnwendstein, Eibl, Hohenberger Gschwendt, teilweise Muckenkogel,... in nächster Zeit wohl noch mehr Schigebiete in NÖ sterben sehen.