CruisingT
Großer Müggelberg (115m)
- Registriert
- 01. Aug. 2008
- Beiträge
- 473
- Reaktionspunkte
- 0
@seilbahner
Zwei Fragen an dich als Experten und Insider:
- Nach welchen Kriterien werden Fördermittel/Subventionen in Bayern, in Deutschland und von der EU für Seilbahnbetriebe vergeben?
- Über welche Zeiträume werden Seilbahnen idR abgeschrieben und welche Finanzierungsmodelle mit welchen Belastungen werden normalerweise angewendet?
@citta & seilbahner
An anderer Stelle wurde ja schon mal erwähnt, dass während der Saison 6-Tage-Wochen bei euch die Regel sind. Wie ist es um die tägliche Arbeitszeit bestellt? Gelten da irgendwelche sonst üblichen tarifvertraglichen und/oder gesetzlichen Obergrenzen (häufig: max 10h/Tag, gesetzlich: 11h zwischen zwei Schichten, etc.)? Wie wird die Jahresarbeitsleistung berechnet? – Über andernorts übliche Jahres-/Langzeitkonten, Freizeitausgleich (FZA) oder wie?
Bedeutet eine Verlängerung der Saison aus der persönlichen Sicht Verzicht auf angehäufte Überstunden (werden diese berechnet, angerechnet?) und/oder Urlaub?
Ich frage aus ernsthaften und aufrichtigen Interesse und wäre auch dankbar, wenn ihr über diese Seite eures Berufs Auskunft geben würdet.
Hier wird ja gerne und viel über die „Hardware“ gesprochen und diskutiert, aber die Menschen dahinter sind ja relativ selten Gegenstand des Interesses.
@Pilatus
Zermatt und auch St.Moritz sind wohl zwei ziemlich spezielle Fälle. Du könntest ebenso berechtigter weise die Frage stellen, wieso Zermatt mehr fürs gleiche verlangt als Cervinia.
Ohne es untermauern und belegen zu können, denke ich, dass hier zwei Faktoren – pauschalisiert – gewichtig sind:
- Die allgemeinen Investitions- und Betriebskosten in hochalpinen Regionen dürften wohl etwas höher sein als in niederen. Dieses Argument ist aber ein rein deduktives meinerseits, welches gerne auch widerlegt werden darf.
- Stichhaltiger dürfte eher sein, dass diese Destinationen es sich schlicht weg erlauben können, dem Kunden den Preis zu diktieren. Beide stellen auf ihre Art und Weise eine Besonderheit in der europäischen Tourismuslandschaft dar und werden vom zahlenden Groß schlicht weg nicht hinterfragt.
Zwei Sachen an deiner Argumentation sind allerdings zu hinterfragen – hier können uns vielleicht auch wieder die involvierten Experten dank ihrer alltäglichen Erfahrung helfen und Aufschluss geben:
- Steigt die Anzahlt der Gäste wirklich auch linear zum Angebot oder variiert die Kurve „Relation Infrastruktur zu Gästezahl“ an irgendeiner Stelle?
- Entwickeln sich Kosten linear?
Hier werden sicher sehr viele, sehr individuelle Faktoren eine Rolle spielen. Eine Anfangsinvestition in eine Beschneiung (erster Teich, erste Pumpanlage, erste Leitungen, erste Schneeerzeuger) fallen für ein kleines Gebiet prozentual zum Umsatz sicherlich anders in Gewicht als eine Erweiterung für ein Großes, klar. Aber wie schaut es danach aus? Wie sehr steigen laufende Kosten in Abhängigkeit der Größe, der Topographie, der Saisondauer, des Saisonstarts, der Planierarbeit des Geländes, des größeren Fuhrparks, des gesteigerten Wartungsaufwands im Sommer mit einhergehender höheren Zahl von Ganzjahreskräften und umfangreicherer Verwaltung, etc, etc, etc …
Wie geschrieben: An dieser Stelle würde ich mich sehr über Insider-Erfahrungen freuen, die Fakten in die Diskussion einfließen lassen.
Seilbahner? Citta? Theo? Andere?
@all
@Stichwort Subventionen & Infrastruktur
Dieses Thema ist wohl ohne jeden Zweifel komplex und entzieht sich ausschließlich objektiven Bewertungen. Hier spielt „Gesellschaftlicher Wille und Relevanz“ wie auch „demokratische Legitimation“ und „politische Zielsetzung“ eine Rolle. Vieles andere auch noch – definitiv ist hier von einem Thema die Rede, dass aus Sicht der persönlichen Interessen „übergeordnet“ behandelt und vermeintlich angesiedelt ist.
Es scheint „grundsätzlich einen gesellschaftlichen Konsens“ zu geben, der besagt, dass der Staat (und/oder vergleichbare Institutionen) Investitionen zu tragen und zu betreiben hat, die das allgemeine Volkswohl erhalten oder steigern und eine allgemeine Chancengleichheit wie Versorgungssicherheit gewähren.
Diesem Konsens gesellen sich gewisse infrastrukturelle wie andersartige Pflichten für die Exekutive als auch die Legislative durch die Verfassungen hinzu. Überdies kommen dann „demokratisch“ „legitimierte“ Handlungsspielräume für die Entscheidungsträger hinzu.
So gewährt der Straßenbau jedem Steuerzahler und Mitglied einer demokratischen Gemeinschaft die persönliche wie berufliche Selbstbestimmung. Selbiges gilt auch für den ÖPNV. Sicherlich, außerhalb der Stoßzeiten wird er auch unrentabel für Freizeitaktivitäten genutzt – gewährt aber auch Polizisten, Krankenschwestern, Kellnern und anderen Berufstätigen mit niedrigem Einkommen (teils zu gering um ein unterhalten zu können) im Rahmen des Schichtbetriebs ihren Arbeitsplatz und indirekt hoheitliche Aufgaben wahr zu nehmen. Ergo liegt sogar ein öffentliches Interesse, z.B. das der Volksgesundheit, hinter der Subventionierung.
Zudem steht hinter Subventionen und Förderungen noch ein anderer Aspekt:
Durch die Subvention in Höhe X werden überhaupt erst privatwirtschaftliche Unternehmungen ermöglicht. Hier wird nicht immer, kann aber durchaus eine Abwägung „Kosten – Nutzen“ durchaus ergeben, dass die Subventionierung volkswirtschaftlich billiger ist als die Landflucht/Verbrachung/Aufgabe von Sektoren/etc, etc, etc – dies ist die Lenkungs- und Steueroption die politische Entscheidungsträger nun mal in unserem System inne haben.
Daher ist eine klare Differenzierung erforderlich:
Eine Hungerburgbahn mag dem Skigebiet dienen und zugleich ein „öffentliches Verkehrsmittel“ im klassischen Sinne sein und daher auch im Betrieb stark subventioniert werden damit sich ein jeder das leisten kann.
Anders schaut es aber in einem Tal XY aus, das zur Subventionierung (unabhängig von Remodulation und KSBs) die Alternative bietet, die gesamte Dorfgemeinschaft abwandern zu sehen oder per Sozialtransfers direkt zu unterhalten. Hier kann die Subventionierung durchaus die billigere Variante im volkswirtschaftlichen Sinne sein, da ein ordentlicher Anstoß sehr viel mehr ins Rollen bringt – vor allem den Erhalt lokaler Strukturen, die anderweitig kippen.
Diese Form der Subventionierung hat nichts mit persönlichen Interessen unsererseits zu tun, ebenso wenig mit „infrastruktureller Investition im Sinne des ÖPNV“. Hier geht es um strukturelle, regionale Förderung (über die allerdings auch gerne gestritten werden kann und wird – daher auch gerne Zankapfel politischer Kasten ist). Auf dieser Schiene argumentiert kann jeder deutscher Steuerzahler einfordern, dass er einen vergünstigten VW der BMW erstehen darf – immerhin wurden die Werke in Leipzig (oder war‘s Dresden) massiv von Staat und EU gefördert. Verlangt dies jemand?
Zugegeben – inzwischen gibt es flächendeckend Studiengebühren (die ich persönlich genauso ablehne wie Kita- und Kindergartengebühren). Von einem kostendeckenden Unibetrieb kann dennoch nicht die Rede sein. Wieso also sollten nicht sämtliche Haupt- und Realschulabsolventen eine Nicht-Subventionierung des Gymnasiums und der FHs und der Unis fordern?
Um es kurz zusammen zu fassen:
- Ja, die Förderung von Skigebieten verzerrt den Wettbewerb massiv.
- Die Förderung von Skigebieten ist ein politisches Steuerinstrument, welches uU höhere Alternativkosten (wirtschaftlich: Opportunitätskosten) kompensiert. Eine genaue Beurteilung ist wohl nur unter Kenntnis zahlreicher Fakten im Einzelfall möglich.
- Eine Förderung privater Unternehmen kann aus übergeordneter Sicht durchaus allgemeinen Sinn und Mehrwert ergeben.
- Eine Förderung entbindet nicht zwangsläufig von betriebswirtschaftlichen Denken.
@Engadin
Um dies noch anzumerken:
Ich denke, dass hier seitens der Bergbahnen und Teilen der vom wechselnden Tourismus Lebenden, Fehler der lokalen Politik ausgebadet werden dürfen. Das Thema „kalte vs. warme Betten“ ist ein kommunalpolitisches (zumindest in der NON-EU-Schweiz).
@3303
So sehr ich auch auf deiner Seite bin, dich verstehe und deiner Argumentationslinie vom Herzen her folgen kann, so kann ich dich in diesem Fall nicht unterstützen.
Ich wohne bekanntlich in einer dem Wintersport zugeneigten Stadt, München und bin selber begeisterter Spätwinter-Boarder und Fan des hochalpinen Geländes. Speziell sind mir die drei westtiroler Gletscher aus der Nebensaison sehr gut bekannt wie deren Entwicklung der letzten 15 Jahre.
Um es kurz zu machen:
Das Interesse am Wintersport nach Ende März hat wirklich massiv nachgelassen wie auch das Thema Sommerski keinen Stellenwert mehr hat. Ob dies nun gefällt oder nicht ist unerheblich – es ist eine Tendenz auf breiter Basis im direkten Einzugsgebiet der Resorts.
Sölden ist ein spezieller Fall – hier wird entweder zu aufwändig gearbeitet um mit den verbleibenden Gästen länger als bis zum 1. Mai-WE „sinnvoll“ agieren zu können oder die BWL hat tatsächlich die Oberhand gewonnen (was ich eher glaube). Zudem bietet dieser „Industriestation“ der Zeitraum Mai – Juni die Chance, das Personal, welche seit Mitte Oktober durcharbeitet in den Urlaub zu schicken und gleichzeitig vor der Sommersaison investieren zu können.
Das Pitztal hat früher auch immer recht lang auf gehabt – nun passé und auch nicht wirklich nachgefragt.
Das Kaunertal war ein Kandidat, der lang öffnete – dies nun aber auch aufgegeben hat. Ich selber war im Kaunertal selber exklusiv der letzten beiden Saisons (verletzungsbedingt) bis in den Juni unterwegs und kann verstehen, dass der Aufwand in Anbetracht des lokal massiv geschmolzenen Gletschers zu hoch gewordenen ist für „keine“ Gäste.
Was ich sagen will:
Obwohl ich dich verstehen kann und der Meinung manch anderer bin, dass Sulzfahren sehr viel Spaß macht, ist hinzunehmen, dass das Interesse an spätsaisonalen Wintersportaktivitätn massiv abgenommen hat. Daher bleibt wahrlich nur mehr ein kleinerer Kuchen für eine geminderte Zahl teilnehmender übrig.
@Zugspitze & Garmisch
Der Verzicht auf das Frühjahrscamp war verheerend, hat die Saisondauer um 3 (oder so) Wochen verringert und wurde seitens der Bergbahnen mit den Kosten begründet.
Garmisch leidet nach wie vor unter dem Ruf, am Wochenende voll zu sein und verkehrstechnischer Supergau zu sein, weswegen viele Münchner das Gebiet nicht ansteuern.
Die „Szene“ hat sich inzwischen von GAP abgewendet und fährt gleich weiter nach Tirol, wenn sie nicht schon umgezogen ist – nach Innsbruck. Der Stubaier zeigt ja zur Verwunderung vieler hier, dass er geläutert ist und nun einen ordentlichen Park bietet. Der Garmischer Gletscher ist für den Allerwertesten – da hätten sie lieber den Park inkl. Pipe weiter betreiben sollen und damit der gesamten Regionen einen Ruf erhalten können.
Aus meiner persönlichen Sicht als alpin fahrender Softbootler:
Unter der Woche ist Garmisch für Münchner inzwischen ein wunderbares Ziel. Der Preis geht IMHO in Ordnung – gemessen an den anderen „Großen“ Gebieten im Einzugsbereich. Dass ich in einer Stunde aus der Tiefgarage an der Talstation bin ist schon nett – dass aber selbst bei leerem Gebiet die Parkplätze voll sind befremdet und suggeriert schlechtes fürs WE.
Die Anbindung des eigentlich interessanten Osterfelders/Alpsitzgebietes ist miserabel und es mangelt wahrlich an Wiederholungsfahrten im oberen Bereich. Die Pistenqualität hingt auch massiv hinter der der Nachbarn in Tirol her.
Die Zugspitze lasse ich inzwischen komplett aus, ähnlich wie Starli: Zu den interessanten Zeiten hat sie noch nicht auf oder schon wieder zu, ist nicht ganz günstig und super unbequem zu erreichen. Lieber sitze ich in eine ¾ einer Gundel, als unbestimmte Zeit auf einen Zug/eine Kabine der ESB zu warten – da fahr ich lieber die paar sehr schönen Kilometer nach Tirol rüber und starte von dort oder such mir gleich ein Gebiet in Austria.
Dies ist meine persönliche Meinung, persönlich empfunden, ja – aber sie repräsentiert die vieler meiner Bekannten.
Das Skigebiet „Zugspitze“ ist trotz des Wegfalls der genialen „neuen Welt“ in Ordnung und einen Besuch wert.
Die Öffnungszeiten, die Attraktivität an den Rändern der Saison und die Zubringersituation bringt viele Münchner allerdings dazu, sich gleich nach Tirol zu orientieren. Das Classic Gebiet „verspricht“ auf Grund seines Rufes nachwievor zu hohe Wartezeiten und zu wenig Flexibilität – Ob genutzt oder nicht: Die Ehrwalder Alm hat wenigstens einen Park ….
So – Roman zu Ende – Danke für die Aufmerksamkeit
@Profis & Insider
Ich wäre euch wirklich dankbar für eure sachkundigen Beiträge rund um interne Prozesse, Abläufe und Gepflogenheiten.
Ich war mal so frei und hab deine Zitate funktionsfähig gemacht, du hast die falschen Anführungszeichen (die Schrägen statt den Geraden) erwischt.
MFG Hiereigentlichnichtmod Dachstein
Zwei Fragen an dich als Experten und Insider:
- Nach welchen Kriterien werden Fördermittel/Subventionen in Bayern, in Deutschland und von der EU für Seilbahnbetriebe vergeben?
- Über welche Zeiträume werden Seilbahnen idR abgeschrieben und welche Finanzierungsmodelle mit welchen Belastungen werden normalerweise angewendet?
@citta & seilbahner
Könnte/wollt ihr uns außen stehenden verraten, wie es eigentlich um das Arbeitszeitmanagement in einem Skigebiet bestellt ist?citta dei sassi schrieb:Wenn man hier weiter behauptet das eine längere Sasion mir mehr Arbeit bringt der glaubt immer noch daran das es im Sommer nichts zu tun gibt. Bitte weiter glauben...
An anderer Stelle wurde ja schon mal erwähnt, dass während der Saison 6-Tage-Wochen bei euch die Regel sind. Wie ist es um die tägliche Arbeitszeit bestellt? Gelten da irgendwelche sonst üblichen tarifvertraglichen und/oder gesetzlichen Obergrenzen (häufig: max 10h/Tag, gesetzlich: 11h zwischen zwei Schichten, etc.)? Wie wird die Jahresarbeitsleistung berechnet? – Über andernorts übliche Jahres-/Langzeitkonten, Freizeitausgleich (FZA) oder wie?
Bedeutet eine Verlängerung der Saison aus der persönlichen Sicht Verzicht auf angehäufte Überstunden (werden diese berechnet, angerechnet?) und/oder Urlaub?
Ich frage aus ernsthaften und aufrichtigen Interesse und wäre auch dankbar, wenn ihr über diese Seite eures Berufs Auskunft geben würdet.
Hier wird ja gerne und viel über die „Hardware“ gesprochen und diskutiert, aber die Menschen dahinter sind ja relativ selten Gegenstand des Interesses.
@Pilatus
Pilatus schrieb:Naja, das Argument zieht aber nicht. Anderstherum ist es genau so. Wenn ich mehr ausgebe als reinkommt (nämlich den vollen Skipasspreis zahle, aber nur eine Teil-Leistung erhalte) dann stimmt für mich persöhnlich die Bilanz ja auch nicht (wenn auch wenn der "Return on investment" hier rein emotional ist). Ich finde es z.B. die Höhe, dass in Zermatt der Skipass im Frühling mit halb geschlossenem Skigebiet gleich teuer ist wie in der Hochsaison. Eigentlich sehe ich immer noch nicht ein, wieso ein Skigebiet mit 20 KSB teurer seins soll als ein Skigebiet mit 2. Bei ersterem sind dafür auch 10x mehr Gäste zu erwarten.
Zermatt und auch St.Moritz sind wohl zwei ziemlich spezielle Fälle. Du könntest ebenso berechtigter weise die Frage stellen, wieso Zermatt mehr fürs gleiche verlangt als Cervinia.
Ohne es untermauern und belegen zu können, denke ich, dass hier zwei Faktoren – pauschalisiert – gewichtig sind:
- Die allgemeinen Investitions- und Betriebskosten in hochalpinen Regionen dürften wohl etwas höher sein als in niederen. Dieses Argument ist aber ein rein deduktives meinerseits, welches gerne auch widerlegt werden darf.
- Stichhaltiger dürfte eher sein, dass diese Destinationen es sich schlicht weg erlauben können, dem Kunden den Preis zu diktieren. Beide stellen auf ihre Art und Weise eine Besonderheit in der europäischen Tourismuslandschaft dar und werden vom zahlenden Groß schlicht weg nicht hinterfragt.
Zwei Sachen an deiner Argumentation sind allerdings zu hinterfragen – hier können uns vielleicht auch wieder die involvierten Experten dank ihrer alltäglichen Erfahrung helfen und Aufschluss geben:
- Steigt die Anzahlt der Gäste wirklich auch linear zum Angebot oder variiert die Kurve „Relation Infrastruktur zu Gästezahl“ an irgendeiner Stelle?
- Entwickeln sich Kosten linear?
Hier werden sicher sehr viele, sehr individuelle Faktoren eine Rolle spielen. Eine Anfangsinvestition in eine Beschneiung (erster Teich, erste Pumpanlage, erste Leitungen, erste Schneeerzeuger) fallen für ein kleines Gebiet prozentual zum Umsatz sicherlich anders in Gewicht als eine Erweiterung für ein Großes, klar. Aber wie schaut es danach aus? Wie sehr steigen laufende Kosten in Abhängigkeit der Größe, der Topographie, der Saisondauer, des Saisonstarts, der Planierarbeit des Geländes, des größeren Fuhrparks, des gesteigerten Wartungsaufwands im Sommer mit einhergehender höheren Zahl von Ganzjahreskräften und umfangreicherer Verwaltung, etc, etc, etc …
Wie geschrieben: An dieser Stelle würde ich mich sehr über Insider-Erfahrungen freuen, die Fakten in die Diskussion einfließen lassen.
Seilbahner? Citta? Theo? Andere?
@all
@Stichwort Subventionen & Infrastruktur
Dieses Thema ist wohl ohne jeden Zweifel komplex und entzieht sich ausschließlich objektiven Bewertungen. Hier spielt „Gesellschaftlicher Wille und Relevanz“ wie auch „demokratische Legitimation“ und „politische Zielsetzung“ eine Rolle. Vieles andere auch noch – definitiv ist hier von einem Thema die Rede, dass aus Sicht der persönlichen Interessen „übergeordnet“ behandelt und vermeintlich angesiedelt ist.
Es scheint „grundsätzlich einen gesellschaftlichen Konsens“ zu geben, der besagt, dass der Staat (und/oder vergleichbare Institutionen) Investitionen zu tragen und zu betreiben hat, die das allgemeine Volkswohl erhalten oder steigern und eine allgemeine Chancengleichheit wie Versorgungssicherheit gewähren.
Diesem Konsens gesellen sich gewisse infrastrukturelle wie andersartige Pflichten für die Exekutive als auch die Legislative durch die Verfassungen hinzu. Überdies kommen dann „demokratisch“ „legitimierte“ Handlungsspielräume für die Entscheidungsträger hinzu.
So gewährt der Straßenbau jedem Steuerzahler und Mitglied einer demokratischen Gemeinschaft die persönliche wie berufliche Selbstbestimmung. Selbiges gilt auch für den ÖPNV. Sicherlich, außerhalb der Stoßzeiten wird er auch unrentabel für Freizeitaktivitäten genutzt – gewährt aber auch Polizisten, Krankenschwestern, Kellnern und anderen Berufstätigen mit niedrigem Einkommen (teils zu gering um ein unterhalten zu können) im Rahmen des Schichtbetriebs ihren Arbeitsplatz und indirekt hoheitliche Aufgaben wahr zu nehmen. Ergo liegt sogar ein öffentliches Interesse, z.B. das der Volksgesundheit, hinter der Subventionierung.
Zudem steht hinter Subventionen und Förderungen noch ein anderer Aspekt:
Durch die Subvention in Höhe X werden überhaupt erst privatwirtschaftliche Unternehmungen ermöglicht. Hier wird nicht immer, kann aber durchaus eine Abwägung „Kosten – Nutzen“ durchaus ergeben, dass die Subventionierung volkswirtschaftlich billiger ist als die Landflucht/Verbrachung/Aufgabe von Sektoren/etc, etc, etc – dies ist die Lenkungs- und Steueroption die politische Entscheidungsträger nun mal in unserem System inne haben.
Daher ist eine klare Differenzierung erforderlich:
Eine Hungerburgbahn mag dem Skigebiet dienen und zugleich ein „öffentliches Verkehrsmittel“ im klassischen Sinne sein und daher auch im Betrieb stark subventioniert werden damit sich ein jeder das leisten kann.
Anders schaut es aber in einem Tal XY aus, das zur Subventionierung (unabhängig von Remodulation und KSBs) die Alternative bietet, die gesamte Dorfgemeinschaft abwandern zu sehen oder per Sozialtransfers direkt zu unterhalten. Hier kann die Subventionierung durchaus die billigere Variante im volkswirtschaftlichen Sinne sein, da ein ordentlicher Anstoß sehr viel mehr ins Rollen bringt – vor allem den Erhalt lokaler Strukturen, die anderweitig kippen.
Diese Form der Subventionierung hat nichts mit persönlichen Interessen unsererseits zu tun, ebenso wenig mit „infrastruktureller Investition im Sinne des ÖPNV“. Hier geht es um strukturelle, regionale Förderung (über die allerdings auch gerne gestritten werden kann und wird – daher auch gerne Zankapfel politischer Kasten ist). Auf dieser Schiene argumentiert kann jeder deutscher Steuerzahler einfordern, dass er einen vergünstigten VW der BMW erstehen darf – immerhin wurden die Werke in Leipzig (oder war‘s Dresden) massiv von Staat und EU gefördert. Verlangt dies jemand?
Zugegeben – inzwischen gibt es flächendeckend Studiengebühren (die ich persönlich genauso ablehne wie Kita- und Kindergartengebühren). Von einem kostendeckenden Unibetrieb kann dennoch nicht die Rede sein. Wieso also sollten nicht sämtliche Haupt- und Realschulabsolventen eine Nicht-Subventionierung des Gymnasiums und der FHs und der Unis fordern?
Um es kurz zusammen zu fassen:
- Ja, die Förderung von Skigebieten verzerrt den Wettbewerb massiv.
- Die Förderung von Skigebieten ist ein politisches Steuerinstrument, welches uU höhere Alternativkosten (wirtschaftlich: Opportunitätskosten) kompensiert. Eine genaue Beurteilung ist wohl nur unter Kenntnis zahlreicher Fakten im Einzelfall möglich.
- Eine Förderung privater Unternehmen kann aus übergeordneter Sicht durchaus allgemeinen Sinn und Mehrwert ergeben.
- Eine Förderung entbindet nicht zwangsläufig von betriebswirtschaftlichen Denken.
@Engadin
Um dies noch anzumerken:
Ich denke, dass hier seitens der Bergbahnen und Teilen der vom wechselnden Tourismus Lebenden, Fehler der lokalen Politik ausgebadet werden dürfen. Das Thema „kalte vs. warme Betten“ ist ein kommunalpolitisches (zumindest in der NON-EU-Schweiz).
@3303
So sehr ich auch auf deiner Seite bin, dich verstehe und deiner Argumentationslinie vom Herzen her folgen kann, so kann ich dich in diesem Fall nicht unterstützen.
Ich wohne bekanntlich in einer dem Wintersport zugeneigten Stadt, München und bin selber begeisterter Spätwinter-Boarder und Fan des hochalpinen Geländes. Speziell sind mir die drei westtiroler Gletscher aus der Nebensaison sehr gut bekannt wie deren Entwicklung der letzten 15 Jahre.
Um es kurz zu machen:
Das Interesse am Wintersport nach Ende März hat wirklich massiv nachgelassen wie auch das Thema Sommerski keinen Stellenwert mehr hat. Ob dies nun gefällt oder nicht ist unerheblich – es ist eine Tendenz auf breiter Basis im direkten Einzugsgebiet der Resorts.
Sölden ist ein spezieller Fall – hier wird entweder zu aufwändig gearbeitet um mit den verbleibenden Gästen länger als bis zum 1. Mai-WE „sinnvoll“ agieren zu können oder die BWL hat tatsächlich die Oberhand gewonnen (was ich eher glaube). Zudem bietet dieser „Industriestation“ der Zeitraum Mai – Juni die Chance, das Personal, welche seit Mitte Oktober durcharbeitet in den Urlaub zu schicken und gleichzeitig vor der Sommersaison investieren zu können.
Das Pitztal hat früher auch immer recht lang auf gehabt – nun passé und auch nicht wirklich nachgefragt.
Das Kaunertal war ein Kandidat, der lang öffnete – dies nun aber auch aufgegeben hat. Ich selber war im Kaunertal selber exklusiv der letzten beiden Saisons (verletzungsbedingt) bis in den Juni unterwegs und kann verstehen, dass der Aufwand in Anbetracht des lokal massiv geschmolzenen Gletschers zu hoch gewordenen ist für „keine“ Gäste.
Was ich sagen will:
Obwohl ich dich verstehen kann und der Meinung manch anderer bin, dass Sulzfahren sehr viel Spaß macht, ist hinzunehmen, dass das Interesse an spätsaisonalen Wintersportaktivitätn massiv abgenommen hat. Daher bleibt wahrlich nur mehr ein kleinerer Kuchen für eine geminderte Zahl teilnehmender übrig.
@Zugspitze & Garmisch
Der Verzicht auf das Frühjahrscamp war verheerend, hat die Saisondauer um 3 (oder so) Wochen verringert und wurde seitens der Bergbahnen mit den Kosten begründet.
Garmisch leidet nach wie vor unter dem Ruf, am Wochenende voll zu sein und verkehrstechnischer Supergau zu sein, weswegen viele Münchner das Gebiet nicht ansteuern.
Die „Szene“ hat sich inzwischen von GAP abgewendet und fährt gleich weiter nach Tirol, wenn sie nicht schon umgezogen ist – nach Innsbruck. Der Stubaier zeigt ja zur Verwunderung vieler hier, dass er geläutert ist und nun einen ordentlichen Park bietet. Der Garmischer Gletscher ist für den Allerwertesten – da hätten sie lieber den Park inkl. Pipe weiter betreiben sollen und damit der gesamten Regionen einen Ruf erhalten können.
Aus meiner persönlichen Sicht als alpin fahrender Softbootler:
Unter der Woche ist Garmisch für Münchner inzwischen ein wunderbares Ziel. Der Preis geht IMHO in Ordnung – gemessen an den anderen „Großen“ Gebieten im Einzugsbereich. Dass ich in einer Stunde aus der Tiefgarage an der Talstation bin ist schon nett – dass aber selbst bei leerem Gebiet die Parkplätze voll sind befremdet und suggeriert schlechtes fürs WE.
Die Anbindung des eigentlich interessanten Osterfelders/Alpsitzgebietes ist miserabel und es mangelt wahrlich an Wiederholungsfahrten im oberen Bereich. Die Pistenqualität hingt auch massiv hinter der der Nachbarn in Tirol her.
Die Zugspitze lasse ich inzwischen komplett aus, ähnlich wie Starli: Zu den interessanten Zeiten hat sie noch nicht auf oder schon wieder zu, ist nicht ganz günstig und super unbequem zu erreichen. Lieber sitze ich in eine ¾ einer Gundel, als unbestimmte Zeit auf einen Zug/eine Kabine der ESB zu warten – da fahr ich lieber die paar sehr schönen Kilometer nach Tirol rüber und starte von dort oder such mir gleich ein Gebiet in Austria.
Dies ist meine persönliche Meinung, persönlich empfunden, ja – aber sie repräsentiert die vieler meiner Bekannten.
Das Skigebiet „Zugspitze“ ist trotz des Wegfalls der genialen „neuen Welt“ in Ordnung und einen Besuch wert.
Die Öffnungszeiten, die Attraktivität an den Rändern der Saison und die Zubringersituation bringt viele Münchner allerdings dazu, sich gleich nach Tirol zu orientieren. Das Classic Gebiet „verspricht“ auf Grund seines Rufes nachwievor zu hohe Wartezeiten und zu wenig Flexibilität – Ob genutzt oder nicht: Die Ehrwalder Alm hat wenigstens einen Park ….
So – Roman zu Ende – Danke für die Aufmerksamkeit
@Profis & Insider
Ich wäre euch wirklich dankbar für eure sachkundigen Beiträge rund um interne Prozesse, Abläufe und Gepflogenheiten.
Ich war mal so frei und hab deine Zitate funktionsfähig gemacht, du hast die falschen Anführungszeichen (die Schrägen statt den Geraden) erwischt.
MFG Hiereigentlichnichtmod Dachstein
