Gletscherfloh
Fichtelberg (1214,6m)
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Hallo, ich habe heute beim Surfen auf http://www.bergfex.at folgenden Hilferuf eines Schweizer Skifahrers entdeckt. Irgendwie spiegeln die Worte des Autors auch meine Vorstellungen wider. Ich hab ja meine eigene Wunsch/Zielliste bezüglich Orte, wo es noch (zumindest in Ansätzen) "old school" zugeht, würde mich aber über einschlägige Tips/Hinweise von Euch freuen.
[/url]Liebe FreundInnen des weissen Pulvers
Vor dreissig Jahren machte ich den Bündner SI, arbeitete danach
während drei Jahren als SI im Engadin, in Arosa und in Verbier und ging
dann für 20 Jahre ins Ausland, auf die Südhalbkugel, wo tendenziell eher
nix ist mit Skifahren. Seit einigen Monaten definitiv zurück in der
"Heimat", besuchte ich als mittlerweilen betagter Skifahrer einige
Schweizer Skiorte meiner Jugend: St. Moritz, Arosa und heute Flims.
Zumindest hatte ich die Absicht, diese Skiorte zum Skifahren zu
besuchen, fand mich aber jedes Mal irgendwie im falschen Film. In
einem gigantischen multimedialen Alpinspektakel, in einem alpine
Disney-Resort, an einem super groovy snow-event oder in einem live
act eines Fuzzy-DJ's. Und dabei wollte ich doch bloss skifahren.
Mein Problem: Wenn ich Lust auf Michelin-Sterne-Küche habe, gehe ich
gerne in Flims ins Waldhaus oder in St.Moritz ins Suvretta-House, ich
brauch das auf der Piste weder in Flims noch auf der Corviglia.
Blechdixie-Liveorchester höre ich gerne im Jazzclub, aber nicht auf der
Sonnenterrrasse in Arosa. Bloody Mary, ZENSIERT on the beach und caile
Piranhas trinke ich sehr gerne in der Bar; beim Skifahren ist mir eher
nach einem simplen Bier oder einem stinknormalen Kaffee ohne
abenteuerliche Zusätze zumute. Einfach ausgedrückt: Wenn ich
skifahren gehe, dann möchte ich skifahren. Sonst nichts. Absolut nichts.
Darum meine Frage: Weiss jemand irgendwo in der Schweiz oder im
benachbarten Ausland (Oesterreich, Frankreich) einen Ort, wo
antiquierte, hilflos senile, aber sowas von konservative Tattergreise wie
ich noch skifahren können? Wo mir nicht abwechselnd von links und
rechts mit brachialer Gewalt die aktuelle HipHop-Hitparade oder die
Oberkrainer aufs Trommelfell gehämmert werden, wo ich mich nicht
dauernd gegen Angriffe der gandenlos coolen, turbomegageilen
Snowboard-Kampfsportgruppen wehren muss, wo ich zwischen der
erbarmungslos originellen Schneedisco und dem suuuuuper groovy
Letzfetz Halfpipe Erlebnispark noch einige Meter finde, um meine zwei
Bretter talwärts zu bewegen???
Es ist mir völlig klar, dass ich die Skisport-Entwicklung der letzten
zwanzig Jahre schlichtweg verpasst habe und mit meiner No-Brand-
Skijacke, meinen wattierten Starterhosen (igitt!!) und meinen 20jährigen
Rossignol Abfahrtsbrettern nie und nimmer zur Zielgruppe der
Marketingstrategen gehöre. Bloss: Skifahren war mal mein Beruf und ich
kann es noch immer und möchte es nicht aufgeben, nur weil ich die
Zielgruppenbenchmark von 30 Jahren längst überschritten habe. Dass
Carving-Freaks und Snowboarder, die das Kapitel "Steuern und
Bremsen" überlesen haben, sich irgendwo austoben müssen, akzeptiere
ich voll und ganz. Aber vielleicht, so meine leise Hoffnung, gibt es
irgendwo ein geschütztes Senioren-Skiheim, wo hoffnungslose Grufties
wie ich noch skifahren können und dürfen.
Für zweckdienliche Hinweise wäre ich überaus dankbar.
In dumpfer Demut und banger Hoffnung:
Thomas