Zwei Gedanken dazu:
Wir sollten nicht darüber diskutieren, was "man" sich am liebsten anschaut und was "man" am wichtigsten findet. Wir befinden uns hier in einem Alpin-Forum - unsere Meinung ist also mal sicher nicht repräsentativ.
Die Fans der klassischen Wintersportarten haben höchstwahrscheinlich seit 1998 das Gefühl, dass Olympische Winterspiele von einem Vierjahreshöhepunkt mehr und mehr zu einem ärgerlichen Störfaktor der schönen Weltcup-Saison werden.
Mir jedenfalls geht es so, aber wenn ich entscheiden dürfte, dann hätten wir die oben angesprochen Normalschanzen-Weltcups, dann hätten wir viel mehr Einzelstarts im Langlauf, wir würden den dämlichen Verfolger im Biathlon streichen und die Nordische Kombination hätte wieder verschieden umfangreiche Einzel-Wettkämpfe. Ich bin also nicht mal für "die Fans" repräsentativ, sondern eher für die Freaks unter den Freaks.
Und:
Solange das IOC seine Ausrichter so wählt wie jetzt, nämlich mit einer Mehrheit von Stimmberechtigten, die mit Wintersport nicht das geringste zu tun haben, brauchen wir nicht auf Verbesserungen hoffen.
Soll ich mal erinnern, wie Turin zu den Winterspielen 2006 kam?
Das fing schon 1990 an, als das IOC die Sommerspiele 1996 an Atlanta vergab.
Brisant war diese Entscheidung nicht nur, weil die amerikanische Stadt die Zentrale des Weltkonzerns Coca-Cola ist und man schnell das Vorurteil von „gekauften Spielen“ zur Hand hatte, sondern auch, weil die Olympischen Spiele der Neuzeit 1996 ihren 100. Geburtstag feiern würden und die gesamte Welt fest mit einer Vergabe der Spiele an Athen, wo 1896 die ersten Spiele stattgefunden hatten, rechnete.
Die Vergabe an Atlanta beleidigte Traditionalisten, Griechen und Amerikaphobe gleichermaßen – und im IOC erkannte man, dass man sich bei den Griechen würde entschuldigen müssen, wenn man den Geburtsort der Olympischen Spiele nicht auf alle Zeiten zum Feind haben wollte.
Die nächste Gelegenheit ergab sich bei der Vergabe der Sommerspiele 2004, als die Griechen, die acht Jahre geschmollt hatten, erneut antraten. Diesmal erhielten sie den Zuschlag, was keineswegs mit der besten Bewerbung begründbar war. Die nämlich hatte die italienische Hauptstadt Rom abgeliefert. Am Tag der Entscheidung warteten römische Volksversammlungen siegessicher vor den aufgestellten Großleinwänden auf das Signal zum Jubeln, um Minuten später entsetzt nach Hause gehen zu müssen. Die Spiele waren nach Griechenland heimgekehrt und beim IOC die nächste offene Rechnung eingetrudelt. Wie waren die Italiener zu besänftigen?
Nach allem, was über die Vergabepraktiken des IOC im letzten Jahrzehnt ans Licht gekommen ist, kann die Antwort nicht überraschen: Ungerechtigkeit wird durch Ungerechtigkeit ausgeglichen. Italien sollte seine Spiele haben, die Leidtragenden waren diesmal die Schweizer, die für 2006 mit Sion (Sitten) das eindeutig beste Konzept ins Rennen geschickt hatten.
Glaubt bitte nicht, das hätte nur das Geringste mit Schanzen oder Pisten zu tun gehabt...