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Ötztal 5.-8. August 2004

Die letzten vier Tage war ich im Ötztal. Und bevor ich den Rest der Woche wieder in Richtung Gebirge verschwinde, möchte ich euch einen kurzen Bericht und ein paar hoffentlich interessante Bilder zukommen lassen. Vorneweg: unsere Aufenthalt war sehr vielfältig, deswegen steht der Bericht auch hier und sollte für alle User hier irgendwie interessant sein.

Anfahrt: von München nach Sölden gut 3 Stunden: Holzkirchen-Lenggries-Sylvenstein-Wallgau-Seefeld-Mösern-Telfs-dann wie üblich. Im Ötztal viele LKWs unterwegs.

Wetter: irgendwie scheints in München die letzten Tage schöner gewesen zu sein. Am Donnerstag und Sonntag sonnig aber Wolken, am Freitag und Samstag ziemlich viele Wolken, Sicht meistens aber gut. Recht warm fürs Hochgebirge, trotzdem angenehm kühl während der Hundstage

Donnerstag, 5.8.2004:

Nachdem dem Quartierbezug in Sölden Weiterfahrt in Richtung Gurgl, Parken unterhalb von Untergurgl, auf ca. 1670 m, noch vor den großen Lawinengallerien. Mittlerweile fast 10 Uhr, schon ordentlich warm. Aufstieg in 20 min zur 1892 m hohen Lenzenalm, steil und heiß. Dann am "Nordhang" flacher in Richtung Nedersee, immer schöner Pfad-Weg, keine langweiligen Forstautobahnen. So gut wie niemand außer uns unterwegs. Wetter wolkig, aber stabil. Seit der Alm schöne Aussicht auf Hochgurgl und die umgebenden Gletscher. Unterhalb des Nedersees sieht man dann das Tagesziel, den Nederkogel, jedem Söldenbesucher bestens bekannt, als Hausberg. Das Gipfelkreuz sieht gar nicht mehr weit entfernt aus, dabei sind es noch gut 750 Hm! Kurze Pause am See auf ca. 2420 m, dann beginnt die Schlüsselstelle, eine gut 400 Hm hohe Steilstufe die in engen "Serpentinen" bezwungen wird. Der Weg wird hier sehr schmal, teilweise nur 2 Füße breit, teilweise sehr bröselig und ausrutschen sollte man hier besser nicht. Man beginnt auch die Höhe zu spüren. Nach 3 1/2 Stunden stehen wir an der Scharte, wo sich der Blick plötzlich weitet, auf 2860 m, man sieht Sölden und Zwieselstein unten, gegenüber den Gaislachkogel, im Osten den Stubaier Hauptkamm. Der Gipfel sieht nun in Griffweite nah aus, leider brauchten wir noch mal eine Stunde, der Dampf ist etwas ausgegangen... Es ist oben gut steil, aber problemlos, ein paar Meter sehr anregende Blockkletterei, dann steht man oben, nach 4 1/2 Stunden auf dem 3163 m hohen Nederkogel (oder Nörderkogel). Der Gipfel gehört zum Ramol-Kamm, der das Gurgl- und das Ventertal trennt. Die Aussicht war trotz Wolken hervorragend, die Sonne kam hervor. Im Westen: Wildspitze, Hintereisferner, Kreuzspitze, im Nordwesten: der komplette Tiefenbachferner, Hinterer Brunnkogel, Kaunergrat, im Norden das Söldener Skigebiet und die Orte, im Nordosten bis Südosten: Stubaier Hauptkamm mit Schaufelspitze, Zuckerhütl etc., im Süden bis Südwesten: Gurgler Hauptkamm mit den Skigebieten um dem Großen Gurgler Ferner. Nach einer halben Stunde allein am Gipfel sind wir in 2 H zur Alm abgestiegen und waren nach gut 8 Stunden wieder am Auto.
Wir sind dann noch kurz nach Hochgurgl hinauf gefahren, dort wurden gerade Teile der abgebauten DSB Schermer verladen. Die neue 6 KSB ist von Doppelmayr und wird offensichtlich auf identischer Trasse verlaufen, wir man schon vom Nederkogel aus gesehen hat, was in meinen Augen nicht so viel bringen wird...
Am Wurmkogl hats oben noch ordentlich Schnee, so dass man sich echt vorstellen kann, dass dort früher Sommerskilauf möglich war. Dieses Jahr hätte man das sicher bis in den Juli hinein betreiben können.
Fazit: eine wunderbare, ideale Bergtour, durchaus anstrengend mit 1480 Hm Bergauf- und Bergab ein echter Konditionstest, wegen der spitzen Aussicht sehr empfehlenswert. Jetzt ein paar Bilder von diesem Tag:
 

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Also im Winter siehts mordsteil und eng aus, aber nach einem richtig schönen Abenteuer. Ich check ma gleich meine Pitztalbilder, da hat ich das recht akribisch dokumnentiert.

Also, wenn sichs anbietet, können wir gerne mal zusammen runter! :D Ist die Fernkogelbahn für 2005 geplatn? Oder ein Jahr später?

Ach ja, ich hatte Dir bez. der Pojekte dort mal gemailt, ich bin nach wie vor auf ein Statement von Dir gespannt.
 
Sehr schöne Bilder! Leider sind auch diese hochgelegene Gletscher fast tot. Bald muss mann in die Schweiz fahren für einen schönen Eisbruch.
 
Hier mal ein paar Infos über den Vernagtferner von der HP der Akademie:

Kenngrößen des Massenhaushalts des Vernagtferners
für den Zeitraum 1964 bis 2003

Die wesentlichen Kenngrößen des Massenhaushalts des Vernagtferners können für die Massenhaushaltsjahre 1964/65 bis 2002/2003 der untenstehenden Tabelle entnommen werden. Sie enthält die der Analyse zugrunde liegende Gesamtfläche des Gletschers, die Höhenlage der Gleichgewichtslinie (ELA), den prozentualen Anteil des Akkumulationsgebietes an der Gesamtfläche (AAR) und die spezifische Nettomassenbilanz in mm (als Wasseräquivalent).

Zur Verdeutlichung der Entwicklung über den Beobachtungszeitraum sind die Angaben der spezifischen Massenbilanzwerte (Spalte Bilanz ) farblich unterlegt. Negative Werte (gelb über orange bis rot) entsprechen einem Massenverlust, positive ( mit Blautönen unterlegt ) dagegen einem Massengewinn des Gletschers. Bei den mit Grüntönen unterlegten Werten ist die Bilanz weitgehend ausgeglichen, d.h. die Eismasse des Gletschers bleibt konstant. Jahre mit extremen Massenverlusten (über 800 mm) sind rot hervorgehoben. Es zeigt sich, dass der Gletscher nach einer schwach ausgeprägten Wachstumsphase Mitte der 70er seit Anfang der 80er-Jahre kontinuierlich an Masse verloren hat. Außerdem ist deutliche eine Zunahme von Massenhaushaltsjahren mit extremen Massenverlusten innerhalb der letzten Dekade zu beobachten. Der "gletscherfreundliche" Sommer 1999 konnte zwar diese Serie von Jahren mit extremen Massenverlust durch einen eher ausgeglichenen Haushalt unterbrechen, dies bedeutet aber noch keine Trendumkehr, da die nur schwach negative Massenbilanz hauptsächlich durch eine überdurchschnittliche Winterschneedecke zustande kam, welche die großflächige Ausaperung verzögerte und dadurch zu geringerer Eisschmelze führte. Obwohl auch der Sommer 2000 sich im wesentlichen auf den Monat August beschränkte und daher das Eisgebiet nur geringfügig größer als 1999 war, kam es zu weiteren Eisverlusten. Dieser Trend der Eisverluste setzt sich auch in den Jahren 2001 und 2002 fort, jedoch sind die Verluste wegen der allgemein späten und daher nicht mehr so großen Ausaperungsflächen (ca. 50%) nur moderat. Der Sommer 2003 brachte dem Vernagtferner einen Verlust in einer Größenprdnung, wie er seit Beginn seiner wissenschaftlichen Erforschung noch nicht beobachtet wurde. Er resultierte aus der Kombination mehrerer Faktoren: Nach einer moderaten Winterschneeauflage setzte die Ausaperung schon sehr früh ein. Erstmals erstreckte sich das Ablationsgebiet über die gesamte Gletscherfläche (kleine blauen Flächen in der Massenbilanzkarte!). Nur ein kurzer Neuschneefall unterbrach die gegenüber den starken Verlustjahren in den 1990er-Jahren doppelt so lang andauernde Ablationsperiode. Die extremen Verluste 2003 werden die Massenbilanz auch in den Folgejahren beeinflussen.
Die Darstellung der Höhenverteilung der spezifischen und der absoluten Massenbilanzdaten in Form eines Diagrammes erhalten Sie individuell für das jeweilige Haushaltsjahr durch Anwählen des Massenbilanzwertes in der Tabelle. Dieses Diagramm enthält auch die Flächen-Höhen-Verteilung des Gletschers und die des Ablationsgebietes. Die tabellarische Auflistung der Zahlenwerte in Abhängigkeit von der Höhe, getrennt für das Akkumulationsgebiet, das Ablationsgebiet und den Gesamtgletscher, finden Sie in der Spalte Tabelle. Sie erhalten dort auch eine Legende zu den verwendeten Abkürzungen. Die Tabellen enthalten insgesamt vier Teiltabellen, in denen das Analyseergebnis für drei Teilbereiche des Gletschers und für den Gesamtgletscher angebegen sind. Auch in den Tabellen können Sie jeweils ein Diagramm abrufen, in dem die wichtigsten Größen der Massenbilanz grafisch dargestellt werden. Für die Teilbereiche sind die Grafiken zur Reduzierung der Datenmenge im Internet nur in verkleinerter Form verfügbar. Die Versionen mit höherer Auflösung sind bis zum Haushaltsjahr 1997/98 auf der CD-Rom 1999-1 enthalten.

Kartendarstellungen der Massenbilanzanalysen selbst liegen erst seit der Umstellung auf die Auswertesoftware WDG98 in digitaler Form vor. Sie können, soweit verfügbar, in der Spalte Analyse abgerufen werden. Möchten sie ausserdem einen Eindruck zur zeitlichen Entwicklung der Ablations- bzw. Akkumulationsvorgänge am Vernagtferner gewinnen, können Sie eine Gif-Animation (655kb!) oder ein AVI-Video (1,1Mb!) der Massenbilanz-Diagramme für den Vernagtferner über den Zeitraum von 1968/69 bis 1999/2000 betrachten. Dort wird deutlich, daß sich das Ablationsgebiet zu Anfang der 80er Jahre und insbesondere im letzten Jahrzehnt deutlich vergrößert hat und damit die großen Massenverluste verbunden waren.

http://www.lrz-muenchen.de/~a2901ad/webserver/webdata/massbal/index.html#Tabelle

@Christian: uii, das habe ich total vergessen, schaue ich gleich mal nach...

@Steffen: 8 Meter sind vor allem "Eismeter". D.h. es müssten ca. 80 Meter Schnee fallen um diese Verluste auszugleichen. Da der Schneefall relativ konstant ist, bräuchten wir wohl ein-zwei Jahrzehnte mit kühlen Sommern. Bin ja auf die Massenbilanz dieses Sommers gespannt, obwohl da anscheinend das meiste schon gegessen ist, da der Höhepunkt der Sonneneinstrahlung schon bald zwei Monate zurückliegt.
 
Wow, ideal für Sommerskibetrieb!

Na dann bewirb dich doch bei der Akademie, die sind da recht häufig unterwegs, auch auf Skiern. Allerdings nicht mehr zu dieser Jahreszeit. Sind sehr schöne (Touren-)Skihänge. Auch weniger Spalten als früher.
 
...endlich habe ich mal Zeit gefunden den Bericht zu "studieren".
Ich würde sagen 6 von 6!
Super sind die Bilder unter dem Gletscher 8O 8O 8O 8O 8O 8O 8O

*totalbegeistertbin*.
 
Wieder mal ein sehr interessanter Bericht von Marius! Ach ihr Geographen, ihr habts schön! Alles was ich während meines Studiums gesehen habe waren ein paar stinkende Chemiefabriken :( .
Interessant ist auch die Geschichte einer geplanten Straße von Vent hinauf zum Vernagtferner, die in den 1960er Jahren gescheitert ist, ebenso wie deutlich später die Straße zum Hochjochferner durch die Rofenschlucht.
Das ist aber wieder was neues - das Projekt Hochjochferner war mir schon bekannt und wurde auch schon hier im Forum disskutiert, das Projekt Vernagt aus den 60ern ist mir hingegen neu. Hast du mehr Infos dazu?

Ich habe auch schon vor Jahren ein Gletscherskigebiet auf dem Vernagtferner 'geplant' mit einer Strasse von Vent bzw. Rofen auf etwa 2600 m hinauf :oops:

@Starli:
Wow, ideal für Sommerskibetrieb!
Was glaubst du was mein erster Gedanke beim Anschauen der Bilder war :twisted: ???
 
@miki: darf man fragen, was Du studiert hast?

Ich denke wohl Chemie, oder? :D

das Projekt Vernagt aus den 60ern ist mir hingegen neu. Hast du mehr Infos dazu?

Mir war das auch neu. Ich habe immer wieder nachgefragt, leider scheinen sich die Glaziologen nicht sonderlich für die touristische Erschließungsgeschichte der Region zu interessieren. Gescheitert sein soll das Projekt an Geldmangel und technischen Hindernissen (ständige Hangrutschungen etc.)
 
^^ Nee, Marius hatte schon recht: ich studierte technische Chemie bzw. chemische Verfahrenstechnik (Chemical Engineering). Habe aber keinen einzigen Tag in irgendwelcher Industrie gearbeitet, bin gleich nach dem Diplom auf der UNI geblieben und meine Weiterbildung ging mehr in Richtung 'reine' Chemie (pure Chemistry). Aber lassen wir das jetzt, weil erstens OT und zweitens habe ich bei so vielen tollen Bildern von Gletschern, 3000 - ern usw. wirklich keine Lust über Chemie zu schreiben :wink: .
 
Ich habe auch schon vor Jahren ein Gletscherskigebiet auf dem Vernagtferner 'geplant' mit einer Strasse von Vent bzw. Rofen auf etwa 2600 m hinauf

Gibts da noch "Unterlagen" davon? Bzw. hast du mal eine Karte "gemalt", wie du dir die Lifte oben vorgestellt hast?
 
^^ Irgendwo sollte noch was zu finden sein, vielleicht scanne ich es bei Gelegenheit - dann kannst du mich ja 'zerreissen', du warst ja 'vorgestern' oben und ich hatte nur eine 1:50000 Freytag & Berndt, bestimmt mit uralten Gletscherständen :oops: . Ich weiss nur ich habe vor allem Schlepper geplant (gut, es war Ende der 80er, da konnte ich nicht ahnen das irgendwann auch KSB's auf Eis laufen werden).

Ach ja, 'ne Skischaukel mit dem Pitztal gabs bei mir auch :wink: , PB vom Mittelbergjoch Richtung Wildspitze (nicht zum Gipfel) und dann SCHL zum Joch *weisnichtwiederheisst* unter dem Brochkogel.
 
Schlepplifte sollte man da schon aufstellen können. Vom Taschachjoch eine Panorama-PB hinüber zum Mittelbergjoch - machbar auf jeden Fall.
 
Ich habe bei meinen letzten Flashsachen immer mit viel Aufwand in Photoshop die Bleistiftzeichnungen von Schleppliften in eben jenem Gebiet rausretouchiert, ich als 15jähriger als Verbindung auf Gletschereis zwischen zwischen Pitztal Kaunertal und Schnalstal (wenn dann richtig hahah ;) ) eingezeichnet hatte. Hätte sie wohl doch drin lassen sollen..hm? ;) :D
 
miki: dann erfind doch mal eine Chemikalie, die umweltschonend ist, aber zeitgleich die Luft über die Gletscher (und wo man sonst will) kühlt, um Schnee erzeugen zu können ;-)
 
Zu komliziert! Erfinde eine Chemikalie die aus CO2, CH4 und ähnlichem Zeugs o2 macht oder am besten gleich in die Stratosspähre jagt und dort gleich zu O3 werden lässt, ohne irgendwelchen Abfallprodukte.... :D Dann braucht man sich um die nächsten Winter keine Sorgen zu machen! :D Ach ja, das Verfahren sollte nichts kosten und am besten als perpetuum mobile laufen, wo wir schon bei Utopien sind... ;)
 
Wenn du Bilder von Cervinia bringst steigt die User-Anzahl sicher wieder nach oben.
 
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