Ratrac wurde von einem Dr. Schleuniger gegründet. Der war wohl auf einer Ski-Meisterschaft in USA und hat dort gesehen, wie die Pisten mit Thiokol - Raupen bearbeitet wurden. Diese Fahrzeuge waren beim Militär als Truppentransporter im Einsatz gewesen. In den Alpen wurde zu der Zeit kaum präpariert, es gab nur ein par Trecker-Umbauten und Prototypen. Der Snow-Track aus Schweden und Mountaz Mautino aus Frankreich waren wohl auch nicht so verbreitet. Wenige Fahrzeuge gelangten aus Amerika zu uns - Pomagalski Poma-DAF verkaufte Kristi und Rolba handelte mit Bombardier und Tucker. Jedenfalls erkannte Schleuniger seine Change und gründete eine Importfirma (Ratrac). Das erste mir bekannte Fahrzeug mit Ratrac-Logo ist ein Bombardier Muskeg-Tractor von 1961 (oder 1962). Ab 1964 importierte Ratrac mit großem Erfolg den Thiokol Sprite und verkaufte ihn als Ratrac S. Zu der Zeit (1964-1970) starteten fast alle europäischen Hersteller ihre Produktion, darunter auch viele kleine Firmen die heute kaum noch jemand kennt. Auch unsere beiden Schweizer (Meili/Stahl) waren schon ganz früh dabei.
Der Ratrac S verkaufte sich wirklich gut - er wurde zum Pseudonym für Pistenraupen (so wie man heute auch allgemein vom Pistenbully spricht wenn man eine Pistenraupe meint).
In der Folge wurde Thiokol einige male Verkauft - so wurden die Raupen auch von den Nachfolgern LMC, DMC und VMC bezogen.
Auch die Firma Ratrac lief nicht immer gut - mittlerweile baute man in Europa erst gute, dann bessere Raupen. Der ehemalige Rennfahrer Ernst Prinoth baute als erster Raupen ausschließlich zum Pistenwalzen. Leitner folgte diesem Weg. Und Kässbohrer war der letzte im Bunde. Dabei waren die Kässbohrer-Raupen von Anfang an überlegen. Mit der Hydrostatik setzte man auf das richtige Pferd. Alle anderen zogen nach, auch beim Dieselmotor.
In dieser Phase wurde Ratrac von der Firma Rolba übernommen (->Rolba-Ratrac), die neben Pistenraupen auch Schneefräsen bauten. Das hielt ein par Jahre - neben den Rolba-Raupen wurden weiterhin die Amerikanischen angeboten. Als Rolba an Züko fiel, trennte man sich aber von dem Bereich Pistenraupe. Auch mit Hilfe von amerikanischen Geldgebern (so hört man) ging es weiter als IBK-Ratrac und schließlich als Ratrak (mit K). Aber auch das war nicht von Dauer. Man musste Konkurs anmelden. Einer der Gründe war sicherlich der hohe Dollar-Kurs. Kässbohrer, Leitner und Prinoth bauten Raupen von besserer Qualität, da konnte man nur über einen günstigen Preis bestehen oder untergehen. Übrigens erlag Bombardier in Europa das selbe Schicksal nur wenig später.
Als Ratrac bereits "im Sterben lag" schwenkte man noch kurzfristig auf andere Raupen aus Finnland um, von der Firma Hydrolink OY, aber da war's schon zu spät.
Ratrac gibt's also nicht mehr. Allerdings wurde der Betrieb an Weber verkauft. Der führt die Tradition von Ratrac fort. Auf dem selben Gelände in Inzig. Man erhält dort die Ersatzteile für die alten Ratrac-Raupen. Und er verkauft auch die Raupen von Hydrolink OY unter dem Namen Formatic (nur für eine kurze Übergangszeit wichen die Finnen auf HCC als Händler aus).
Kann sein, dass mir bei einigen Details kleine Fehler unterlaufen sind - im groben sollte es aber stimmen.
Beste Grüße
Jürgen Pellengahr