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raureif an seilbahnen

BigE

Brocken (1142m)
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mich interessiert, inwiefern raureif den betrieb von seilbahnen beeinträchtigt und wie man die anlage enteisen kann.

es gibt bereits threads, die die vereisung von pendelbahnen behandeln. sind einseil-umlaufbahnen weniger heikel, da keine steuerung durch das seil läuft? soweit ich weiss ist ja nur eine konstante spannung angelegt. aber eigentlich geht es mir hauptsächlich um die mechanischen störungen.

insbesondere frage ich mich, wie der betrieb nach einer längeren pause (etwa der nacht) wieder aufgenommen werden kann. raureifgebilde können mehrere zentimeter lang werden, womit sie wohl eine gefahr der seilentgleisung herbeiführen? langsamfahrt wirkt dem sicher entgegen, doch kann sie eine entgleisung wohl kaum verunmöglichen.

ausserdem dürften rollenbatterien durch raureif verklebt werden, sodass das seil darauf gleitet anstatt abzurollen.

raureif hat gegenüber schnee die unangenehme eigenschaft, deutlich schwerer zu sein und sich in grösseren mengen an dem dünnen seil ansammeln zu können. die verschneiten tragseile einer pb sind dagegen harmlos. auch das zusätzliche gewicht kann wohl eine rolle spielen, obwohl die bahn in einer solchen situation ja zwangsläufig leer ist.
reicht die antriebsleistung aus, um eine festgefrorene anlage wieder anzufahren?


sind meine annahmen einigermassen korrekt? obwohl raureif eher in skandinavien als in den alpen ein problem sein dürfte hoffe ich, von euch einige antworten (oder gerne auch weitere fragen) zu erhalten...
 
Raureif ist auch an der Feldbergbahn am Seebuck ein Riesenproblem, weil oft die feuchte Luft bis dort hinauf reicht und an den Anlagen kondensiert. Irgendwas hat sich Doppelmayer damals einfallen lassen, ich weiß aber nimmer, was... :oops:
 
Das ist ein sehr Interessantes Thema!
Dazu gibt es viel zu sagen.
In unseren Gefilden ist das Problem ja Gott sei Dank nicht so eklatant.
Bei richtig extremen Witterungen ist es am ratsamsten, die Anlage per leerseil mit Schleich über Nacht fahren zu lassen. Das ist auch so ziemlich die einzigste richtige Lösung unter solchen Extrembedingungen.

Wenn es dann doch passiert ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als die gesammte Anlage mit einem schweren Schlegel eisfrei zu klopfen. Erst mal die ganzen Rollenbatterien. Wenn alle Batterien total vereist seind, kannst Du die bahn eh nicht losfahren, da dann sofort die Überstromüberwachung kommt und die Bahn abschaltet.
Also erst die Batterien enteisen(evtl. auch mit Bunsenbrenner) und wenn das erledigt ist, die Bahn mit schleich vor und zurückfahren und versuchen das Seil stückchenweise freizubekommen.
Natürlich besteht auch die Gefahr, dass dann reihenweise die Bruchstäbe abbrechen.
Das sind dann so die möglichkeitendie man hat.

Viel schlimmer in unseren regionen ist vereisung des Liftseils durch starken Gefrierenden Nebel und Eisregen.
Ich habe des öfteren das Problem, der vereisten Reibblecher unter Betrieb. Da rutschen dann gerne die Sessel unter den Reifen durch. Ich stell dann einen Mann mit einem Bunsenbrenner auf die Station, der dann die Reibblecher anheizt. Das geht ganz gut.

Dann hab ich schon mal ein durch regen Vereistes Förderseil gehabt, das dann über die Treibrollen der Reifenförderer rutscht. Dann läuft zwar die Bahn und die Sessel fahren auf der Strecke, nur in der Station steht alles. Das ist richtig Scheisse. Dann kannst ausschieben und erst mal eine halbe Stunde vollgas Leerseil fahren.

Festfrieren des Förderseils auf nicht stark belasteten Streckenrollen kommt auch vor. Da ist dann der Gummi hinüber. Oder auch die Rolle ist an der Batterie angefrohren, da verreckt auch der Gummi. In beiden fällen Rollen tauschen.

Ich denke, das ist jetzt ganz gut rübergekommen?
 
Auch hier wird das leere Förderseil in Nebelnächten einfach schleichend laufengelassen. Unter anderem auch in der Beschneiungszeit, damit sich nicht Eisklumpen am Förderseil bilden oder die Rollen auf den Stützen quasi "einschneit".
 
Hab es schon erlebt, dass die erste Rolle einer Batterie festgefroren war, trotz laufender Bahn (fixe 4er) ... hat wohl keiner gemerkt, nicht mal der Liftler, der zuerst hochfährt. Das Seil schleifte also permanent über die festsitzende Rolle. Habe dann unten Bescheid gegeben, anschließend hat man sich dann der Rolle gewidmet und sie wieder zum Laufen gebracht. Die nächsten Tage hatte die Rollen dann einen "Platten" im Gummi (vergleichbar mit einem Bremsplatten in der Formel1) ... man hat es deutlich gespürt in der Überfahrt.

Ich glaube, dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, dass keine Rolle bei Aufnahme des Betriebs dauerhaft festgefroren sein darf.
 
Raureif (frz. givre) war ein elementares Problem beim Bau der PB zur Aiguille du Midi. In einige Abschnitte des schönen Buchs zum Bau dieser Bahn sind ist der Raureif als großes Problem erwähnt. Deshalb hat man sich Ende der 30er Jahre auch entschieden, die 3. Sektion der Bahn auf der alten Trasse nicht als klassische Zweiseilbahn mit fixen Tragseilen zu bauen, sondern als Dreifach-Einseil-PB. Durch die dauernde Bewegung der Seile erhoffte man sich, die Vereisung einzudämmen. Bei der Salève-PB nahe Genf hat man sogar die Zugseile mittels 180-Grad-Umlenkung als Tragseile verwendet, um keinen Raureif entstehen zu lassen. Diese Gefahr hätte wohl aufgrund der Nähe zum Genfer See bestanden. Der Ingenieur André Rebuffel, der diese Konstruktion entworfen hatte, mischte dann auch an der Aiguile du Midi mit.

Jedoch hat man an der AdM nach 10 Jahren Werkelei die 3fach-Einseil-PB nicht hinbekommen und dann doch eine konventionelle PB auf anderer Trasse errichtet. Ob diese Trasse weniger gefährdet durch Raureif war oder das Problem anders gelöst wurde, weiss ich nicht.
 
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