Hi trincerone,
ich war bisher 3-4mal in Bad Sachsa am Ravensberg (viele Fotos auf
meiner Seite unter "Bad Sachsa", wahrscheinlich warst Du schon drauf). Das Gebiet bietet sich hauptsächlich als Ausweichlocation an, wenn es in den anderen Harzer Skigebieten zu voll ist. So waren wir z.B. mal an dem Wochenende im Harz unterwegs, als das Conticup-Skispringen in Braunlage stattfand. Nach Braunlage ließ uns die Polizei schon morgens um 8:20 Uhr nicht mehr mit dem Pkw rein, am Sonnenberg gab's vor 9:00 Uhr keinen einzigen Parkplatz mehr und in St. Andreasberg am Matthias-Schmidt-Berg auch nicht. Also sind wir zähneknirschend bis zum Ravensberg weitergefahren. Himmlische Ruhe und leere Parkplätze hier ... !

Von Norden kommend ist der Ravensberg das Harzer Skigebiet mit der längsten Anfahrt.
Es ist so, wie es meine Vorredner beschreiben: Natürlich wird das Skifahren am Ravensberg nach zwei Stunden langweilig. Aber das trifft auf jedes Harzer Skigebiet zu (vom Wurmberg abgesehen; hier bleibt es etwas länger interessant). Deshalb empfehle ich grundsätzlich, pro Ausflug immer zwei Harzer Skigebiete zu besuchen. Im Fall Ravensberg bietet sich die Kombination mit Sankt Andreasberg an, z.B. Andreasberg vormittags, Ravensberg nachmittags.
Die "Talabfahrt" nach Bad Sachsa habe ich noch nie geöffnet erlebt. Sie ist in den Harzer Skibetriebs-Portalen auch nicht gelistet. Ich gehe davon aus, dass es sich hierbei um eine der Forststraßen am Ravensberg (Ziehweg) handelt, über die man in Schussfahrt in mäßiger Geschwindigkeit in den Ort abfahren kann. Im aktuellen
Skiflyer der Tourist Information Bad Sachsa wird die Abfahrt nicht erwähnt. Vielleicht wird ja die in der Saison 2006/2007 erstmals stattfindende "1. Offene Alpine Stadtmeisterschaft" des Skiclubs Bad Sachsa auch über die Talabfahrt ausgetragen.
Wie die anderen Harzer Skigebiete auch wird der Ravensberg erst interessanter, wenn man sich Zeit für die Aussicht und für die Erkundung von Historie und technischen Details nimmt. Die Schlepplifte am Berg sind Leitner-Lifte aus den 1960ern. Der untere (also der Tellerlift) müsste ein Leitner Skikuli sein, jedenfalls stimmen technische Merkmale damit überein. Vor der Zeit als Alpinskizentrum diente der Ravensberg in den 1950ern als Skisprungzentrum. Knapp rechts neben der heutigen Trasse des Bügelschlepplifts befanden sich Anlaufspur, Bakken und Sprunghang der recht großen Naturschanze. Und so ist es für mich heute faszinierend, auf der Terrasse der Ravensbergalm einen Moment die Augen zu schließen und mir das Fluggeräusch der Springer am Ravensberg vorzustellen

... wenn so ein Sprunghang in einen Alpinskihang umgewandelt wird, kommt immer eine ordentlich steile Piste dabei heraus.
Bis in die 1960er Jahre besaß der Ravensberg eine völlig andere Gipfelbebauung als heute mit hölzernem Aussichtsturm und anderem Hotel. Bis vor kurzem waren deren Reste (auch im Winter) noch zu erkennen (Ziegeltrümmer etc.). Ob die Bebauung wie beim benachbarten Stöberhai-Hotel einem Großbrand zum Opfer fiel, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen. Und nicht zuletzt steht auf dem Ravensberg der
ehemalige Horchposten und heutige Telekom-Turm als einer der letzten Westharzer Zeugen des kalten Krieges. Irgendwann wird auch er verschwunden sein.