Realität hat die Piefke-Saga überholt
Die Empörung war groß, als Anfang der 90er die Piefke-Saga erstmals gezeigt wurde. Heute schmunzelt man darüber und erregt sich über anderes.
So ändern sich die Zeiten. Heute nimmt sich Felix Mitterers Darstellung über Zwangsbeziehung zwischen Tirolern und Deutschen fast schon liebevoll aus. Denn inzwischen wird geknurrt, weil die nördlichen Nachbarn den heimischen Maturanten Studienplätze wegnehmen.
Und der Arbeiterkammer-Chef bezeichnet die Deutschen gar als Feinde, weil immer mehr von ihnen selbst ihr Brot hierzulande im Tourismus verdienen. Die TT wollte wissen, wie die Touristiker in derart aufgeheizter Stimmung die Wiederausstrahlung des damaligen Ärgernisses sehen.
"Damals war die Piefke-Saga sicher ein großer Aufreger, bei den deutschen Gästen und bei uns Touristikern. Auch ich war empört. Heute kann ich nur noch schmunzeln", sagt Wilma Himmelfreundpointner vom TVB St. Anton.
Das Schmunzeln ist dann aber doch etwas verhalten, denn so ganz gelassen sieht es die Touristikerin vom Arlberg immer noch nicht. Warum der ORF die Wiederholung ausgerechnet jetzt in der Hochsaison spielen muss, ist ihr nämlich unklar.
"Eine Kultserie und daher jedes Mal ein Pflichttermin", meint hingegen Hermann Thaler aus Mayrhofen, Obmann des größten Tourismusverbands im Zillertal. In seiner Gemeinde wurde immerhin ein Großteil des Vierteilers gedreht. Heute bedauert Thaler sogar, "dass ein fiktiver Ortsname und nicht Mayrhofen gewählt wurde".
Denn die Aufregung, die die Serie nach ihrer Erstausstrahlung auslöste, sei längst verpufft. Im Gegenteil - Thaler sieht die tollen Landschaftsaufnahmen inzwischen als unbezahlbare Werbung.
Mitterer sei ein Volltreffer gelungen, da sowohl Piefke als auch Tiroler ihr Fett abbekommen. Und: "Die Realität hat den Film längst ein- bzw. überholt", gesteht der Touristiker ein.
Das glaubt auch Max Salcher, Direktor des TVB Westendorf. "Die Piefke-Saga sollte noch immer mit einem gewissen Maß an Zynismus betrachtet werden." Denn damals seien Szenen, wo ein weißer und ein grüner Skiberg zu sehen waren, als überzogen eingestuft worden.
"Heute ist künstliche Beschneiung in diesem Ausmaß längst Realität", gibt er zu bedenken. "Schnee von gestern", meint auch Peter Forst von den Sölder Bergbahnen, dass die Wiederholung keinen Schaden anrichten wird.
Viel eher fürchten da Touristiker wohl neue Schlagzeilen, die die deutschen Gäste in unvorteilhaftem Licht zeigen.