Aus "Die kleine Zeitung"
Schikarten-Schwindel kostet jährlich ein Vermögen
Verliehene Saisonkarten, unter der Hand verkaufte Zeitkarten: Auf den Schibergen wird heftig geschwindelt. Der Schaden ist enorm.
Von CHRISTIAN NERAT
Faaaahrscheinkontroolllle!" Die Herren mit Uniform und Dienstkapperl sind der Albtraum eines jeden Schwarzfahrers in Zug oder Straßenbahn. Auf den heimischen Schibergen geht die ganze Sache meist wesentlich diskreter vonstatten, wenn auch nicht weniger effektiv. Im Normalfall merken die Kontrollierten auf der Schipiste gar nicht, dass sie gerade ins Visier eines Seilbahnmitarbeiters geraten sind - zumindest falls sie die richtige Karte dabei haben.
Erkennung. Ernst Trummer, Pressemann der Planai/Hochwurzenbahnen: "In den Liftstationen sind Monitore angebracht, auf denen man die Fotos, die auf den Karten oft nur schlecht erkennbar sind, in gestochen scharfer Qualität sieht." Im Klartext: Wenn draußen ein Schifahrer durchs Drehkreuz geht, lässt sich in der Lifthütte sofort feststellen, ob Foto auf der Karte und Gesicht des Schifahrers tatsächlich zusammen passen.
Keine Ausnahmen. Trummer: "Oft ist es natürlich ganz besonders einfach. Wenn zum Beispiel eine Frau mit der Saisonkarte eines Mannes unterwegs ist, oder plötzlich ein g'standenes Mannsbild mit Rauschebart laut Liftkarte 13 Jahre alt sein müsste." In so einem Fall wird sofort die Karte entzogen - und zwar, und das betont man auf der Planai ausdrücklich, ohne jede Ausnahme.
Karten werden entzogen. Planai-Chef Albert Baier: "Ganz egal, um wen es sich handelt, oder wer interveniert - die Karten werden entzogen und sie werden auch nicht mehr herausgegeben." Seit die Planai/Hochwurzenbahnen Mitglied im Skiverbund amade sind, hätte es überhaupt nur einen einzigen Fall gegeben, in dem eine entzogene Karte wieder zurück gegeben wurde. Albert Baier: "Das wurde damals im Ski amade-Vorstand so beschlossen und im Nachhinein muss man sagen, dass das eigentlich auch ein Fehler war."
Ein Prozent vom Umsatz. Warum man auf den heimischen Schibergen so rigoros gegen den Missbrauch von Saisonkarten vorgeht, wird klar, wenn man weiß, wie hoch der geschätzte Schaden durch die missbräuchliche Verwendung von Karten ist. Albert Baier: "Die Experten gehen davon aus, dass Jahr für Jahr in der gesamten Ski amade ein Schaden von rund einem Prozent des Umsatzes entsteht."
Geht man von einem durchschnittlichen Ski amade-Jahresumsatz von 140 Millionen Euro aus, hieße das, dass jedes Jahr ein Schaden von rund 1,4 Millionen Euro entsteht. Man könne, bringt Albert Baier einen anschaulichen Vergleich, mit dem Geld, dass dem Vebrund so entgeht, jedes Jahr eine neue Seilbahn bauen.