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Schilthornbahn defekt (29.12.2004)

Jo das kann schon sein, haben wohl wirklich Schwein gehabt, am Vortag sind wir noch mit der Bahn gefahren!
 
Das grosse Warten auf Antworten
Nach dem Seilanriss bei der Schilthornbahn herrscht nun gespanntes Warten auf die Ergebnisse der Untersuchung. Gemäss Behörden und Seilbahnverband besteht kein Anlass, andere Betriebe einzustellen.
Reparaturarbeiten an Schilthornbahn / Keystone«Es wäre völlig unverhältnismässig, anderen Seilbahnen ihren Betrieb zu verbieten», sagt Pressesprecher Gregor Saladin vom Bundesamt für Verkehr (BAV). «Wir müssen nun einfach die Resultate der Untersuchung abwarten, um dann sofort die notwendigen Massnahmen zu ergreifen. Es hat keinen Wert, jetzt in Aktionismus zu machen.» Damit kontert er nicht zuletzt auch die in der «SonntagsZeitung» laut gewordenen Forderungen vereinzelter Parlamentarier wie SVP-Nationalrat Ulrich Gienzendanner, die eine sofortige Überprüfung oder gar Einstellung anderer Schweizer Seilbahnbetriebe verlangen.


Laufende Überprüfung


Abwarten empfiehlt auch der Verband Seilbahnen Schweiz seinen insgesamt 405 Mitgliedern. 124 von ihnen betreiben wie die Schilthornbahn AG eine Pendelbahn mit zwei Tragseilen. Verbandssprecher Felix Maurhofer: «Die Sicherheit steht an erster Stelle. Jedes Seil wird alle drei Jahre genauestens überprüft und richtiggehend geröntgt. Zudem kontrollieren die ausgebildeten Seilbahntechniker laufend alles Material.» Beim partiellen Seilriss der Schilthornbahn handle es sich um «einen bisher völlig einmaligen und absolut rätselhaften Vorfall». Entsprechend gross sei die Spannung auf die Resultate der Untersuchung, die, so Maurhofer, «halt so lange braucht, wies braucht».


Zuerst im Empa-Labor


Wie lange die Untersuchung dauert, ist noch völlig offen. Durchgeführt wird sie von der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) im Auftrag des Eidgenössischen Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Über das detaillierte Vorgehen konnte UUS-Leiter Markus Beer gestern noch keine Angaben machen: «Die weiteren Schritte hängen nun von der ersten Analyse ab.»


Rund 25 Meter des beschädigten Seiles werden gegenwärtig im Labor der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) in Dübendorf untersucht. Gemäss Markus Beer kann dies «einige Tage» in Anspruch nehmen, da es sich um eine «aufwändige Abklärung eines bisher einmaligen, nicht vergleichbaren Schadens handelt». Die beiden bisher letzten abgeschlossenen Untersuchungen der UUS betrafen eine Förderseilentgleisung in Wangs und den Kabinenabsturz in Zermatt.


Material in Produktion


Nicht nur Behörden und Bahnen warten gespannt auf die Untersuchungsergebnisse. Grosses Rätselraten herrscht auch beim Seilhersteller, der Fatzer AG in Romanshorn. Hansueli Kreis, Verkaufsleiter Schweiz: «Wir können uns die Ursache dieses bisher einmaligen Schadens nicht vorstellen.» Das Seil war vor 40 Jahren von der Schweizerischen Seilindustrie AG in Schaffhausen geliefert worden.


Als führendes Unternehmen stellt die Fatzer AG jährlich rund 4500 Tonnen Seil her und zählt weltweit über 200 Pendelbahnen zu ihren Kunden.Laut Hansueli Kreis läuft die Produktion der von der Schilthornbahn bestellten vier neuen Tragseile bisher programmgemäss. Zurzeit produziert der österreichische Lieferant, mit dem die Fatzer AG schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, das Drahtmaterial, das heisst, er giesst und walzt die Stahldrähte. Für den 6. Februar ist die Lieferung des ersten Seiles nach Stechelberg vorgesehen, für den 8. Februar diejenige des zweiten. Die neuen Tragseile sind mit vier Zentimetern zwar gleich dick wie die nun ausgetauschten (siehe Grafik), weisen jedoch zwei Lagen mit Z-Profil-Drähten auf.


bin auch gespannt, was da raus kommt....
 
Das hier stand vor ein paar Tagen im Blick. Jetz ist es auch auf der Hompage von Mürren.
Wer höher hinauf will kann jetz Helifliegen oder einfach hochlatschen.
Wenn die oberste Sektion der Schilthornbahn und der SL Engetal hinauf zum Birg offen wären, könnte man ja mal Hochfliegen aber nur für die zwei fixen SB ist der Spass dann doch zu teuer.
 

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Lol, nice. Also ich würd da ja glatt hochlaufen ;-)
 
Naja, ich finds krank. Hab aber dann das Vergnügen das unseren Kunden auch noch zu erklären...
 
Das hier stand vor ein paar Tagen im Blick. Jetz ist es auch auf der Hompage von Mürren.

Na toll, und heute fand ich folgende Mitteilung. Das heisst, dass schon vor der Bewilligung Werbung für die Helikopterflüge gemacht wurde.

Schilthornbahn: UVEK bewilligt Helikopter-Luftbrücke

Bern. DPA/baz. Als Ersatz für die defekte Schilthornbahn dürfen im Skigebiet Mürren/Schilthorn während den kommenden fünf Wochen Personentransporte per Helikopter geflogen werden. Das UVEK hat ein entsprechendes Gesuch aus dem Berner Oberländer Kurort bewilligt.
Das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) habe unter Auflagen die Bewilligung für die Helikopterflüge erteilt, sagte Beat Siegenthaler, Einsatzleiter der Air-Glaciers in Lauterbrunnen am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Bewilligt wurden laut Siegenthaler 50 Rotationen pro Tag zwischen dem Winterflugfeld Blumenthal oberhalb Mürrren bis zur Talstation des Sessellifts Kandahar. Geflogen werden darf zwischen 9.30 und 12 Uhr sowie zwischen 13 und 14 Uhr. Die Genehmigung ist befristet bis zur Wiederinbetriebnahme der zwei oberen Sektionen der Schilthornbahn, die für den 12. März geplant ist.

Mit einem vierplätzigen Helikopter vom Typ EC-120-Colibiri soll der Flugbetrieb bereits am Samstag aufgenommen werden, wie Siegenthaler sagte. Täglich können damit 200 Personen ins Skigebiet transportiert werden. Das Gesuch für die Helikopterflüge war von der Air Glaciers auf Initiative von Mürren Tourismus und des lokalen Hoteliervereins eingereicht worden.

Bei einem Zwischenfall war am 29. Dezember eines der vier Tragseile der Sektion Mürren-Birg der Schilthornbahn beschädigt worden, 53 Passagiere mussten aus einer Gondel evakuiert werden. Bis am 12. März sollen alle vier Tragseile der Sektion ersetzt und die Bahn wieder in Betrieb genommen werden.
Quelle BaZ 04.02.05 14:14
 
Ein top Artikel von espace.ch

Das Seil der Zuversicht
Spektakulär werden seit zwei Tagen die neuen Tragseile der Schilthornbahn montiert. Nach dem Seilanriss stellt sich die Frage: Können Stahlseile Sicherheit garantieren? Auf jeden Fall, sagen die Seilbahnbauer. In ihrer Welt sind Nerven wie Drahtseile selbstverständlich. Ein Ausflug in einen Kosmos der unvorstellbaren physikalischen Kräfte und des unerschütterlichen Vertrauens in Technik und Sicherheitsmassnahmen.

Auf der Tischplatte stehen kleine Querschnittmuster mächtiger Drahtseile. «Die Seile, die wir jetzt für die Schilthornbahn produzieren, sind schon etwas Besonderes», sagt Hansueli Kreis, Verkaufschef der Fatzer AG in Romanshorn am Bodensee, weltgrösster Hersteller von Seilbahnseilen. Nimmt man ein handlich scheinendes Seilmuster in die Finger, staunt man über das Gewicht. Reissen? Unvorstellbar.
Grandios überwinden Seilbahnbauer gähnende Abgründe und brachiale Felswände. An bedrohlich dünn scheinenden Seilen schweben immer grössere Kabinen. Unvorstellbar, welche physikalischen Kräfte die Seile bändigen. Unvorstellbar, was passieren würde, wenn ein Seil reisst. Deshalb muss unvorstellbar bleiben, dass ein Seil reisst.

Familiär und globalisiert

Im rustikalen Business, in dem Hansueli Kreis wirkt, ist Unvorstellbares normal. 4500 Tonnen Drahtseil verkauft die Fatzer AG mit ihren 60 Angestellten pro Jahr – in alle Welt. Trotzdem kennt man jeden Auftraggeber persönlich: «Seilbähnler sind wie eine Familie. Dieser Zusammenhalt ergibt sich automatisch, weil wir uns in einem speziellen, vielen Leuten fast unheimlichen Fachgebiet bewegen. Aber die Faszination befällt einem wie ein Virus.»

Genau so ist es. Ehrfürchtig steht man vor der gigantischen Spule. Darauf aufgerollt ein vier Zentimeter dickes Seil. Elf Kilometer lang. Auftraggeber: Eine Seilbahn in Hongkong, China. Mit einem Speziallastwagen wird das Monster nach Basel geführt, dann per Schiff in den fernen Osten. Ein globales Geschäft mit exotischem Spezial-Knowhow an der Grenze des Machbaren.

Kreis lacht: «Es wäre kein Problem, Seile zu produzieren, die noch bedeutend länger sind.» Die Grenzen setze nicht die Produktionstechnik, sondern das praktische Handling: Seilrollen zu transportieren, die über 100 Tonnen schwer sind, «stellt uns vor praktisch unlösbare Herausforderungen».

Wie Massanzüge

Angesichts dieser Grössenverhältnisse erscheinen die vier je drei Kilometer langen 28-Tonnen-Seile der Schilthornbahn als Routineauftrag. «Das täuscht», widerspricht Kreis. Drahtseile für Seilbahnen seien wie Massanzüge – sie müssten perfekt auf den Einsatzort abgestimmt sein. «Aussergewöhnlich am Fall Schilthorn sind der Termindruck und die Umstände.»

Vor allem die Umstände: Mürren konfrontiert die Familie der Seilbähnler mit einem irritierenden Störfall, wie es ihn in der schweizerischen Seilbahngeschichte noch nie gab. In der Sektion Mürren-Birg riss die Aussenhaut eines Tragseils. Alle 21 Drähte auf einmal. Dass ein Drahtseil, dessen Riss sich niemand vorstellen kann, wider Erwarten anreisst, wirkt auf Aussenstehende beunruhigend. Es könnte eben doch passieren, was nicht passieren darf. Die Familie der Seilbähnler damit aus der Ruhe zu bringen, ist allerdings unvorstellbar.

Am 29. Dezember, kurz vor 14 Uhr, gab es einen Knall im Seil, kurz nachdem die mit 52 Personen besetzte Gondel die Station Mürren Richtung Birg verlassen hatte. Der Maschinist stoppte die Seilbahn sofort, die Passagiere wurden in einer zweistündigen Routineaktion vom Helikopter am Seil aus der Kabine in Sicherheit geflogen. Seither stehen die beiden oberen Sektionen der Schilthornbahn still.

Hansueli Kreis war am 29. Dezember am Skifahren im Bündnerland, als sein Handy klingelte. Der Fatzer-Manager beorderte einen Spezialisten nach Mürren, der sich den rätselhaften Seilschaden unweit der Station Birg an der Longline des Helikopters aus der Nähe ansah. So etwas habe er noch nie gesehen, meldete er Kreis zurück. Auch fünf Wochen nach dem Vorfall ist Kreis «absolut schleierhaft», was passiert sein könnte. Klar war aber schnell, dass alle vier 40-jährigen Tragseile der Sektion Mürren-Birg aus Sicherheitsgründen ersetzt werden.

Solidarität der Bergler

Kreis kam ins Fieber. Massgeschneiderten Stahldraht, aus dem die Seile gedreht werden, hatte Fatzer nicht an Lager. Also suchte er während der Neujahrsferien unter den Mitgliedern der internationalen Seilbahn-Familie einen Drahthersteller. Per Handy stöberte er den Geschäftsleiter der «Austria-Draht» auf, der seinerseits in den Ferien weilte und die Hochöfen seiner Produktionsanlagen im österreichischen Bruck an der Mur abgeschaltet hatte. Harald Rauch erinnert sich an «turbulente Tage», in denen aber eine Art Solidarität zwischen Berglern aufgekommen sei: Die Seilbahn-Familie versteht sich auch als Aushängeschild eines innovativen Berggebiets. Zwar brauchten die Hochöfen vier Tage, bis sie auf Betriebstemperatur hochgeheizt waren, dann aber peitschte die Austria-Draht die Draht-Produktion für die Schilthorn-Seile in vier Wochen durch – anstelle der normalerweise benötigten 12 bis 14 Wochen Lieferfrist.

In Romanshorn drückte auch Kreis aufs Gas: Die Fatzer AG arbeitet derzeit rund um die Uhr sieben Tage in der Woche, um die Schilthorn-Seile zu fertigen. «Wir haben ein gutes Einvernehmen mit der Nachbarschaft und motivierte Mitarbeiter. Deshalb können wir unsere Flexibilität ausspielen.»

Ruhende Dinosaurier

Hansueli Kreis nimmt zwei Stufen auf einmal, wenn er Treppen steigt. Aber er rennt nicht. Das würde nicht zu ihm passen. In seinem Business ist Eile ein Marktvorteil. Hast aber könnte verhängnisvoll sein.
Zielstrebig geht Kreis voraus in die Produktionshalle. Man fühlt sich um Jahrzehnte zurückversetzt ins Industriezeitalter. Wie ruhende Dinosaurier liegen Dutzende langgezogener, rundbuckliger Maschinen in der Halle, an deren Seiten hintereinander unzählige Drahtrollen hängen. In der Luft hängt der Geruch von heissem Fett. Arbeiter in roten Überkleidern und mit grünen Stöpseln in den Ohren kontrollieren konzentriert die korrekte Funktion der lärmenden Geräte.

Kreis lenkt die Aufmerksamkeit auf eine mehr als mannshohe, sicher 30 Meter lange Maschine. An ihrem Rumpf hängen 54 Drahtrollen, die gleichzeitig im Zeitlupentempo abgerollt werden. Behutsam zieht die Maschine die Drähte nach vorne und führt sie in der Mitte zusammen, wo sie um den langsam rotierenden Seilkern gewickelt werden.

Das hektische High-Tech-Zeitalter scheint in der Romanshorner Fertigungshalle weit weg. «Im wesentlichen hat sich die Seilproduktion in den letzten Jahrzehnten nicht verändert», bestätigt Kreis: «Das perfekte Seil ist erfunden. Die Physik kann man nicht überlisten.»
Kurz berührt er die glatte Oberfläche des fertig gewickelten Seils der Schilthornbahn, das wenige Meter weiter vorne wie ein überdimensioniertes Spaghetti aus der Maschine fliesst und auf eine riesige Bobine gewickelt wird. Sechs bis sieben Franken kostet das Kilo Drahtseil bei Fatzer – macht rund 800 000 Franken für die vier Schilthornseile.

Wie eine Peitsche

Selbst der erfahrene Seilexperte Kreis wagt sich nicht vorzustellen, was passieren würde, wenn die von den Seilbähnlern gebändigten Kräfte bei einem Seilriss plötzlich entfesselt würden. Jedes Tragseil wird mit einen Gewicht von rund 40 Tonnen gespannt. Für den Laien ist unvorstellbar, dass die auf dem Felssporn exponierte Bergstation Birg einem Zug von 160 Tonnen entgegenzuhalten vermag. Für Seilbähnler ist der Fall klar: Man muss einfach mit genügend Beton das Gegengewicht herstellen. «Bei einem Riss würde ein Seil wohl wie eine Peitsche ausschlagen und einiges kaputtmachen», mutmasst Kreis. Dass so etwas passiert, ist für ihn «ausgeschlossen. Ich würde bedenkenlos in die Schilthornbahn steigen.»

Das würde auch der kritische Aviatik-Journalist Sepp Moser tun, der sich in einem Standardwerk mit den Schweizer Seilbahnen befasst hat: «Die Schilthornbahn gehört klar zu den Top-Shots», hält er auf Anfrage fest. Im Geschäftsjahr 2003 realisierte die Schilthornbahn einen Gewinn von 1,15 Millionen Franken. Jüngst hat das Unternehmen aber für 2004 einen Passagierrückgang von 10 Prozent bekannt gegeben.

Mit einer spektakulären Kommandoaktion bemühen sich die Schilthornbahnen nun, die Betriebspause so schnell wie möglich zu beenden. Seit vorgestern Donnerstag läuft die Montage der Tragseile, die von Romanshorn mit einem Speziallastwagen nach Stechelberg geführt werden. Dort wird das Seil über das Trassee der Materialseilbahn, die sich direkt über die klaffende Steilwand nach Mürren schwingt, abgerollt und oben mit einer Seilwinde wieder aufgerollt. Dann ziehen die Monteure mittels Hilfsseilen, die seit der Demontage der alten Seile zwischen Mürren und Birg gespannt sind, das fabrikneue Seil an seinem Bestimmungsort ein.

«Grosse Herausforderung

«Wir sind zwar routiniert und haben das Knowhow für solche Aufgaben. Aber das Schilthorn ist eine besondere Herausforderung», sagt Peter Baumann, Geschäftsführer des Seilbahnbauers Garaventa, der die Montage der Fatzer-Seile verantwortet. Speziell selbst für die Spezialisten ist, dass das Seil im Winter eingezogen wird. Vier Sattelschlepper mit Hilfsmaterial haben Baumanns Leute in den letzten Wochen nach Mürren transportiert – unter anderem für unzählige Portale, die über die Skipisten gezogen wurden, um für die Skifahrer jegliches Risiko auszuschliessen. Die Folge: Der finanzielle Aufwand für die Montage ist eher höher als die Produktionskosten für die Seile.

Zwar wird die Garaventa-Crew mit dem Helikopter zum Birg und zurück geflogen. Trotzdem sei die Schilthornbahn verpflichtet worden, auch das unbenutzte Skigebiet zwischen Schilthorn und Mürren zu präparieren und Lawinen zu sprengen, damit Baumanns Leute bei schlechtem Wetter mit Schneeschlitten und Pistenfahrzeugen gefahrlos aufs Birg gelangen könnten.

Der rätselhafte Seilanriss ist auch für Baumann kein Grund, an der Sicherheit der Seilbahn zu zweifeln: «Mögliche Schwachstellen bei Seilbahnen sind bekannt. Deshalb werden auch fixe Tragseile alle paar Jahre leicht verschoben, damit die Belastungsstellen vor den Tragmasten nicht immer am gleichen Punkt des Seils liegen.»
So sehr die Seilbähnler an die Sicherheit der Technik glauben, will der Garaventa-Geschäftsführer auch festgehalten wissen, dass die Arbeit am Schilthorn keine Routineangelegenheit sei: «Wir haben es mit gewaltigen Kräften zu tun. Ich weiss, dass bei meinen Leuten jeder Handgriff sitzt. Fehlen dürfen wir uns nicht erlauben. Was dann passieren würde, ist unvorstellbar.»

Der Autor: Jürg Steiner (juerg.steiner@bernerzeitung.ch) ist «Zeitpunkt»-Redaktor.
 
News

Bern, 16. Februar 2005. Seilbahnen Schweiz ist erleichtert, dass eine eindeutige Ursache beim Seilschaden an der Pendelbahn Mürren-Birg gefunden wurde. Mit der zusätzlichen Kontrolle bei ungefähr 130 Anlagen werden die bereits hohen Sicherheitsstandards nochmals ergänzt.

Seilbahnen Schweiz nimmt mit Genugtuung die Feststellung der unabhängigen Unfalluntersuchungsstelle für Bahnen und Schiffe (UUS) zur Kenntnis, dass während des Zwischenfalls bei der Pendelbahn Mürren-Birg am 29. Dezember 2004 die Sicherheit der Passagiere zu keinem Zeitpunkt gefährdet war. Die konstruktiven Reserven des Seilsystems waren immer ausreichend vorhanden . Laut UUS haben zudem die Verantwortlichen der Schilthornbahn AG den Zwischenfall vorbildlich und professionell bewältigt. Die im Zwischenbericht der UUS festgestellte, eindeutige Ursache des Seilschadens ermöglicht jetzt auch entsprechend angepasste Massnahmen.
Die UUS empfiehlt zuhanden den Aufsichtsbehörden, dass bestimmte Seilabschnitte zusätzlich kontrolliert werden sollen. Bis Ende April sollen bei ungefähr 130 Anlagen mit ähnlichen Seilsystemen einzelne Seilabschnitte auf genau bestimmte, mögliche Schadensansätze überprüft werden. Damit sollte der in der Schweiz bisher einmalig aufgetretene Seilschaden künftig ausgeschlossen werden.

Die Schweizer Seilbahnen werden dadurch ihre weltweit bekannte Spitzenposition als sicherstes Verkehrsmittel auch in Zukunft behaupten können.
 
Ja und was war nun der Grund?
 
Offenbar wurde das Seil bei einer Seilverschiebung (wie hier im Forum ja erläutert) mechanisch beschädigt. Dies soll bereits vor 26 Jahren passiert sein und konnte mit der magnetinduktiven Prüfung nicht festgestellt werden.
Find ich bedenklich...
 
Die Bahn soll am morgen Samstag wieder fahren.
 
habe gerade den comic von oscar gesehen - leider völliger schwachsinn: die seile stammen nicht aus österreich, lediglich der draht. besser wäre aber gewesen, diesmal auch das seil von den lieben nachbarn zu beziehen :lol:
 
Salzprinz schrieb:
habe gerade den comic von oscar gesehen - leider völliger schwachsinn: die seile stammen nicht aus österreich, lediglich der draht. besser wäre aber gewesen, diesmal auch das seil von den lieben nachbarn zu beziehen :lol:


Hmm habsch ja ned selbst gemalt, war so in der Zeitung von Grindelwald, oder sogar im Thuner Tagblatt weiss ich nimmer genau.

Aber nen lustiges Bildchen wars doch trotzdem? oder? :wink:
 
ja, wollts ja auch schon weiterschicken, als ich den fehler entdeckt habe. damit geht der witz aber etwas in die hose ...
 
Aus der NZZ:

Tragseilschaden bei der Schilthornbahn ist geklärt
Seilverschiebung vor 26 Jahren schuld

Der Tragseilschaden bei der Schilthornbahn vom vergangenen Dezember ist tatsächlich auf eine unsachgemässe Seilverschiebung vor 26 Jahren zurückzuführen. Zu diesem Schluss ist die Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe gekommen.

(sda) Mit den bisherigen Seilprüfverfahren konnten Schäden, wie sie am Tragseil der Schilthornbahn entstanden, nicht erfasst werden. Deshalb soll nun das Prüfverfahren verbessert werden, wie es in einer Mitteilung der Unfalluntersuchungsstelle vom Dienstag heisst.

Erst nur Mikroanrisse
Gemäss dem Schlussbericht rissen etwa 75 Meter unterhalb der Bergstation Birg alle 21 Drähte des Seilmantels. Der Seilkern blieb intakt. Die Seilbruchfläche sei nur leicht korrodiert gewesen. Daraus schliessen die Experten, dass die Brüche neu und bei der letzten Kontrolle im April 2004 noch nicht sichtbar waren. Vielmehr hätten damals wohl erst «interkristalline Mikroanrisse» bestanden. Auch Hinweise auf externe Ursachen für die Beschädigung, zum Beispiel Blitz- oder Steinschlag, fanden die Experten nicht.

Die Prüfer attestieren der Bahn einen guten Allgemeinzustand, Hinweise auf unsachgemässen oder ungenügenden Unterhalt gebe es keine.

Um 25 Meter verschoben
Die Tragseile der Schilthornbahn sind 1979 erstmals um 25 Meter verschoben worden. Durch die Verschiebung werden diejenigen Seilabschnitte entlastet, die in der Berg- bzw. Talstation sowie auf den Stützen liegen. Solche Seilverschiebungen werden durch spezialisierte Unternehmen ausgeführt. Das 1979 tätige Unternehmen existiere heute nicht mehr, wie der Direktor der Schilthornbahn, Peter Feuz, bereits bei früherer Gelegenheit ausführte. In rechtlicher und haftungsrechtlicher Hinsicht könne und müsse niemand zur Verantwortung gezogen werden.

Weitere Kontrollen
Am 29. Dezember 2004 kam es bei der Schilthornbahn zu einem Tragseilschaden. Die Bahn wurde sofort angehalten und die Passagiere per Helikopter geborgen. Verletzt wurde niemand. Der Bahnbetrieb wurde eingestellt und alle Tragseile ausgewechselt. Am 26.Februar konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.

Nach den Vorkommnissen bei der Schilthornbahn hat das Bundesamt für Verkehr Kontrollen bei verschiedenen Bergbahnen angeordnet. Laut Zwischenbericht von Mitte Mai müssen 15 von 44 Tragseilen eingehender geprüft werden.
 
Seilriss kostete 5,5 Millionen
Das Ausmass des Schadens, der die Schilthornbahn traf, ist jetzt bekannt

Das explosionsartige Bersten aller Profildrähte eines Tragseils der Schilthornbahn hat dem Unternehmen im vergangenen Winter einen Schaden von insgesamt 5,5 Millionen Franken verursacht. Das wurde an der Generalversammlung der Schilthornbahn AG von Direktor Peter Feuz bekannt gegeben. 2,5 Millionen Franken kostete der Ersatz der vier Tragseile zwischen Mürren und der Station Birg. 3 Millionen Franken machte der Ertragsausfall aus, weil zwischen dem 29. Dezember 2004 und dem 26. Februar 2005 die Schilthornbahn wegen der Reparaturarbeiten in den oberen beiden Sektionen stillgelegt werden musste. Laut Feuz dürfte der grösste Teil dieses Schadens durch Versicherungsleistungen gedeckt sein, denn die Bahn hat auch das Betriebsausfallrisiko versichert.


Wie die Abklärungen der Unfalluntersuchungsstelle im Bundesamt für Verkehr ergaben, war das Reissen der äussersten Seildrähte – der Seilkern blieb intakt – auf eine äussere Verletzung der Tragseile zurückzuführen.


56 Bahnen überprüft


Bei der ersten vorgeschriebenen Seilverschiebung vor 26 Jahren verursachte der Stahlsattel, über den die Tragseile gezogen wurden, Schleif- und Fressspuren. Unter den dabei entstandenen Metallschuppen liess eine sog. wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion die obersten Drähte verspröden, so dass die äusseren Profildrähte des Seils dann auf einen Schlag barsten. Mit den herkömmlichen Seilprüfmethoden mit Magnetinduktion sind gemäss Bundesamt für Verkehr solche Schäden nicht erkennbar. Nach dem Zwischenfall am Schilthorn ordnete das Bundesamt für Verkehr bei 56 Seilbahnen ähnlicher Bauart optische Seilkontrollen an. Bei 23 Anlagen seien verdächtige Stellen an den Tragseilen entdeckt worden, sagt Gregor Saladin, Pressesprecher beim Bundesamt für Verkehr. Aber nur bei fünf Anlagen seien nach vertieften Abklärungen Reparaturen nötig. Weil in diesen Fällen die Seilverletzungen jüngeren Datums seien, könne durch fachgerechte Reparatur eine Versprödung der äussersten Seildrähte verhindert werden.


Kein Rekordjahr


In keinem Fall sei es nötig gewesen, die Tragseile auszuwechseln, sagt Saladin. Das zeige, wie aussergewöhnlich der bisher in der Branche neuartige Schaden am Tragseil der Schilthornbahn war. Beim glimpflich abgelaufenen Seilriss vom 29. Dezember 2004 musste die Schilthornbahn 53 Personen aus der Luftseilbahnkabine per Helikopter retten.
Trotz dem Ausfall von zwei Hochsaisontagen verzeichnete die Bahn im Jahr 2004 ein gutes Ergebnis. Die Frequenzen erreichten allerdings jene des Rekordjahrs 2003 nicht. Die Gesamtertäge einschliesslich Gastronomie und jener der andern Mürrener Sportbahnen beliefen sich gemäss Geschäftsbericht 2004 auf rund 21 Millionen Franken. Nach ordentlichen und ausserordentlichen Abschreibungen von 2,5 Millionen Franken verbleibt ein Jahresgewinn von 1,1 Millionen Franken, der zur Ausschüttung einer zwölfprozentigen Dividende verwendet wird. (Lb)
Quelle: Der Bund 18.06.05
 
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