Schlossberg-Seilbahn vor dem Aus
Es fehlt ein Betriebsleiter und 2008 läuft die Betriebsgenehmigung aus / Eigentümer Hansjörg Dattler liebäugelt mit Schrägaufzug
Von unserem Redakteur Joachim Röderer
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Zwei Freiburger Wahrzeichen: Die Zukunft der Schlossberg-Seilbahn ist in der Schwebe.(FOTO: BRIGIT ...mehr
Sie ist ein Freiburger Unikum — aber mit ungewisser Zukunft: Die knapp 40 Jahre alte, privat betriebene Seilbahn vom Stadtgarten hinauf auf den Schlossberg steht vor der Schließung. Der Bahn fehlt ein Betriebsleiter und ein Nachfolger ist kaum zu finden, sagt Hansjörg Dattler, Besitzer des Schlossbergrestaurants und Eigentümer der Bahn. Zum anderen läuft Ende 2008 die Betriebsgenehmigung aus, dann stünden hohe Investitionen an. Als Ersatz für die Bahn schwebt Dattler ein Schrägaufzug vor.
Die Gondeln haben derzeit Winterpause. Wie und vor allem ob es für die 1968 gebaute Seilbahn weitergehen wird, soll sich bei Gesprächen Anfang Februar entscheiden. 1986 hat Hansjörg Dattler das Fahrgeschäft der Familie Pyhrr abgekauft. Die Bergstation liegt bekanntlich direkt neben Dattlers Schlossbergrestaurant, das mittlerweile seit 125 Jahren hoch über Freiburg thront. Die Fahrtstrecke der Seilbahn ist nur 260 Meter lang. In knapp zwei Minuten Fahrt mit bester Ausblick auf Freiburg überwinden die Zweier-Kabinen rund 70 Meter Höhenunterschied.
An heißen Sommertagen gondelten zuletzt bis zu 700 Mitfahrerinnen und -fahrer auf den Schlossberg. Auf immerhin 80 000 bis 90 000 Fahrgäste brachte es die Bahn jedes Jahr. Knapp die Hälfte der Passagiere hat Dattlers Restaurant als Ziel. "Wir haben immer wieder viel Geld in die Bahn investiert" , berichtet Hansjörg Dattler. Die Konstruktion mit ihren kuppelbaren Zweierkabinen gilt in Deutschland als einmalig. Was wiederum zur Folge hat, dass jedes Ersatzteil eine teure Einzelanfertigung ist. Erst 2001 hat Dattler rund 250 000 Euro in die Sanierung investiert — inklusive einem Zuschuss der Stadt Freiburg. Der Betrieb der Seilbahn habe immer nur über private Einlagen aufrechterhalten werden können.
Um überhaupt eine Zukunftschance zu haben, bräuchte die Bahn zunächst einmal einen Ersatz für den ausgeschiedenen Betriebsleiter. Ein fast aussichtsloses Unterfangen, weil die gesetzlichen Vorgaben überaus streng sind. Nur wer eine Erlaubnis zum Führen einer Seilbahn hat, könnte sofort als Bahnchef am Schlossberg loslegen. Andere Interessenten für den Job müssten erst einmal die knapp einjährige Ausbildung mit Kursen und abschließender Prüfung in Innsbruck absolvieren. Gastronom Dattler hat auch schon bei der Freiburger Verkehrs-AG (VAG) angefragt, die bekanntlich die Schauinsland-Seilbahn betreibt und somit auch über Personal mit den nötigen Lizenzen verfügt. Doch die VAG hat abgewunken: Es besteht beim städtischen Tochterunternehmen kein Interesse, seine Seilbahnaktivitäten auf den Schlossberg auszudehnen.
Zu alledem kommt auch noch Problem Nummer zwei: Ende 2008 läuft nach 40 Jahren die Betriebsgenehmigung aus. Eine neue wäre zwar zu bekommen — aber erst nach hohen Investitionen, vermutlich im sechsstelligen Euro-Bereich. "Und man hätte am Ende doch wieder nur eine alte Bahn" , meint Hansjörg Dattler. Investiert wird auf dem Schlossberg aber auf jeden Fall. Die Dattlers wollen ihren Betrieb um ein Hotel erweitern. Dabei könnte auch ein Seilbahn-Ersatz entstehen: "Schlossberg-Liner" nennt Hansjörg Dattler die wahrscheinliche Alternative zu den Gondeln: Das wäre ein Schrägaufzug, der außen am Berg im Pendelverkehr die Besucher gruppenweise auf und ab fahren könnte — das ganze Jahr über und auch mehr als nur acht Stunden am Tag.
Bernd Dallmann, Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe, weiß von den Problemen um die Seilbahn, die auch von den gesetzlichen Vorgaben herrühren: "Das ist wieder einmal typisch Deutsch" . Die Bahn habe für Freiburg einen touristischen Wert. Drum würde sich der FWTM-Chef freuen, wenn die Gondeln wieder fahren würden. Ein Aufzug als Ersatz wäre aber auch in Ordnung: "Hauptsache, es geht nach oben" .