Aus Die Presse:
Second Hand-Lifte für russische Pisten
VON KLAUS HÖFLER (Die Presse) 03.02.2005
Die Modernisierung in den steirischen Wintersportgebieten fordert ihre Opfer: Alte Liftanlagen werden ausgemustert. Und weltweit exportiert.
SCHLADMING. "Russland ist ein guter Markt", ist Karl Höflehner zufrieden. Für ausrangierte Schlepplifte bekomme man dort einen "vernünftigen Preis": Für einen zwanzig Jahre alten "Schlepper" immerhin noch an die 10.000 Euro.
Höflehner, technischer Leiter der Planai-Bahnen in Schladming, hat aber auch mit Tschechien schon gute Geschäfte gemacht. Drei Lifte wurden in den vergangenen drei Jahren aus dem Ennstal Richtung Osten verkauft. Der Export von Second Hand-Liften ist durch den EU-Beitritt vieler potenzieller Abnehmerländer mittlerweile aber schwieriger geworden (strengere Sicherheitsauflagen) oder überhaupt verboten.
Längst haben die heimischen Seilbahnunternehmen ihre Fühler deshalb über die EU-Grenzen hinaus ausgestreckt. Schlepplifte und Pistengeräte von der Planai werden über Zwischenhändler in Russland angeboten. Die alte Vierer-Gondelbahn auf der Reiteralm könnte in Zukunft in Kasachstan oder auf den Golan-Höhen Passagiere auf den Gipfel transportieren. Entsprechende Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss. Schon im kommenden Sommer wird mit dem Bau einer Achter-Gondelbahn begonnen. Stolzer Preis pro Gondelkabine: 11.000 bis 15.000 Euro; samt Aufhängung das Doppelte.
Bereits vor fünf Jahren konnte man sich in Haus im Ennstal über einen wirtschaftlichen Clou freuen. Die durch eine moderne Achter-Gondel ersetzte alte Vierer-Gondelanlage wurde um mehr als 360.000 Euro nach Rumänien verkauft. Dort allerdings bis heute nicht aufgebaut.
Gleich verschrottet wurden dagegen die mehr als 30 Jahren alten Schlepplifte am Präbichl. "Die waren für einen Weiterverkauf nicht mehr adaptierbar", sagt Präbichl-Geschäftsführer Josef Löcker.
Auch auf der Turrach im Grenzgebiet zu Kärnten fanden die vor fünf Wintern gegen neue Sechser-Sessellifte ausgetauschten Altanlagen keine Nachnutzer mehr. Selbst griff man allerdings auf einen gebrauchten Schlepplift aus Tirol zurück, der dort zu Gunsten eines Sessellifts ausgemustert wurde.
Artfremde Einsatzgebiete gibt es mittlerweile für die vor zehn Jahren um 180 Euro an Privatleute verkauften Gondelkabinen der alten Schöckelseilbahn. Sie zieren heute Gärten, Sportgeschäfte oder Wohnzimmer.
Weiterverkauft wurden von den Grazer Stadtwerken auch alte Straßenbahn-Beiwagen. Zum Liebhaberpreis von damals eintausend Schilling wurden sie unter anderem entweder an ausländische Verkehrsbetriebe oder heimische Kindergärten verhöckert.
Für die ihrerseits von den GVB gebraucht gekauften Tram-Züge aus Wuppertal war dagegen nach Betriebsschluss in der Verschrottungsanlage Endstation.