Seilbahn-Riesen zieht es immer weiter ostwärts
Das Match zwischen Doppelmayr und Leitner verlagert sich zunehmend nach Osteuropa und Asien. Parallel versuchen beide mit Neuentwicklungen zu punkten
WirtschaftsBlatt. Viel Luft ist im Seilbahngeschäft in Europa nicht mehr, ist Michael Seeber, CEO der südtiroler Seilbahngruppe Leitner, überzeugt. Er rechnet damit, dass der Markt ab 2007/08 stagnieren, wenn nicht schrumpfen werde. Leitner: "Wir müssen uns fragen, wo man noch was Neues machen kann." Nicht ganz so pessimistisch ist der Leitner-Konkurrent Michael Doppelmayr, aber auch er gibt zu, dass im Alpenraum keine neuen Skigebiete mehr gebaut werden.
Um sich breiter aufzustellen, setzen beide auch auf neue Produkte, wie etwa seilgezogene innerstädtische Nahverkehrsmittel. Leitner baut derzeit etwa ein derartiges System für die italienische Stadt Perrugia. Doppelmayr errichtet eine Anlage für den Flughafen Toronto und punktet mit Nischenentwicklungen wie Bahnen für Schüttguttransporte für die Bauwirtschaft. "Das ist eine Kombination von Seilbahn und Förderband und kommt überraschend gut an", sagt der Vorarlberger Unternehmer.
Im klassischen Seilbahngeschäft sehen die Hersteller vor allem Chancen in Osteuropa und Asien. "In Polen, Bulgarien, Rumänien oder Russland werden Skigebiete sogar mit EU-Beihilfen ausgebaut", sagt Doppelmayr. Auch Seeber will diese Chance nutzen und drängt zudem wie sein Konkurrent nach Asien. "Dort gibt es ja nicht nur die extrem hohen Berge, sondern auch viele 2000er und 3000er, die nahe bei Ballungszentren liegen und das Potenzial für Skigebiete haben."
Kapazitätsboom endet
In Österreich und Italien selbst wurden wegen Investitionsförderungen und Olympia Projekte vorgezogen, die dem Markt in ein bis zwei Jahren fehlen, ist Doppelmayr überzeugt. Insgesamt würden die Seilbahnbetreiber aber auf hohem Niveau investieren.
Zudem kämen neue Märkte dazu – oder alte zurück. "Spanien entwickelt sich gut. Auch Frankreich. Deutschland und die Schweiz kommen wieder. Das sind vor allem Ersatzanlagen." Seeber dazu: "Man baut nur Kapazitäten aus. Da sind wir bald dort, dass die Leute nicht mehr unten am Lift anstehen, sondern oben, bevor sie hinunterfahren."